Stahlhelm und Laptop

Lutz Klevemans Roman "Kriegsgefangen. Meine deutsche Spurensuche"

"Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen", verspricht der Verlagstext. Tatsächlich sind es gleich zwei Helden, die sich auf die Suche nach dem Sinn des Lebens machen. Großvater Hans-Heinrich und Enkel Lutz Kleveman.

Lutz Kleveman: Kriegsgefangen. Meine deutsche Spurensuche. Siedler
Lutz Kleveman: Kriegsgefangen. Meine deutsche Spurensuche. Siedler Quelle: Siedler

Der Opa mit Stahlhelm und Gewehr, der Enkel mit Handy und Laptop. Eine Spurensicherung: Der Alte mit Hurra-Patriotismus und Todessehnsucht, der Junge freiwillig zehn Jahre lang auf der Jagd nach dem Scoop, der definitiven Story.

Rasante Parallelmontage

Lutz Kleveman ist ein ehemaliger "Spiegel"-Reporter. Er beherrscht sein Metier, erzählt beeindruckend von brasilianischen Drogenbaronen, tschetschenischen Kämpfern und afrikanischen Huren. Der Sound seiner Weltreise ist unterlegt vom Brummen der Dieselgeneratoren, der "Abendmusik der Armen". Kleveman handelt als allseits cleverer Chronist, wobei er sich selbstkritisch auch einmal als "selbstsüchtigen jungen Schnösel" beschreibt, der im Nachtclub von London oder an der Straßensperre in Sierra Leone einfach nur durchkommen will. Das ist sein Motto, das ist der Kick.

In einer rasanten Parallelmontage verarbeitet Kleveman Fronteinsatz und Gefangenschaft seines Großvaters Hans-Heinrich im I. Weltkrieg. Dieser Patriarch ist ein deutsch-nationaler Frontkämpfer, preußisch bis unter die Knochen, er gerät in Russland jahrelang in Gefangenschaft. So manches Mal ist der Enkel verstört, "widerwärtig" empfindet er den alten Militär in solchen Situationen.

Unerschrockener Reporter

Mit dieser Doppelkonstruktion hat sich der Autor ein wenig verhoben. So reizvoll es ist, zwei Epochen mit ihren Helden- und Männerbildern zu vergleichen, so belehrend klingt es, wenn der nachgeborene Reporter altklug den Kopf über die Kriegsgeneration schüttelt. Dennoch: ein intensives Buch über die Lehr- und Wanderjahre eines unerschrockenen Reporters.

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