Die Themen am 8. Juli 2016

Moderiert von Jo Schück

Kultur | aspekte - Die Themen am 8. Juli 2016

Förster & Bestsellerautor Peter Wohlleben ("Das geheime Leben der Bäume") im Gespräch mit Gerald Giesecke über die Persönlichkeit und Gefühle von Tiere - die uns Menschen mit dem Tierreich verbinden.

Beitragslänge:
22 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.07.2017, 15:41

Die Themen und Gäste unserer Kultursendung am Freitag ab 22.55 Uhr.

"Deutschland. Dein Selbstporträt"

Sönke Wortmanns neuer Film

Ein älteres Paar plant den 54. Hochzeitstag beim Frühstück, ein gelernter Metzger plädiert für Vegetarismus, ein junger Mann sinniert darüber, was Deutschland für ihn bedeutet - auf einem Kompostklo sitzend. Wir schreiben den 20. Juni 2015. Ein ganz normaler Tag in diesem Land? Es ist ein Samstag und der Tag, an dem Bürger in Deutschland aufgefordert waren, Videos ihres Alltags zu filmen und einzuschicken. Daraus hat Sönke Wortmann den Film "Deutschland. Dein Selbstportrait" zusammengestellt. Kann das klappen? Was ist dabei herausgekommen - ist es das Porträt einer Nation? Und was für einer?

Ein Förster über die Seele der Tiere

Neuer Bestseller des Bäumeverstehers
Schon "ihren" Wald hat er den Deutschen nahe gebracht wie kein anderer: Erfolgsautor und - zuallererst - Förster Peter Wohlleben. Nach dem "Geheimen Leben der Bäume" erkundet er nun, ausgehend von seinem Forsthaus nebst kleiner Farm im Eifelland, "das Seelenleben der Tiere". Denn dass es ein solches gibt, daran hegt er keine Zweifel. Tiere schummeln, Tiere wollen Spaß, Tiere trauern, Tiere masturbieren - all das beschreibt er, ausgehend von Beobachtungen seiner eigenen Tiere und auch einer weltweiten Erkundungstour durch entsprechende Forschungsergebnisse. Alle Tiere haben, jedes wie es kann, "Bewusstsein", "Seele" oder "Charakter", sie sind mehr als bloße "Bio-Roboter", so Wohlleben - der "Missionar" für Millionen von Lesern, was ein bewussteres, ehrlicheres, liebevolleres Verhältnis zu Flora und Fauna angeht. Nur wir Menschen wollen das mit der Seele nicht so recht wahrhaben - insbesondere, wenn es beispielsweise um Fische oder Schweine geht. Dann schmecken sie besser.

Was bringt "Nein heißt nein"?

Die Reform des Sexualstrafrechts

Ein Mann schleppt seine Freundin ins Schlafzimmer und hat gegen ihren ausdrücklichen Willen Sex mit ihr. Sie wehrt sich nicht, weil sie Angst um ihr ungeborenes Kind hat. Nach geltendem Recht ist dies keine Vergewaltigung, denn dafür hätte die Frau körperlichen Widerstand leisten müssen. Mit dieser Rechtsprechung soll nun Schluss sein. Nein heißt jetzt Nein. Nach langjährigem Kampf haben Frauenverbände durchgesetzt, dass das deutsche Sexualstrafrecht geändert wird - am Donnerstag hat das Parlament dies nun einstimmig beschlossen. Doch es gibt auch Kritik. So äußern Juristen die Sorge, es könne vermehrt zu Falschbeschuldigungen kommen - gerade bei Fällen, wo es vor allem um den 'Nahbereich' gehe und Aussage gegen Aussage stehe. Auch gibt es die Befürchtung, bereits eine ambivalente Situation beim Sex könne strafrechtlich relevant werden. Für solche Fälle sei das scharfe Schwert des Strafrechts nicht das geeignete Mittel. Für Kritiker der Gesetzesänderung hängt diese Ambivalenz mit tief verwurzelten kulturellen Mustern zusammen, wonach der eine (oft weibliche) Part "Nein" sagen müsse, während der andere (oft männliche) Part diesen Widerstand überwinden solle. Solchen Befürchtungen halten Feministinnen entgegen, ähnliche Argument habe es schon 1998 gegeben, als Vergewaltigung in der Ehe strafbar wurde. Doch nichts davon sei eingetroffen. Außerdem müsse das Strafrecht den Wertekanon einer Gesellschaft widerspiegeln; es stehe deshalb außer Frage, dass die sexuelle Selbstbestimmung ein auch mit den Mitteln des Strafrechts zu schützendes hohes Gut sei. Wir sprechen mit Befürwortern und Gegnern der Reform und diskutieren mit ihnen die Auswirkungen, die diese auf Rechtsordnung und Gesellschaft haben wird.

