Das Literarische Quartett

Vorhang wieder auf!

Kultur | Das literarische Quartett - Das Literarische Quartett

Volker Weidermann und seine Vorstellung einer modernen Fassung des Literarischen Quartetts.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.09.2020, 23:59

Zu den liebenswerten Ritualen des ehemaligen "Literarischen Quartetts" gehörte auch dessen Finale, ein Zitat aus Brechts Drama "Der gute Mensch von Sezuan". Nach einem oftmals wilden Diskurs über zu preisende oder zu tadelnde literarische Neuerscheinungen schloss der Meister der Runde, Marcel Reich-Ranicki, das 75minütige Spektakel mit dem feierlichen Satz: "Den Vorhang zu und alle Fragen offen!" Jetzt öffnen wir diesen Vorhang wieder, fast 14 Jahre nach der letzten Sendung.

Reich-Ranicki hatte damals nach 77 Ausgaben selbst das Ende herbeigeführt, angeblich hatte er keine Lust mehr, weiterhin so viele schlechte Bücher lesen zu müssen. Diese Erklärung, sollte sie denn stimmen und nicht ein kleiner PR-Gag gewesen sein, passte gut zur damaligen Rhetorik des Quartetts: Unterhaltung, Kritik, Polemik. Mit dieser unerhörten Mixtur lockte man um 22.15 Uhr im Schnitt 600 000 Zuschauer an, wobei man rückblickend stets dachte, es seien viel mehr gewesen. Aber auch das illustriert nur, wie intensiv die Sendungen auf den Betrachter wirkten, welche ungeheure Innovationskraft und Intelligenz das Format damals ausstrahlte.

Die Zeit war reif

Als sich abzeichnete, dass Wolfgang Herles in Ruhestand gehen würde, war ich selbst darüber verblüfft, wie spontan und einhellig wir für eine Wiederauflage des "Literarischen Quartetts" votierten. Die Zeit dafür schien wieder reif.

Wolfgang Herles hat mit dem "Blauen Sofa" ein starkes Markenzeichen für Literatur im Fernsehen gesetzt und wird mit durchschnittlich 900 000 Zuschauern um immerhin 23.00 Uhr in Zukunft kaum mehr zu übertreffen sein. Aber einen adäquaten Nachfolger für ihn und sein internationales Reportageformat sahen wir nicht, umso mehr reizte uns der Gedanke, wieder ein funkelndes und aufwallendes Gesprächsformat aufzusetzen.

Drei plus eins

Und unerwartet einig waren wir uns auch bei folgendem, elementaren Baustein: Beim Literaturkritiker Volker Weidermann. Ein kluger Kopf, ein literarischer Überzeugungstäter, der bei aller feinen Analyse und ästhetischen Betrachtung von Büchern nie vergisst, sie nach ihrem Anliegen, ihrer Wirkung, ihrer Leserbezogenheit zu befragen. Er wird sich als Primus inter Pares sechs Mal im Jahr mit der Radiojournalistin und TV-Moderatorin Christine Westermann und dem streitbaren Romancier und Kolumnisten Maxim Biller treffen, um die interessantesten, wichtigsten oder zu Unrecht unbeachteten aktuellen Bücher zu besprechen.

Eine moderne und unprätentiöse Art, Literatur intelligent zu interpretieren, trifft dabei auf Leseleidenschaft und scharfe Beobachtungs- wie Formulierungsgabe. Diese Stammbesetzung wird pro Sendung komplettiert durch einen Kopf aus dem Kulturbetrieb, so dass immer wieder eine neue Stimme die Runde bereichert.

Konzentration auf das Wesentliche - Das Buch

Wenn wir ab Oktober dieses Format wiederbeleben, folgen wir der Maxime, dass das Gute so nah liegt. Denn das Konzept der Sendung ist auf das Bestechendste klar und einfach: Vier Bücher, vier Menschen, 45 Minuten. Keine Einspieler, keine Rubriken. Diese Reduktion folgt dem Anspruch, sich auf das zu konzentrieren, um was es bei der Literatur geht: um die Bücher selbst. Denn um Literatur lebendig werden zu lassen, schadet es nicht, zwei Dinge miteinander zu verbinden: das Lesen und das Diskutieren.

Und diesen Diskurs, auf einem sprachlich und gedanklich exquisiten Niveau, vor einem kundigen Publikum aus interessierten Kulturbürgern und leidenschaftlichen Buchmenschen, möchte das "Literarische Quartett" beflügeln. Dafür scheint mir das angeblich so alte Fernsehen nämlich immer noch das völlig geeignete Medium zu sein. Den Vorhang also wieder auf!

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