"You can always get what you want"

Ein exzessives Leben - Keith Richards Memoiren

"Leben" - es gibt kein größeres Wort für eine Biografie. Aber was für ein Leben auch! Keith Richards, musikalischer Kopf der Rolling Stones, der vielleicht größten Rockband der Welt - mindestens der ältesten aktiven. Als "Human Riff", mensch-gewordene Akkordfolge, verehren ihn Kollegen. Längst ist er ein Monument für Sex, Drugs und Rock 'n' Roll.

Fast trotzig heißt es im Klappentext: "Das ist das Leben. Glaubt es oder nicht. Ich hab' nichts davon vergessen." Im aspekte-Interview sagt er: "Das ist nur ein kleiner Witz. Viele denken ja, ich könnte mich nicht erinnern, was gestern war. Deswegen dieser Spruch. Mit meinem Co-Autor James Fox zu arbeiten, hat mir sehr geholfen. Ich habe ihm Geschichten von ganz früher und aus meiner Schulzeit erzählt. Ich war mir selbst nicht sicher, wie gut mein Gedächtnis war oder wie sehr die Jahre die Erinnerung verfälschen."

"3000 kreischende Hühner"

Herausgekommen sind über 700 Seiten in der deutschen Fassung. Keith geht weit zurück zu den Anfängen mit seinem Schulfreund Mick und den anderen Kumpels. Die 60er, als sie zu Anti-Beatles aufgebaut wurden und die Fans oft lauter waren, als die Stones spielen konnten. "Das war schon eine komische Zeit", erinnert sich Richards. "Da hast du endlich die Chance, eine Platte aufzunehmen, genau wie du es haben willst und wirst dann von 3000 kreischenden Hühnern niedergeschrien. Du stehst auf der Bühne und keiner will dir zuhören, weil du plötzlich als Sex-Symbol gilst."

Dabei will Keith von Sex gar nicht von so viel erzählen. Natürlich kommen seine vielen Frauen im Buch vor, aber er gibt nie damit an. Trotzdem sprang die britische Presse gleich auf eine Aussage über Mick Jaggers bestes Stück an. Richards Kommentar: "Alte Rock-'n'-Roll-Garderoben-Witze. Das musste einfach ins Buch, um die Story zu verkaufen. Natürlich war mir klar, dass manche Leute auf diesen Kram abfahren."

"Ohne Spaß gibt es keinen Rock 'n' Roll"

Ganz offen geht Keith Richards mit seiner langjährigen Drogensucht um. Er rät niemandem, es nachzumachen - möchte aber auch nach vielen Abstürzen nicht von anderen verurteilt werden: "Ich hatte immer das Gefühl, das ist mein Körper. Mir selbst kann ich antun, was ich will. Ich tue niemand anders weh. Es war ein Tempel des Experimentierens. Und ich hab experimentiert (lacht), bis ich schließlich damit aufhörte. Ich hatte alles über diesen Aspekt des Lebens herausgefunden und wollte einfach weitergehen. Das ist jetzt gut 30 Jahre her - der berühmte Junkie. Das ist nur Teil des Lebens, nicht alles."

"Musik war meine erste Droge", schreibt Richards in seiner Autobiografie. Bis heute kommt er nicht davon los. Mit fast religiöser Hingabe schildert er die Anfänge, als sie einfach nur die beste Bluesband Britanniens werden wollten. "Wir waren wie Mönche in einem Kloster. Wir taten nichts anderes als üben und anderen Musikern zuhören. Wir haben viel Arbeit reingesteckt. Rock 'n' Roll ist nicht nur Spaß. Aber du musst dir einen Rest Humor erhalten, ohne Spaß gibt es keinen Rock 'n' Roll. Nimmst du das zu ernst, bist du reif für die Klappsmühle."

"So lange die Leute uns hören wollen"

Nach über 45 Jahren auf der Bühne, nach unzähligen Konzerten und Aufnahme-Sessions - hat er da jemals über Alter und Abtreten nachgedacht? Immerhin stand er in der britischen Presse jahrelang auf Platz 1 der Liste prominenter Todeskandidaten. "Wenn ich abkratze, lasse ich es Euch wissen", sagt Richards. "Wenn nicht, dann war's ein Unfall. Ich denke nicht über Tod und Alter nach. Ich will einfach sehen, wie lange unser kleiner Haufen Musiker das machen kann, was uns Spaß macht. Wie ich sagte, ein Experiment, niemand hat es so weit gebracht. Und so lange die Leute uns hören wollen?" Schon mal überlegt, was auf dem Grabstein stehen soll? "Ich hab's Euch doch gesagt, ich bin krank."

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