Zinnsoldaten. Völkermord. Heldenpathos?

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden

Das historische Arsenal in der Dresdner Albertstadt ist einem Gewaltakt zum Opfer gefallen, einem Frontalangriff zeitgenössischer Architektur. Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind hat das ehemalige Armeemuseum der DDR mit einem stählernen Keil durchbrochen. Was die Architektur verspricht, soll auch die Ausstellung halten: Das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr will ohne Säbelrasseln und Heldenpathos von der Gewalt erzählen.

Militärhistorisches Museum Dresden
Militärhistorisches Museum Dresden Quelle: dpa

Der Mensch ist eine Bestie. Und niemand leidet darunter mehr als der Mensch selbst. Darum geht es in Dresden. Ein Antikriegsmuseum also? Ausgerechnet von der Bundeswehr? "Der Pazifismus ist nicht per se eine unschuldige Position", so Gorch Pieken, Kurator des MHM Dresden, "denn die unterlassene Hilfeleistung, der unterlassene Krieg kann im Zweifel verwerflicher sein als der Krieg selbst. Denken Sie nur daran: Die Konzentrationslager des nationalsozialistischen deutschen Reichs sind befreit worden von Soldaten. Nein, dieses Museum ist vielleicht ein Museum, das den Mut hat, Angst zu haben vor dem Krieg und diese Angst auch zu zeigen."

Wie riecht der Krieg?

Der Architekt Daniel Liebeskind durchschneidet in Dresden mit 28 Meter hohen Räumen eine lange Traditionslinie. Schon der sächsische König präsentierte im historischen Arsenal seine glorreichen Waffen. Es folgten die Reichswehr, die Wehrmacht und ab 1971 schließlich die Nationale Volksarmee der DDR. Die Ideologien wechselten, aber das Haus blieb ein Heldenschrein mit Batterien blank polierter Tötungsmaschinen. Die immergleichen Märsche in triumphierendem C-Dur.

Gorch Pieken, der Kurator des Militärhistorischen Museums in Dresden
Gorch Pieken

Der Ruhm und Glanz der deutschen Militärtradition - er stinkt zum Himmel. Buchstäblich. "Anders als im Fernsehen können wir zum Beispiel mit Gerüchen arbeiten", erklärt Pieken. "Wir haben eine Geruchsstation. Wie riecht der Krieg, den wir mit Verwesungsgeruch erfahrbar machen."

Dem Besucher einen Spiegel vorhalten

Oft reichen den Ausstellungsmachern wenige Exponate, um komplexe Geschichten zu erzählen, um dem Krieg ein Gesicht zu geben. "Ganz wichtig ist, dass wir in dieser Ausstellung jedem Besucher einen Spiegel vorhalten. Und damit der Museumsbesucher in diesen Spiegel auch wirklich guckt, muss man ihn auch so gestalten, dass er es gerne und freiwillig tut."

Tierpräparate vom Kriegselefanten bis zum Panzersprenghund im Militärhistorischen Museum Dresden
Tierpräparate Quelle: ZDF

Selbst im scheinbar Harmlosen lauert das Grauen. Vier Wochen vor der Eröffnung warten 19 Tierpräparate auf die ersten Besucher. Auch sie haben für die Kriegslust des Menschen ihr Leben gegeben. Was es mit dem süßen Kätzchen auf sich hat, erklärt ein "Lehrfilm" der deutschen Wehrmacht zum Thema "Was ist Gas?" ...

Bedeutend, verstörend

Zerhackt und verstümmelt: Schon von Weitem kündet Daniel Liebeskinds Bau vom Schrecken der Gewalt. Die Form folgt konsequent dem Inhalt - in Deutschlands bedeutendstem, verstörendstem Museumsneubau.

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