Aufstand gegen Mursi

Neue Proteste in Ägypten

In Kairo wird heftig gegen den neuen Präsidenten Mursi aufbegehrt: Mindestens 200.000 Demonstranten waren auf dem Tahrir-Platz. Der deutsch-ägyptische Regisseur Samir Nasr ordnet die Geschehnisse in Ägypten ein. Den neuen Präsident Mursi nennt er "einen Mubarak mit Bart". "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid hat Samir Nasr in Berlin getroffen - kurz bevor der nach Kairo geflogen ist.

Im Machtkampf in Ägypten gehen Gegner und Anhänger von Präsident Mohammed Mursi weiter auf Konfrontation. Nach Straßenschlachten am Mittwoch und einer Massenkundgebung mit mindestens 200.000 Demonstranten rief die Opposition für Freitag zu weiteren massiven Protesten gegen den Präsidenten auf.

Aufeinandertreffen der Demonstranten

Deutsch-ägyptischer Regisseur Samir Nasr
Der Deutsch-Ägypter Samir Nasr im "Forum am Freitag"-Gespräch Quelle: ZDF

Dessen Muslimbruderschaft und andere islamistische Parteien wollten ihrerseits am Samstag eine Gegenkundgebung abhalten, und zwar auch am zentralen Tahrir-Platz in Kairo, wo Gegner Mursis bereits seit Tagen aus Protest ausharren. Beobachter rechneten damit, dass es dort zu blutigen Unruhen kommen könnte, wenn die beiden Seiten aufeinanderprallen.

Am Mittwoch war auch die ägyptische Justiz gegen ihre drohende Entmachtung durch Mursi auf die Barrikaden gegangen, die zwei höchsten Berufungsgerichte des Landes traten in einen Streik. Richter des Revisionsgerichts hätten in einer Krisensitzung beschlossen, erst wieder ihre Arbeit aufzunehmen, wenn Mursi seine Dekrete widerrufe, berichtete das Staatsfernsehen. Auch das niedriger gestellte Berufungsgericht kündigte eine landesweite Arbeitsniederlegung an.

Alleinherrscher Mursi

Die jüngsten Entwicklungen dürften die politischen Spannungen um Mursi verschärfen, der sich in der vergangenen Woche mit einer Reihe von Erlassen praktisch jeder Kontrolle durch die Justiz entzog. Der Präsident verfügte per Dekret, dass seine Anordnungen nicht mehr anfechtbar sind. Zudem schützte Mursi durch seine Erlasse auch das Oberhaus des Parlaments und den Ausschuss, der eine neue Verfassung erarbeiten soll, vor richterlichen Anordnungen. Beide Gremien werden von Islamisten dominiert.

Kritiker fürchten, dass die bei den Wahlen siegreichen Muslimbrüder ihr Machtmonopol festigen. Mursi steht auf dem Standpunkt, er habe mit den Dekreten seine Befugnisse nicht überschritten. Vielmehr dienten die Maßnahmen dem "Schutz" der Nation. Hintergrund ist die Entscheidung des Gerichts vom Juni, das von Islamisten dominierte Unterhaus auszulösen.

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