"Auch zum Islam konvertierte Deutsche werden diskriminiert"

Bekir Alboga beantwortet Ihre Fragen aus dem Diskussionsforum

Im "Forum am Freitag"-Diskussionsforum konnten Sie Ihre Fragen an Bekir Alboga stellen. Lesen Sie hier die Antworten auf Ihre kritischen Fragen.

Bekir Alboga Quelle: ZDF


Frage: Sie haben im Gespräch hervorgehoben, dass es auch nicht gern gesehen wird, wenn im christlichen Glauben beispielsweise ein Katholik seine Kirche verlässt. Wie es die islamische Seite handhabt, haben Sie überhaupt nicht erwähnt. Glauben Sie, dass die Repressalien bei Konversion vom Katholizismus in einen anderen Glauben größer sind, als wenn ein Muslim seine Religion verlassen will?


Antwort: Ich bitte Sie, meine sensible Wortauswahl zu berücksichtigen und sie als einen Versuch zu verstehen, die Dialogmöglichkeiten zu bewahren. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass auch seitens der katholischen und evangelischen Kirche Konversion vom Christentum nicht gern gesehen wird. Ich finde es schade, und es ist sowohl gegen die passive wie auch aktive Religionsfreiheit, wenn Menschen sich aus freien Stücken für eine Religion entscheiden und gewisse "Religionsführer" diese verurteilen. Die gesellschaftliche Diskriminierung, der zum Islam konvertierten deutschen Muslime ausgesetzt sind, müsste vor allem in Deutschland von Kirchen, Politik und Gesellschaft verurteilt werden, so wie wir in Deutschland lebenden Muslime Repressalien bei Konversion vom Islam in islamisch geprägten Gebieten unserer Erde aufs Schärfte und schriftlich mehrmals verurteilt haben.

Einseitige Darstellung?


Frage: Warum haben Sie in vielen Beispielen nachteilig vom Christentum gesprochen? Diesen Eindruck hatte ich sehr stark.


Antwort: Ich bin Ihnen für Ihre Frage dankbar. Es ist eine Darstellung (und Argumentation), die man bitte nicht aus dem Zusammenhang reißen sollte. Auch kommt hinzu, dass die Darstellung in den Beiträgen der Medien in Deutschland und Europa häufig negativ und einseitig vom Islam berichten. Tragisch daran ist, dass auch die Muslime ihre Rundfunkgebühr entrichten und damit die Ungerechtigkeit und die mal mehr, mal weniger subtil islamfeindlichen Darstellungen in den deutschen Medien nach dem 11. September 2001 mitfinanzieren.


Frage: Man konnte Sie sehen, als Sie eine Trauung vornahmen zwischen einem muslimischen Mann und einer nicht-muslimischen Frau. Sie berichteten stolz, dass das durchaus möglich ist und auch vom Islam toleriert wird. Setzen Sie den Mann dann später unter Druck, dass die Kinder nach islamischen Religion erzogen werden oder nicht?


Antwort: Ich bin weder der Staat noch eine Instanz, die jemanden unter Druck setzen könnte. Die Trauung wurde exemplarisch dargestellt. Ich habe in meiner Tätigkeit als Imam bereits mehrere Trauungen bei multireligiösen Ehen durchgeführt, jedoch niemals Druck ausgeübt. Traurig genug, dass ich letzteres explizit betonen muss. Man kann für interkulturelle und mehrreligiöse Begegnungen nicht wirklich offen sein, wenn man sich nicht von Vorurteilen und Unterstellungen verabschiedet.

Umstrittener Namensgeber

yavuz-sultan-selim-moschee in mannheim Quelle: dpa



Frage: Warum ist die Moschee in Mannheim, in der Sie selbst Imam waren, nach Selim I, benannt worden. Einem Mann, der seine eigenen Kinder, Brüder und Neffen ermorden ließ?


Antwort: Wenn die Muslime in Mannheim gewusst hätten, dass intolerante Gesellschaftsgruppen in Deutschland nicht in der Lage sind, Äpfel von Birnen zu unterscheiden, hätten sie vielleicht ihre Moschee anders benannt. Es ging damals nicht um den Namen der Moschee sondern um die Gestaltung einer offenen Moschee, die alle Gläubigen und Interessierten seit ihrer Eröffnung willkommen heißt. Und als Nachsatz sei mir erlaubt: Die Mannheimer Moschee ist mittlerweile als Mannheimer Moschee bekannt. Der Name der Moschee ist längst in den Hintergrund getreten

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