"Wir brauchen eine Risikokultur"

Herles' Notizen aus Berlin

Jeder technologische Fortschritt in der Geschichte der Menschheit wurde begleitet von Katastrophen. Aus allen haben die Menschen gelernt - aus dem Untergang der Titanic, aus Contergan, aus Tschernobyl. Vermeidbar waren alle Katastrophen und dennoch am Ende nützlich.

Je größer der Nutzen einer Technologie ist, desto größer ihre Risiken. Panik hat noch nie geholfen. Die frühen Menschen haben nach der ersten selbstverschuldeten Feuersbrunst das Feuer nicht ausgehen lassen. Sie hätten sich selbst ausgelöscht.

Verbesserungen mitentwickeln

Wer das heute sagt, gilt schnell als zynisch. Aber keine Naturkraft ist an sich moralisch verwerflich. Auch nicht die Kernspaltung. Es wäre gut fürs Gewissen, aber nicht für die Welt, wenn die Deutschen nun aussteigen würden. China will 50 neue Kernkraftwerke bauen, auch europäische Nachbarn wie die Polen setzen auf Kernkraft, ziemlich unbeeindruckt vom Unglück in Japan.

Moralisch sinnvoll wäre es, an der Weiterentwicklung der Kerntechnik mitzuwirken, Verbesserungen mitzuentwickeln. Es gibt ungefährliche Kernkraftwerkstypen (der Kugelhaufenreaktor zum Beispiel), die bisher nicht realisiert wurden.

Sorge um Fortschrittsfeindlichkeit

Angststarre darf nicht Leitlinie verantwortungsvoller Politik sein. Mich besorgt Fortschrittsfeindlichkeit. Wir brauchen eine Risikokultur, wie sie der Soziologe Ulrich Beck fordert. Das heißt, Risiken sorgfältig abzuwägen, das Gespräch darüber ständig wach zu halten in der Gewissheit, sie nie ganz ausschalten zu können. Das gilt nicht nur für die Kernenergie.

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