"Tiere essen"

Die Folgen des Systems der Massentierhaltung

Der amerikanische Bestseller-Autor Jonathan Safran Foer hat schon oft in seinem Leben aufgehört, Fleisch zu essen. Doch erst mit den Recherchen zu seinem neuen Buch "Tiere essen" ist es ihm plötzlich nicht mehr schwer gefallen. Als er Vater wurde, wollte der Schriftsteller wissen, woher das Fleisch kommt, das Menschen essen. Herausgekommen ist nicht etwa ein dogmatisches Vegetarier-Pamphlet.

Über drei Jahre hat sich Foer damit beschäftigt, Details über die Folgen des Systems Massentierhaltung zu sammeln - aus der 99 Prozent allen verfügbaren Fleisches stammt. Das Ergebnis hat ihn selbst schockiert. Denn auch wenn viele Menschen eine Ahnung haben, dass das Fleisch im Supermarkt vielleicht nicht von den glücklichsten Schweinen oder Kühen stammt - das Ausmaß sollte jeden aufrühren.

Verheerende Folgen

Foer erzählt: "Was mich am meisten schockiert hat, war, wie schwer es war, an Informationen zu kommen. Ich habe tausende Betriebe angeschrieben und angerufen und ganz ehrlich gesagt: 'Ich bin ein Vater und interessiere mich für Fleisch. Wo es herkommt, wie es unsere Gesundheit beeinflusst und unsere Umwelt, wie Tiere behandelt werden. Könnten Sie mir ein paar Antworten geben, kann ich ihren Betrieb sehen?' Keine einziger Betrieb hat ja gesagt.

Foer stellt nicht nur klar, wie grauenhaft Tiere in diesen Betrieben als Standard behandelt werden - sondern bezieht auch die verheerenden gesundheitlichen und ökologischen Folgen des Fleischkonsums mit ein. Und das Dilemma, dass Fleisch den Menschen nun einmal schmeckt und der Mensch seinen eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht werden kann.

Gerade so am Leben gehalten

Die Fleischindustrie wisse, so argumentiert Foer, dass am besten so wenig wie möglich über ihr Geschäft gesprochen wird. Und beim Fleischkauf möchte der Mensch auch nicht immer dran denken müssen. Dabei: 99 Prozent allen Fleisches, das verfügbar ist - in den USA und auch in Deutschland - stammt aus Massentierhaltung. Damit das System rentabel ist, werden Tiere gerade so am Leben gehalten. Hühner müssen nach knapp 40 Wochen geschlachtet werden, weil sie genetisch so verändert sind, dass ihre Knochen unter ihrem Mastgewicht brechen.

Säugende Schweine sehen kein Tageslicht und können sich in ihren Boxen niemals umdrehen. Es geht Foer nicht um einzelne Missstände, sondern um den Standard: "Ich glaube die meisten wissen nicht, wie Tiere standardmäßig behandelt werden. Alle ahnen etwas, es gibt Ausnahmen, da passieren Dinge, die sind sehr hässlich und schlimm - aber ich wusste vorher nicht, dass das der Standard ist. Dass das immer so ist. Ich meine nicht, dass Tiere auf Leinen gebettet werden sollen. Die Frage ist: 'Behandeln wir sie als das, was sie sind, oder sind sie für uns eben nur Massenartikel, wie Steine oder Holzstücke?'"

Vollgepumpt mit Antibiotika

Foer gelingt es, das System Massentierhaltung von allen Seiten zu betrachten: Die derzeitige Fleischproduktion ist nach UN-Studien eine der Hauptursachen für die globale Erwärmung und die Umweltzerstörung. Außerdem ist dieses Fleisch ungesund: vollgepumpt mit Antibiotika. Sowohl die Viren der Schweinegrippe und Vogelgrippe sind nachweislich auf Massentierhaltungsbetriebe zurückzuverfolgen. Foer warnt: Was Menschen in Bezug auf Tiere vergessen, verdrängen und ignorieren - das vergessen sie zunehmend auch in Bezug auf ihre eigene Gattung.

Er meint: "Eine merkwürdige Kritik daran, wenn man sich um Tiere Gedanken macht ist, dass es zu Lasten anderer Probleme der Menschen geht. Tieren geht's vielleicht nicht gut, aber es gibt doch hungernde Kinder, Malaria und Völkermord. Und ja: Darum müssen wir uns auch kümmern. Es ist ja nicht so, dass man Mitgefühl dem Kongo entzieht, weil man es für die Tierhaltung braucht. Im Gegenteil: Je mehr Mitgefühl wir haben, desto mehr moralische Vorstellungskraft entsteht, die mehr Dinge miteinbezieht."

Kein dogmatisches Pamphlet

Das Buch ist nicht naiv: Foer verlangt keine Welt von Vegetariern oder moralische Reinheit aller Menschen. Und das ist das wirklich Überzeugende an seinem Bericht: Er bezieht mit ein, dass Menschen nicht immer rational handeln - dass es nun mal kompliziert ist, abzuwägen, was wirklich wichtig ist. Es gibt Möglichkeiten mitzuentscheiden. Es würde ja schon reichen, sagt Foer, wenn jeder ein bisschen weniger Fleisch essen würde oder wenigsten Fleisch von glücklichen Kühen kaufen würde. Ist die Zeit reif für eine neue Idee?

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