Die Ära Velázquez in Berlin

Das Goldene Zeitalter der Malerei

Zwischen Himmelfahrt und Höllentrip: Spaniens goldglänzendes Jahrhundert. Was die Kunst zur Kunst macht, ist nicht nur der geniale Künstler, sondern Umstände und Zeit. Ohne Begabung geht's nicht, aber ohne Förderer und Schmierstoff auch nicht. Wie wär's mit Gold? Die Kunstgeschichte weiß, dass Spaniens Kunst im 17. Jahrhundert ein goldenes Zeitalter gesehen hat. Und das, obwohl das Weltreich, das die Goldschätze der Inkas aus Amerika absaugte, eigentlich auf dem absteigenden Ast war. Doch Könige und Kirchenfürsten pushten Malerheroen wie El Greco, Zurbarán oder Velázquez. Die Malerfürsten wurden nicht nur reich, sondern wuchsen auch über sich selbst hinaus. Zwischen repräsentativen Herrscherportraits, wirklichkeitsgetreuen Leidensdarstellungen des geschundenen Jesus und psychedelischen Himmelfahrten von Heiligen boomten Malerei und Skulptur im Spanien des 17. Jahrhunderts. Die Ausstellung "El Siglo de Oro" in der Berliner Gemäldegalerie zeigt die berühmten Künstlerheroen des goldenen Jahrhunderts in einer opulenten Schau und offenbart Entdeckungen von Namen, die man noch nie gehört hat, die aber wie eine verführerische Tapasplatte klingen. aspekte richtet an.

Das Kino-Ereignis "Toni Erdmann"

Deutsch, weiblich, lustig

Es war das "Wunder von Cannes": Nach Jahren endlich wieder ein deutscher Film im Wettbewerb, noch dazu von einer Regisseurin - bei der Premiere kaum je dagewesener minutenlanger Applaus, hymnische Rezensionen weltweit und bei "Screen International" die höchste Kritiker-Wertung in der Geschichte des Branchenmagazins. Völlig unverständlich daher, dass die Jury weder Film noch Team mit einem Preis auszeichnete. Jetzt kommt Maren Ades 162-Minuten-Werk in die Kinos. "Toni Erdmann" erzählt eine tragikomische Vater-Tochter-Geschichte: Alt-68er und Sozialromantiker Winfried (Peter Simonischek) besucht Tochter Ines (Sandra Hüller), eine leistungsorientierte Unternehmensberaterin, in Bukarest. Der Spontanbesuch bestätigt, wie wenig die Beiden noch miteinander verbindet. Der unter Erfolgsdruck stehenden Businessfrau ist ihr fortwährend laue Scherze treibender Vater lästig. Doch Winfried lässt sich nicht abschütteln: Mit schlecht sitzender Perücke und falschen Zähnen drängt er sich als schrullige Kunstfigur 'Toni Erdmann' ins Berufsleben seiner Tochter und provoziert ein Rollenspiel, das immer abstrusere Züge annimmt, die Beiden sich aber wieder näher kommen lässt. Der Generationskonflikt ist auch ein politischer: zeigt der Film doch auch die Mechanismen einer globalisierten Wirtschaftswelt. Auch ohne Preis in Cannes: Mit "Toni Erdmann" hat das deutsche Kino trotzdem gewonnen. Maren Ade ist ein ganz erstaunlicher, seltsamer Film gelungen, mit grotesken Szenen zwischen Fremdschämen und Empathie, überraschend, berührend und voll absurdem Humor. Ein Autorenfilm ganz ohne Kunstkino-Geschwurbel. Und endlich eine deutsche Komödie, die diese Bezeichnung verdient.

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