Wie wollen wir leben - und uns bewegen?

Der "Urban Future Award" beschäftigt sich mit der Mobilität von morgen

Wie sehen die Städte der Zukunft aus? Die Zahl der Menschen, die weltweit in Städten wohnt, steigt dramatisch - in gut 50 Jahren hat sie sich bereits vervierfacht. Und in diesen Städten werden heute schon schätzungsweise 75 Prozent der weltweit benötigten Energie verbraucht und der Großteil an CO2 ausgestoßen.

Sechs namhafte internationale Architektenteams haben ihre Visionen entwickelt, wie Städte sich in den nächsten Jahrzehnten entwickeln - und wie Menschen sich in ihnen bewegen werden. Für die innovativste Idee verleiht Audi auf der Biennale den "Urban Future Award".

Vom Privat- zum Gemeinschaftsauto

Was kommt also heraus, wenn ein Autokonzern Architekten über Mobilität nachdenken lässt? Zunächst mal ein 'Event' - standesgemäß zelebriert in einem prächtigen venezeanischen Gebäude, das jahrelang verschlossen war, sich aber für Audi öffnete. Der Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler ist mit den Ergebnissen des Wettbewerbs vollkommen zufrieden. Er freut sich, dass das Auto in den Entwürfen "immer noch eine Megarolle spielt". Von wegen. Alle Modelle gehen eher davon aus, dass das Privatauto überflüssig wird.

Die Engländerin Alison Brooks zum Beispiel träumt von einer kleinteiligen Stadt, in der man die meisten Wege mit dem Fahrrad oder zu Fuß bewältigt. Viel grüne Flächen und das Handy wird genutzt zur zentralen Steuerung für unsere Fahrten und Transportwege. "Wir müssen Strategien entwickeln, wie wir diese Technologie einsetzen können, um Autos gemeinsam zu nutzen", so Alison Brooks. "Autofahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbinden und überhaupt die Abhängigkeit vom Auto zu verringern - dafür sollten wir diese digitalen Netzwerke nutzen!"

Weniger Bewegung, weniger Dreck

Wie fahrende Plexiglas-Eier, in die man an jeder Ecke einsteigen kann, die man gebraucht, aber nicht besitzt - so sieht der chinesische Architekt Zhang Ke die Zukunft des Verkehrs. Gerade in Megastädten wie Peking wird das Privatauto immer mehr verschwinden und der öffentliche Verkehr die Hauptrolle spielen. Und das passiert vielleicht schneller als wir glauben, meint Ke: "In China die Zukunft vorauszusagen, ist schwieriger, weil bei uns alles viel rasanter vorangeht. Es gibt einen Riesenunterschied zwischen China und Europa, 2030 bei uns wäre in Europa wohl erst 2060, weil wir uns doppelt so schnell entwickeln." Ironie und spielerische Visionen bestimmen die Entwürfe, nicht nur beim chinesischen Vorschlag. Aus Spanien kommt ein Auto, das mit Luft fährt und eines, das mitfühlen kann.

Trotz bunter Fantastik haben alle Architekten ein ernstes gemeinsames Ziel: die Stadt zu verändern - sie soll ökologischer werden, ohne Dreck, Abgase und Staus. "Im Moment bewegen wir uns noch zu viel. Das wird weniger werden! Einfach, weil es nicht mehr nötig sein wird, die Dinge kommen dann zu uns", sagt Architekt und Stadtplaner Rahul Mehrotra, Jury-Mitglied des Audi-Awards. "Nehmen Sie ihr Haus zum Beispiel. Das ist ja heute schon ein Kino und ein Einkaufszentrum, weil Sie im Internet bestellen können. Alles schrumpft auf einen Raum, auf einen Laptop zusammen."

Mehr Platz für die Menschen

Gewonnen hat den ersten "Audi Urban Future Award" der deutsche Stararchitekt Jürgen Mayer H.. Er entwirft eine Metropole mit automatisierten Fahrzeugen. Die zirkulieren ständig durch die Stadt, machen Verkehrsschilder, Ampeln, Parklätze überflüssig und schaffen so mehr innerstädtischen Raum für die Bewohner.

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