V Subbotu - An einem Samstag

Sehr kleinteilig: Film über die Tschernobyl-Katastrophe

Am 26. April 1986 scheint die Sonne in der ukrainischen Kleinstadt Prypiat, es ist ein Samstag, die Bevölkerung ist unbeschwert - und ahnungslos. In der Nacht ist drei Kilometer entfernt der Reaktor des Kernkraftwerks explodiert: der Super-Gau von Tschernobyl.

Bis heute ist nicht endgültig geklärt, wieviele Menschen an den Folgen der radioaktiven Strahlung starben - und noch sterben werden. Der russische Regisseur Alexander Mindadze hat weder eine Dokumentation noch einen Thriller über die Katastrophe gedreht: sein Film "V Subbotu - An einem Samstag" geht der universellen Frage nach: wie geht ein Mensch mit einer unsichtbaren Gefahr um?

Aufgeschobene Flucht

Er erzählt die Geschichte einer gescheiterten Flucht. Noch in der Nacht der Explosionen erfährt der junge Valery Kabysh (Anton Shagin), Ausbilder im Kraftwerk und treues Parteimitglied, von der Katastrophe in Block 4. Er sieht das Ausmaß mit eigenen Augen und ignoriert die Entscheidung der Leitung, das Unglück herunterzuspielen. Tatsächlich wurde erst 36 Stunden nach den Explosionen angefangen, das Gebiet zu evakuieren.

Kabysh weiß sofort um die tödliche Gefahr und rennt los. Er will seine Freundin Vera (Svetlana Smirnova) abholen und mit ihr sofort die Stadt verlassen. Sie glaubt ihm zwar, aber die Gefahr scheint so absurd und theoretisch - nichts ist zu sehen, zu schmecken oder fühlen, dass sie immer wieder in Gelächter ausbricht. Die Sonne scheint, das Gras ist grün. Als ihr auf dem Weg zum Zug der Absatz vom Schuh bricht, überzeugt sie Valery, noch mit ihr ins Kaufhaus zu fahren. Er willigt ein. Sie sucht in aller Seelenruhe ein Paar neue Schuhe aus. Dann ist es ein Pass, den sie holen will, dann noch ein Band-Auftritt auf einer Hochzeit, der schon versprochen war: die beiden kommen nicht los.

Der Reaktor, der "unsichtbare Feind"

Immer wieder überkommt Valery der Impuls, sofort zu flüchten, aber er lässt sich immer wieder zurückhalten. Er spielt Schlagzeug auf der Hochzeit seiner Freunde, betrinkt sich mit seinen Bandkollegen: Rotwein soll helfen gegen die Strahlenbelastung. Alexander Mindadze hat mit "V Subbotu" einen der ersten Filme gedreht, die sich mit dem Tag der Katastrophe selbst beschäftigen. Doch genau genommen ist es kein Film über Tschernobyl. Die realen Ereignisse sind lediglich der Rahmen. Der Reaktor selbst kommt im Film bildlich kaum vor.

Das Geschehen konzentriert sich auf das, was in den Protagonisten vorgeht, der "Feind" ist unsichtbar. In diesem Sinne hat der Wettbewerbsbeitrag sehr überzeugende Momente. Die Kamera bietet nie einen Überblick, sitzt Valery meist gehetzt im Nacken, ständig in Bewegung. Doch genau das wird irgendwann für den Zuschauer nur noch anstrengend und macht den Film stellenweise schwer zu ertragen. Valery weiß um die tödliche Gefahr und kann doch nicht fliehen: denn der Samstag in Prypiat, das ist sein Leben.

Starke Idee, kein starker Film

Insgesamt bleibt aber das große Bedürfnis, am Ende von "V Subbotu", mehr zu erfahren über das Unglück, die Reaktionen der Bevölkerung und die Folgen. Der Wettbewerbsbeitrag erscheint dadurch inhaltlich unbefriedigend und hat dramaturgisch viele Längen: starke Idee, aber kein starker Film. Doch eins macht der "V Subbotu" wieder klar: für einen wirklich guten Tschernobyl-Spielfilm, 25 Jahre nach der Katastrophe, ist es höchste Zeit.

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