Unter Brüdern

Ein mitreißender Dokumentar- film über die Klitschkos

Sie sind die berühmtesten Boxbrüder der Welt, beide sind Weltmeister im Schwergewicht, beide haben einen Doktortitel in Sportwissenschaften, sprechen vier Sprachen. Die zwei Wahl-Hamburger aus der Ukraine sind durch ihre sympathische, bescheidene Art in Deutschland Publikumslieblinge mit einem Bekanntheitsgrad von 99 Prozent. Jetzt erzählt der Dokumentarfilm "Klitschko" ihre Geschichte

Nach sozialistischer Erziehung in der Kindheit begann der Aufstieg zu Superstars - immer in Gefahr, schwer verletzt zu werden oder bleibende Gehirnschäden davonzutragen.

Die Familie hält zusammen

Doch wer gegen einen Klitschko im Ring steht, kämpft immer gegen beide: Ein Bruder steht stets hinter dem anderen und feuert ihn an. "Unser Gegner kennt unsere Geheimwaffe nicht: Er kämpft gegen zwei Menschen; zu zweit sind wir doppelt so stark, psychisch gibt der Bruder dir Sicherheit und zusätzliche Kraft - er unterstützt dich und keiner kann dich stoppen", erzählen sie. Die Bruderliebe und der enge Zusammenhalt mit den Eltern sind ein Geheimnis ihrer Stärke. Noch aus dem Ring beruhigen sie per Handy die besorgte Mutter - noch nie haben sich die Eltern einen Kampf angesehen.

Berührend sind die Passagen über die Kindheit und das Schicksal des Vaters. Weil der als ukrainischer Offizier in der Sowjetarmee häufig versetzt wurde, zog die Familie oft um. So wurde Vitali 1971 in Kirgisien, Wladimir 1976 in Kasachstan geboren. Vitali fühlt sich seither für Wowa, wie er ihn nennt, verantwortlich, und der Jüngere macht ihm vieles nach - auch das Boxen. 1986 leben sie in Kiew, als der Vater bei der Reaktorkatastrophe im 100 km entfernten Tschernobyl eingesetzt wird. Die Folge: Er erkrankt schwer an Krebs. Weil die Söhne ihm in Deutschland eine exzellente medizinische Behandlung ermöglichen können, geht es ihm heute besser.

Liebenswerte 2 Meter-Männer

All das erklärt, warum der Familienzusammenhalt der Klitschkos so stark ist. Dazu zählt auch das Versprechen an die Mutter, niemals gegeneinander anzutreten. Dr. Eisenfaust (Vitali) und Dr. Steelhammer (Wladimir), so ihre Kampfnamen, stehen für Kraft und Intelligenz, für Disziplin und Siegeswillen. Doch der Film zeigt auch brutale Verletzungen, bittere Niederlagen und wie sie damit umgingen. "Boxen ist unser Leben, aber unser Leben besteht nicht nur aus Boxen", sagen sie. So ist Vitali ein wichtiger Vertreter der Demokratiebewegung in der Ukraine. 2006 und 2008 kandidierte er für das Bürgermeisteramt in Kiew, seit 2010 ist er Vorsitzender der neugegründeten Partei "Ukrainische demokratische Allianz für Reformen", die unter anderem gegen die Korruption kämpft.

Regisseur Sebastian Dehnhardt konnte die Brüder zwei Jahre lang begleiten. Ihm ist ein Stück Sportgeschichte und ein sehr persönliches Porträt gelungen. Bei aller Geschäftstüchtigkeit der cleveren Klitschkos ist schließlich auch der kritische Zuschauer überzeugt: Das liebenswerte, aufrichtige Image der intelligenten Saubermänner ist nicht aufgesetzt - die 2-Meter-Kerle sind wirklich so.

Privates, Spannung, Humor

"Klitschko" hat, was ein mitreißender Dokumentarfilm braucht: prominente, höchst sympathische Protagonisten, herausragend gefilmte Kampfszenen, die den Zuschauer die Schmerzen förmlich fühlen lassen, Blicke hinter die Kulissen und ins Privatleben, Spannung und Humor. Man muss nicht mal Boxfan sein, um diesen Film zu mögen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet