"Sturz der Titanen"

Ken Follets neues Buch

Bei einer Führung in St. Petersburg zeigt man ihm einen historisch bedeutsamen Rohrstock - da staunt der Bestseller-Autor Ken Follett nicht schlecht. Doch mehr noch interessiert er sich im dortigen "Arbeitermuseum" für die Männer auf den Fotos: Zerlumpte Proletarier, die mit der Oktoberrevolution 1917 die Welt erschütterten. Einige von ihnen spielen jetzt in Folletts neuem Buch eine Hauptrolle.

Mit seinem historischen Roman "Sturz der Titanen" lässt Ken Follett das Mittelalter endgültig hinter sich und kreuzt dafür im 20. Jahrhundert wieder auf: Vom Petersburger Winterpalais aus geht es quer durch Europa, mitten im ersten Weltkrieg.

Reiche wurden ausradiert

Truppenparade der Wehrmacht
Kriegsbeginn , Truppenparade der Wehrmacht Quelle: dpa


"In 'Sturz der Titanen' geht es um den Fall dreier großer Imperien - um drei Großmächte, die durch den Ersten Weltkrieg ausradiert werden: um Österreich-Ungarn, das Reich der Osmanen und das russische Zarenreich. Und obwohl dies niemand beabsichtigte, sehen wir am Ende des Krieges einen wahrhaft gigantischen Absturz", erklärt der Bestseller Autor

Der Erste Weltkrieg - das weiß Follett natürlich - wurde hundertfach dokumentiert und beschrieben. Doch er setzt sich jetzt vor allem mit der englischen Kriegspropaganda auseinander. Beim Einmarsch deutscher Truppen ins neutrale Belgien etwa. Ein klarer Völkerrechtsbruch - das meint auch Follett. Doch die britische Empörung darüber hält er für Theaterdonner: "Der Aufschrei über den deutschen Einmarsch in Belgien war ziemlich heuchlerisch: Denn die Briten hatten genau denselben Plan - aber was für ein Geschrei, als die Deutschen schneller waren. Dieses ganze Gezeter britischer Politiker war pure Heuchelei. Damals war das natürlich schwer zu durchschauen, aber wenn man heute auf die historischen Schachzüge von damals zurückblickt, werden sie ziemlich klar. Das ist der Vorteil der Distanz von fast 100 Jahren."

Luftaufklärung im 1. Weltkrieg
Luftaufklärung im 1 Weltkrieg Quelle: ZDF

Frauenrechte im Weltkrieg

Als guter Entertainer blendet Follett die "Heimatfront" immer wieder ein. Frauen sind dort nicht nur attraktiver, sondern in einer ganz neuen Rolle. Im Krieg rücken sie in Fabriken ein und reparieren notfalls das Automobil. Und plötzlich pochen Frauen auch militant auf ihr Wahlrecht. Frauenpower - bei Follett zieht sie jetzt in den Kriegsroman ein. "Die gewaltigste Umwälzung im 20. Jahrhunderte gab es in der Rolle der Frauen in der Gesellschaft. Am Anfang dieses Jahrhunderts stimmte jedermann zu, wenn es hieß, Frauen seien das schwächere Geschlecht. Doch am Ende des 20. Jahrhunderts glaubte das niemand mehr. Es gab also einen Riesenwandel", so Follett.

Nur an der Westfront nichts Neues - oder etwa doch? Zehn Millionen Männer sterben in diesem Krieg, als hätte es nie einen Ausweg gegeben. Follett rückt jetzt in den Blick, dass es durchaus Friedensoptionen gab. 1916 etwa, zwei Jahre vor Kriegsende: Damals konnte US-Präsident Wilson die Deutschen für Friedensverhandlungen gewinnen. Fünf Millionen Soldaten hätten dem Kriegstod entgehen können, wäre dieser Vorstoß geglückt.

Sture Briten

"Der Friedensvorschlag wurde von den Westmächten rundweg abgelehnt. Mir ist das ein Rätsel. Die Briten blieben wohl stur, weil damals Lloyd George gerade Premierminister geworden war - einer, der populär war, weil er so aggressiv auftrat. Aber er hätte Frieden schließen können. Und man fragt sich, ob ihm nie in den Sinn kam, das Blutvergießen zu stoppen", sagt Follett.

Im Buch setzt der Autor seinen Schlusspunkt mit der Versailler Friedenskonferenz. Die Kriegsschuld schieben die Sieger nun allein Deutschland zu. Ein Schandfrieden - finden die Deutschen. Doch auch Ken Follett scheint seinen britischen Landsleuten diesen Vertrag zu verübeln. "Sie dürfen nicht vergessen, dass ich kein Engländer bin. Ich komme aus Wales, einer kleinen Nation, die von den Engländern erobert wurde. Meine Sympathien sind also - sagen wir - nicht so festgelegt." Dabei heißt es doch: Geschichte schreiben immer die Sieger. Nonsens, wie der Waliser Ken Follett jetzt beweist. Und vermutlich landet er damit einmal mehr auf der Bestseller-Liste.

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