Überlebenskampf am Berg

Der spektakuläre Film "127 Hours"

127 Stunden dauerte der Alptraum, fünfeinhalb Tage - und er ist keine Erfindung des Kinos, sondern er hat wirklich stattgefunden. Oscar-Regisseur Danny Boyle ("Slumdog Millionär") hat jetzt eine der spektakulärsten Überlebensgeschichten unserer Zeit verfilmt.

Ein harmloser Wochendausflug in die einsamen Canyons von Utah sollte es werden. Im Jahr 2003 bricht der damals 27jährige Bergsteiger Aron Ralston zu einer Klettertour auf - allein. In einer engen Schlucht geschieht das Verhängnis: Ein großer Felsbrocken stürzt auf ihn herab. Arons rechte Hand ist zwischen Canyonwand und Felsbrocken eingeklemmt - es gibt kein Entrinnen.

"Im Canyon war mein Leben keines mehr"

Aron Ralston ist auch heute noch der Ansicht, dass diese Tour für jemanden mit seiner Erfahrung kein Risiko war. Aber: "Mein Fehler war, dass ich niemandem gesagt hatte, wohin ich gehe." Den Tod vor Augen, trifft er die schwerste Entscheidung seines Lebens - davon erzählt der Film "127 Stunden", der für sechs Oscars nominiert ist. 127 Stunden dauert seine beinahe tödliche Gefangenschaft. Mehrere Versuche, sich zu befreien, schlagen fehl - der Felsklotz wiegt fast eine halbe Tonne. Selbst ein geschickt improvisierter Seilzug half nichts. Immer wieder fotografiert er sich selbst.


Fünf endlose Tage und Nächte hofft Aron auf Rettung - vergeblich. Hier funktioniert kein Handy. Er friert nachts erbärmlich, kann keine Minute schlafen, nur stehen oder hocken. Nur selten fällt ein wärmender Lichtstrahl in die Schlucht. Nahrung und Wasser gehen ihm aus - er muss seinen eigenen Urin trinken. Dazu hat ständig furchtbare Schmerzen. "Ich habe schrecklich gelitten", sagt Ralston. "Wir diskutieren heute viel über Sterbehilfe und wann ein Leben noch Leben ist - da draußen im Canyon war mein Leben keines mehr. Ich wollte sterben. Meine Hand war da schon abgestorben." Verzweifelt spricht Aron letzte Botschaften an Eltern und Freunde in seine Videokamera und bittet den Finder, sie zu übermitteln.

Überlebenswille stärker als Schmerzen

"Aron hat uns diese Videos gezeigt. Das war unglaublich eindrucksvoll", erzählt James Franco, der Ralston im Film darstellt und dafür eine Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhalten hat. "Für mich als Schauspieler war es das Wertvollste, was Aron mir gegeben hat. Denn ich habe ihn dort gesehen, an einem Punkt, als er nicht wusste, ob er je entkommen würde. Es war ein Blick auf den Moment in seinem Leben, in dem er glaubte, sterben zu müssen." Ein Mann, allein, gefangen in einer Felsspalte - der Film und sein Hauptdarsteller schaffen es tatsächlich, daraus ein minutiös-genaues Drama zu machen, spannend wie ein Thriller.

"Am Morgen des sechsten Tages kam mir die Erleuchtung", erinnert sich Ralston. "Da war ich so lange gefangen und hatte gegrübelt - und bin doch nicht auf diese einfache Idee gekommen: 'Nutze die Hebelwirkung des Steins und brich dir die Knochen.' " Arons Wille zu überleben ist stärker als alle Schmerzen. Mit einem stumpfen Taschenmesser amputiert er sich selbst die Hand. "Ich stach erst in mein Handgelenk. Da, wo die Knochen durchgebrochen waren, dann durchtrennte ich Muskeln und Nerven. Das dauerte eine Stunde. All das Blut, das die Felswand herunter lief, und die Schmerzen, es tat entsetzlich weh - aber ich wollte frei sein!"

Amputation blutrünstig inszeniert

Eine gefühlte Stunde dauert auch die Amputation im Film - wirklich nur etwas für starke Nerven. Man hätte das auch subtiler erzählen können. Schneidet sich der oscarprämierte Regisseur Danny Boyle ("Slumdog-Millionär") mit einem solchen Blutbad nicht ins eigene Fleisch? "Wenn Leute über den Fall sprechen, sagen sie: "Das hätte ich nie tun können!' Aber das Außergewöhnliche an der Geschichte ist ja, dass sein Überlebenswille ihn zur Gesellschaft zurückbringt, zu den Menschen, an denen er hängt", sagt Boyle."Und wenn der Zuschauer all das mit ihm durchleidet, würde er es auch tun."

In der Tat, was für eine Willensstärke. Aron wird trotz enormen Blutverlusts nicht ohnmächtig. Er schafft sogar noch vier Stunden Fußmarsch - bis er endlich auf Wanderer trifft, die Hilfe holen. 18 Kilo Gewicht hat er verloren und die Hälfte seines Blutes. "Dass ich meine Hand verloren habe, bedeutet nichts für mein Leben", sagt Ralston. "Ich kann alles tun und habe sogar noch mehr erreicht, als vor meinem Unfall." Mit speziell für ihn angefertigten Prothesen hat er mehr als 60 4000er-Gipfel bestiegen - im Alleingang. Kein Wunder, dass der Mann in den USA ein gefragter Motivationstrainer ist.

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