Tatarak

Erschütternde Elegie über unmögliche Liebe und den Tod

Der polnische Regisseur Andrzej Wajda hat einen Film über den Tod gemacht, oder vielmehr: über Abschiede. Von Menschen, von der Liebe, vom Leben. Es ist einer der härtesten Filme im diesjährigen Wettbewerb. Denn es ist eine Mischung aus Realität und Fiktion.

Der Film beginnt in der Realität, im Hotelzimmer der Hauptdarstellerin Krystyna Janda. Wie in einem Edward Hopper-Gemälde steht sie in dem kargen Raum, graues Licht fällt durchs Fenster. Sie spricht über ihren Mann, der in der Entstehungszeit von "Tatarak" gestorben ist. Die Kameraeinstellung bleibt starr, die Einsamkeit dieser Frau ist bedrückend. Es sind Jandas eigene Gedanken, die sie am Ende des Drehs zu "Tatarak" als Notizen an Regisseur Andrzej Wajda übergeben hat. Der sich entschloss, sie mit in den Film zu nehmen.

Fiktion und Realität

Und so sind es zwei Geschichten, die Wajda ergreifend zusammengebaut hat: Krystyna Jandas eigene Erinnerungen und die Erzählung "Tartarak". Krystyna Janda spielt darin die Arztgattin Marta. Ihre Söhne sind im Zweiten Weltkrieg umgekommen, Marta schämt sich dafür, dass sie noch lebt. Und dass das Leben um sie herum weitergeht. Ihr Mann (Jan Englert) hat ihr jedoch nicht gesagt, dass sie schwerkrank ist. Sie wird den Sommer nicht überleben.

Eines Tages trifft sie den 20-jährigen Bogus (Pawel Szajda) - seine jungendliche Unbekümmertheit fasziniert sie. Es ist keine Affäre, die sie beginnen, und doch sind sie aneinander interessiert. Ihre unschuldigen Verabredungen am Fluss finden ein jähes Ende. Als sie am Ufer des Flusses baden, bleibt Bogus im schilfartigen Gras unter Wasser hängen und ertrinkt. Er, dessen erwachsenes Leben noch nicht einmal begonnen hat, stirbt noch vor Marta.

Radikal

Immer wieder während der Geschichte springt der Film zurück in die Realität, ins Hotelzimmer, in dem Krystyna Janda über die letzten Tage ihres Mannes redet: Edward Klosinski - er war Kameramann, auch für Andrzej Wajda. Diese verschiedenen Ebenen verknüpft Wajda geschickt mit Beobachtungen der Dreharbeiten. Plötzlich wird aus der Fiktion ein Making-of und die Figur Marta wird zur Schauspielerin Krystyna Janda, die verzweifelt das Set verlässt. Wie sich Janda nassgeregnet und zitternd auf dem Rücksitz eines Autos zusammenkauert und die Perücke der Marta vom Kopf zieht, ist eine der aufwühlendsten Szenen des Films.

Der 82-jährige polnische Regisseur hat mit "Tartarak" einen radikalen Film gemacht. Ein mutiges Experiment, das mit diesen unterschiedlichen Ebenen zu einer Art Elegie wird: über unmögliche Liebe und den Tod, der immer zu früh kommt. Wie die Schauspielerin Krystyna Janda radikal und schonungslos offen ihre intimsten Gedanken teilt, ist erschütternd und bewegend. Zur Vorstellung des Films ist sie nicht angereist. Die Geschichte des Films sei für sie zu persönlich und zu schmerzhaft, als dass sie sich Diskussionen darüber habe aussetzen wollen, erklärte Darsteller Jan Englert.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet