Webers wahre Motive müssen auf den Tisch

Was bestimmt die Ambitionen des Bundesbankchefs?

Erst die Schlagzeile: "Bundesbankchef brüskiert Kanzlerin" - weil er nicht mehr Präsident der Europäischen Zentralbank werden wolle, obwohl er doch der Kandidat Angela Merkels sei. Dann die Spekulationen: Axel Weber wolle nicht Chef der Bundesbank bleiben, sondern das weitaus höher dotierte Angebot annehmen, Josef Ackermanns Nachfolger bei der Deutschen Bank zu werden. Schließlich die Ankündigung, Weber wolle Klarheit schaffen.

Weber kam und stellte klar, dass er sich nicht äußern wolle. Erst müsse er die Kanzlerin treffen. Was ist denn da los? Erst einmal sieht es so aus, als stellte wieder einmal (nach Köhler, Koch, von Beust) jemand seine privaten Neigungen über das Gemeinwohl.

Merkels Mauscheleien gescheitert

Besonders sauber sähe die Sache nicht aus: Als Bundesbanker weiß Weber zuviel über die Konkurrenten der Deutschen Bank. Und im Übrigen steht gar nicht fest, ob der Wirtschaftsprofessor Weber eine ausreichende Befähigung zum operativen Bankvorstand hat. Dies müsste das Bundesfinanzministerium erst einmal prüfen.

Zweitens ist die Kanzlerin Angela Merkel mit ihren Mauscheleien wieder einmal gescheitert. Deutschland steht nun ohne Kandidaten für das wichtige europäische Amt da und könnte mit einem Ersatzmann / einer Ersatzfrau auch nichts mehr gewinnen.

Passt ihm der Kurs Merkels nicht?

Drittens ist nicht auszuschließen, dass Weber aufgibt, weil ihm der Kurs der Kanzlerin - mit ihrer neuen Vorliebe für eine europäische Wirtschaftsregierung - suspekt ist. Schon einmal ist ein Bundesbankpräsident zurückgetreten: Karl Otto Pöhl, weil ihn Kohls Währungsunion mit der DDR (1:1) unvertretbar schien.

Wenn einer der wichtigsten Mitstreiter im Kampf um einen stabilen Euro aufgibt, muss dies offen diskutiert werden. Karl Otto Pöhl hat es damals nicht getan, Weber tut es heute nicht. Die wahren Motive Webers müssen auf den Tisch. Sonst freuen sich nur die Spekulanten.

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