Terror als Geschäft

Ein Kinofilm über Carlos den Schakal

Er war der gefährlichste, meistgesuchte Terrorist der Welt. Über 20 Jahre lang zog der Venezolaner Ilich Ramirez Sanchez, genannt "Carlos", Bomben legend durch die Welt. 83 Morde können ihm nachgewiesen werden, er selbst brüstet sich mit 1500 Opfern. 1994 wurde er im Sudan gefaßt und in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilt. Nun zeigt ein Spielfilm sein Leben.

Dem französischen Regisseur Olivier Assayas ist ein fulminantes Meisterwerk gelungen. Es macht die Wucht des Terrorismus in den 70er und 80er Jahren spürbar und kommt dem Phantom und Phänomen Carlos auf die Spur. Das Epos zeigt Aufstieg und Fall des Sohnes eines marxistischen Anwalts aus Caracas.

Söldner und Auftragskiller

Der Film macht seine Wandlung vom Überzeugungstäter zum Terror-Dienstleister deutlich: Der mystifizierte "Kämpfer gegen den Imperialismus" war in Wirklichkeit kaum mehr als ein Söldner und Auftragskiller. Hinter seinen Terrorakten steckt wenig politische Motivation. Eiskalt mordet er, für palästinensische Extremisten, Ostblock-Geheimdienste und Diktatoren im Nahen Osten - wer immer ihm genug bezahlt. Carlos führt ein globales Terror-Netzwerk und ist doch auch Spielball des Kalten Krieges. Packend schildert der Film, wie nah terroristische, diplomatische und geopolitische Interessen damals beieinanderlagen.

Zwei Kino-Fassungen

Der grandiose Hauptdarsteller Édgar Ramírez - die Entdeckung des Jahres - gibt Carlos als weltgewandten, selbstverliebten Macho, dessen Charisma und Verführungskraft die Frauen erliegen. Als seine deutsche Ehefrau Magdalena Kopp (Nora von Waldstätten) verhaftet wird, zettelt Carlos gar einen Privatkrieg an, um sie freizupressen.
Ursprünglich als Dreiteiler fürs Fernsehen geplant, kommt das Mammutwerk in Deutschland in zwei Fassungen in die Kinos - in der Länge von drei und fünfeinhalb Stunden. Davon sollte sich kein Zuschauer abschrecken lassen: Besonders erstere ist keine Minute zu lang. "Carlos, der Schakal" ist ein spannendes politisches Porträt mit klugen Dialogen - actiongeladen, aber kein reißerischer Ballerfilm. Der Film ist hervorragend besetzt und ein authentisches Stück Zeitgeschichte. Einer der stärksten Filme dieses Jahres.

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