The Future

Innenschau von Miranda July - zum Fremdschämen

Das Beste am amerikanischen Wettbewerbsbeitrag (unter deutscher Koproduktion) ist die sprechende Katze. Und vielleicht noch das gelbe T-Shirt mit Eigenleben, das seiner Besitzerin erbärmlich-sehnsuchtsvoll auf der Straße entgegenrobbt. Sprechende Katzen? Robbende T-Shirts? Willkommen in der Welt der Miranda July.

Mit "The Future" legt die amerikanische Künstlerin und Schriftstellerin Miranda July ihren zweiten Film vor - ihr erster, "Ich und Du und alle die wir kennen" eröffnete 2005 das Filmfestival in Cannes und erhielt eine Auszeichnung für das beste Debüt.

Eine Katze gegen die Leere

Auch diesmal hat sie wieder das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und spielt eine der beiden Hauptrollen. Sophie (Miranda July) und Jason (Hamish Linklater) sind ein Paar um die 30 in Los Angeles. Auch wenn beide zuhause sind, sitzen sie viel am Computer, und obwohl sie sich wirklich nah sein wollen, fällt es ihnen oft schwer, Kontakt zueinander zu finden. Sie beschließen, dass sie nun lange genug zusammen und wirklich ernsthaft bereit sind - eine Katze zu adoptieren.

Hier kommt "Pfötchen" ins Spiel, die kranke Katze, die noch einen Monat ihre verletzte Pfote im Tierheim kurieren muss, bis sie zu ihren neuen Besitzern darf. Von "Pfötchen" sieht der Zuschauer meist nur die gestikulierenden Pfoten. Sie spricht zu den Zuschauern über das "Wildsein", das "draußen" und "drinnen". Sophie und Jason fürchten um ihre Freiheit angesichts der neuen Verantwortung für das kranke Tier. Obwohl ihr Leben reichlich leer ist, haben sie fast panische Angst davor, dass es sich mit einer Katze schlagartig ändern könnte.

Maniriert und aufgesetzt

Ein Monat bleibt ihnen nur noch bis zur Adoption, den wollen sie nutzen. Sie kündigen ihre Jobs. Sophie möchte sich mit Ausdruckstänzen im Internet verwirklichen, Jason will seinen Intuitionen nachgehen - und lässt sich für ein Öko-Projekt einspannen. Sophie verliert sich, verzweifelt an ihren Versuchen, einen Tanz zu kreieren. Sie ruft einen Fremden an und beginnt eine merkwürdige Affäre mit dem spießigen 50-Jährigen aus einer Vorort-Siedlung.

Das Prinzip der beiden July-Filme ähnelt sich, die Hauptpersonen verhalten sich immer etwas kindlich, linkisch bis hin zu fürchterlich peinlich. Doch während Miranda July bei ihrem Debütfilm "Ich und Du und alle die wir kennen" mit dieser Form einen eigenen Kosmos, verstörend und schön, erschuf, wirkt "The Future" als Film insgesamt vor allem: äußerst unangenehm. Die Selbstbezogenheit und Innenschau der Charaktere mutet maniriert und aufgesetzt an. Man windet sich hin und wieder vor Fremdscham im Kinosessel ob der hilflosen Charaktere in heiklen und skurrilen Situationen. Das mag Konzept sein, geht aber als Spielfilm diesmal nicht auf.

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