Von Shakespeare zum Comic

Kenneth Branagh verfilmt "Thor"

Kenneth Branagh ist bekannt für große Filme und markante Auftritte in Qualitätsfilmen. Jetzt jedoch überrascht er mit einer Kehrtwende in Richtung Massenpublikum: Branagh trifft Thor, den Donnergott.

Thor, das war ein Superheld aus der legendären Werkstatt von Marvel-Comics - 1962 erstmals erschienen. Ein nordischer Mythos - kräftig amerikanisiert. In jedem Fall ist er einer der exzentrischeren Superhelden mit Flügelhelm, Vaterkomplex und einem mächtigen Hammer als Waffe.

"Erster Instinkt muss ein kreativer sein"

Ein Actionmovie aus der Welt der Comics - gemacht von einem, den man in dieser Sphäre nicht unbedingt erwartet hätte: Kenneth Branagh. Branagh und Thor? Shakespeare trifft Comic? Wie geht das zusammen? "Marvel tat auch nur, was Shakespeare tat", sagt Branagh. "Er bediente sich bei den antiken Mythen, bei den Chroniken des Mittelalters. Er erkannte einfach eine gute Story, wenn er sie sah. Es ist eine merkwürdige Ansicht, dass Comic immer mit flachen, trashigen Geschichten gleichgesetzt wird. Ein guter Comic pflegt oft die Tugend ökonomischer geradliniger Erzählkunst. Daraus kann man viel lernen."

Branagh war mal selbst ein junger Held: mit 23 jüngster Hauptdarsteller der Royal Shakespeare Company. Mit 29 der erste eigene Film mit sich selbst in der Hauptrolle als Heinrich V. - weniger ging nicht. Shakespeare war sein Markenzeichen. Die große Geste lag ihm immer. Zuletzt war er jedoch als Schauspieler erfolgreicher als mit eigenen Filmen. Wollte er der Filmwelt jetzt einfach mal zeigen, wo der Hammer hängt? "Der erste Instinkt muss ein kreativer sein", sagt er. "Könnte dir das Spaß machen, zieht dich das Thema an? Wie der große Regisseur Peter Brooke einmal sagte: Führt dich eine vage Ahnung, dass du hier etwas zu geben hast und dass die Geschichte auch dir etwas zurück gibt? Filmemachen dauert lange, wird dich das Thema lange genug interessieren?"

Shakespeare und Marvel erzählen ähnlich

Für Branagh war es auch eine Rückkehr in seine Kindheit in Nordirland: "Der Comicbuch-Moment in meinem Leben war damals in Belfast und ist verknüpft mit der relativen Düsterkeit Nordirlands und den Farben der Comics. Woran ich mich immer erinnere, sind jene bunten Bilder, die in diese schwarz-weiße Landschaft eindrangen. Sie waren schief und dramatisch, die Comics sprangen dich an und packten dich." Anders als in den Comics findet Branagh im Zusammenprall von Göttern und Menschen durchaus komische Momente.

Als Unterhaltung macht "Thor" Spaß, ist aber irgendwie auch Kinderkram. Der Götterhimmel - ein einziger Alptraum durchgedrehter Schmuckdesigner. Stürzt ein Göttersohn auf die Erde: Ist das nicht auch eine schöne Metapher für den großen Shakespeare-Interpreten, der sich ganz der Popkultur hingibt? Branagh erwidert: "Manche Leute meinten am Anfang: Ist da nicht zuviel Augenwischerei und Phantasterei in der Marvel-Welt? Das ist nicht gut. Ich sagte: Hört mal, in Hamlet dreht sich alles um den Besuch eines Geistes. Macbeth hängt am übersinnlichen Wirken von drei Hexen, die Marvel wieder für seine Thor-Geschichten klaut und eigentlich aus der nordischen Sagenwelt stammen. Elfen fliegen um die Welt im 'Mitsommernachtstraum'. Hier habe ich endlich eine Leinwand, auf der ich ein bisschen davon zeigen kann."

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