Was Sie schon immer ...

... über Woody Allen wissen wollten

Eine Packung Viagra und ein Liebespaar: Auch im neuen Woody-Allen-Film "Ich sehe den Mann deiner Träume" kehrt ein bekanntes Motiv des Regisseurs zurück: der alte Mann und das Mädchen. In Allens neuem Film möchte Alfie Shepherd, großartig gespielt von Anthony Hopkins, es noch einmal wissen - mit der lasziven Charmaine. Nur das Viagra muss erst noch wirken. "Noch drei Minuten", entschuldigt sich Alfie schulterzuckend.

Das kleine Woody-Allen-ABC beginnt daher logischerweise mit A wie Alter. Alfie verlässt seine Frau - und zwar nicht, weil sie nicht mehr jung ist, sondern ihn ständig daran erinnert, wie alt er ist. Alter ist eine üble Angelegenheit, erklärt Woody Allen im Interview. "Ich bin jetzt 74 - man wird nicht schlauer, weiser, milder oder freundlicher! Nichts Gutes passiert beim Älterwerden ...", er hört gar nicht mehr auf mit dem Aufzählen der Nachteile, "... mehr Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, man sieht schlechter, braucht ein Hörgerät. Also ich würde Ihnen raten", sagte er den Journalisten in Cannes in diesem Jahr, "es nicht zu tun, wenn sie es vermeiden können."

C wie Chaos

C steht bei Woody Allen für Chaos. Ausgebrochene Hummer krabbeln über den Küchenboden, alle reden durcheinander. Ein Erpressungsversuch per Telefon endet in kompletter Konfusion - chaotischer Slapstick war vor allem typisch für Allens frühe Filme wie "Der Stadtneurotiker" von 1977 bis "Manhattan Murder Mystery" von 1993.

E für Ehe. Die Beziehungen zwischen Mann und Frau sind Dauerthema bei Allen. Man kann nicht ohne, aber auch nicht miteinander. In "Manhattan" (1979) sagt Isaac - gespielt von Woody Allen - noch, er sei altmodisch. Männer und Frauen sollten sich fürs Leben zusammentun. "So wie Tauben - oder Katholiken." In "Ehemänner und Ehefrauen" wirft Gabe (ebenfalls gespielt von Woody Allen) seiner Frau (gespielt von Mia Farrow) vor, sie habe sich vor ihrer Hochzeit falsch dargestellt. Und auch 2009 lässt Woody Allen in "Liebe sich wer kann" die Ehen scheitern - doch Beziehungen schaffen es trotzdem. Nur eben nicht so, wie geplant.

P wie Pessimismus

Das G steht für Glück: Auch die Suche nach Glück zieht sich von Anfang an durch Allens Werk. In "Der Stadtneurotiker" spricht Alvy Singer (verkörpert von Woody Allen) ein junges Paar auf der Straße an. Sie sähen so glücklich aus - worauf sie das zurückführen würden? Die junge Frau entgegnet höflich: "Also ich bin einfältig, oberflächlich und habe keinerlei eigene Ideen." Damals waren es die glücklichen Dummen. In Allens neuem Werk "Ich sehe den Mann deiner Träume" erreichen nur die Verblendeten Zufriedenheit - die, die sich ihren Illusionen hingeben. Alfies frustrierte Ex-Frau lässt sich von einer Wahrsagerin trösten und glaubt ihr die guten Prophezeiungen auf's Wort. Glück durch Illusion? Das sei natürlich eine düstere Botschaft, erklärt Woody Allen, "Aber so ist es eben! Man kann glücklich werden. Aber nur, wenn man sich selbst etwas vorlügt und nicht zu ehrlich ist."

P steht eindeutig für Pessimismus. Der hat Allens Blick auf die Welt schon immer geprägt. In "Der Stadtneurotiker" erklärt Alvy Singer seiner Freundin: "Weißt Du, für mich zerfällt das Leben in zwei Teile: einen schrecklichen und einen unglücklichen." "Wir sitzen doch alle im selben Boot", erklärt Woody Allen heute dazu, "wir verstehen nicht, was das Leben soll, jeder hat Angst, keiner kennt die wirklichen Antworten - ich fühle mich in der Hinsicht mit jedem verbunden: Wir sind alle Verlierer."

S - natürlich Sex

Der Buchstabe S bei Allen versteht sich von selbst: Sex natürlich. Sex ist für ihn eine der erfolgreichsten Ablenkungen von der Sinnlosigkeit unseres Daseins. Kaum jemand hat bisher einen tieferen Einblick in die genauen Abläufe geliefert als Woody Allen. In "Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten" lieferte er 1972 einen präzisen Einblick in die Körperfunktionen bei der Ejakulation. Er selbst spielte ein Spermium vor dem Absprung. "Ich will nicht da raus", sagt es, "wer weiß, was uns da draußen erwartet." Denn selbst ein Spermium hat bei Allen Angst vor dem Tod.

T ist deshalb der letzte Buchstabe in Allens Alphabet: Die Beschäftigung mit dem Tod ist Allens größte Obsession, in jedem Film ist er Thema - und das habe nicht nur mit dem Alter zu tun, erklärt der Regisseur. In "Liebe sich wer kann" rennt Boris mitten in der Nacht schreiend die Treppe runter. "Ich werde sterben!" Und als seine Frau besorgt nachfragt, sagt er "Nicht jetzt - irgendwann! Das ist inakzeptabel."

"Strikt dagegen!"

Woody Allen selbst bekräftigt noch einmal: "Mein Verhältnis zum Tod hat sich nicht verändert: Ich bin strikt dagegen!" Und in seinem neuesten Film "Ich sehe den Mann deiner Träume"? Wird die Ehe mit Charmaine den alternden Alfie wirklich Alter und Tod vergessen lassen? Bei Woody Allen - unwahrscheinlich.

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