Autobiografie einer jungen Muslimin

"So wie ich will"

Sie trägt ausgeschnittene T-Shirts, erzählt von ersten Küssen und ihrem Plan, mit dem Sex nicht bis zur Ehe zu warten. Klingt nach einem ganz gewöhnlichen Teenager. Gewöhnlich ist die 19-jährige Melda Akbas aber ganz und gar nicht. Die Deutschtürkin lebt mit ihrer streng gläubigen Familie in Berlin und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht: "So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock".

Freiwillig zur Außenseiterschule

In ihrem Debüt-Werk schildert die frischgebackene Abiturientin ihr Leben zwischen zwei Kulturen. Auf der einen Seite ist sie Mitglied einer Einwandererfamilie mit muslimischen Traditionen und Ritualen und auf der anderen Seite lebt sie in einer deutschen Großstadt voller Verlockungen und Freiheiten.Melda Akbas ging viele Jahre auf ein gutbürgerliches Gymnasium in Schöneberg, wechselte aber vor ihrem Abitur auf eine Außenseiter-Schule - eine freiwillige Entscheidung. Damit wollte sie ihre Distanz gegenüber anderen Deutschtürken überwinden, von der sie sich selbst auch nicht befreit fühlte. In der neuen Schule im Stadtteil Kreuzberg gab es in ihrem Jahrgang nur zwei Deutsche, sonst fast ausschließlich Türken. Die meisten der Mädchen trugen Kopftuch.

Melda Akbas Eltern sind streng gläubige Muslime. Im Gegensatz zu ihrer Mutter trägt die 19-Jährige kein Kopftuch und betet auch nicht regelmäßig, ist jedoch gläubig. Ihre Meinung geht mit der ihrer Eltern häufig auseinander, so dass es oft zu Streitereien kommt. Wie jeder Teenager hat auch die 19-Jährige vor ihren Eltern Geheimnisse.

Geheimnis um knappe Outfits

Viele dieser Geheimnisse lüftet sie in ihrem Buch. Kurz vor der Veröffentlichung musste sie ihre Eltern über einiges aufklären, zum Beispiel wie knapp ihre Partyoutfits wirklich waren, wie sie das Haus "züchtig" verlassen hat, jedoch kurze Röcke oder tief dekolletierte Oberteile in ihrer Handtasche rausschmuggelt, um diese dann anzuziehen.

Die junge Berlinerin aus Schöneberg ist überaus engagiert. Sie will mehr als die meisten ihres Alters, und sie lässt auch Taten folgen. In ihrer Schulzeit war sie stellvertretende Schulsprecherin und im Bezirksschülerausschuss aktiv. Sie stellte ein Projekt mit dem Namen "l.o.s. - let's organize something" auf die Beine und bekam dafür mehrere Auszeichnungen. In ihrer Freizeit arbeitet sie für die Türkische Gemeinde in Deutschland.

Autorin und Abi - zeitgleich

Melda Akbas plant, Jura oder internationales Recht zu studieren. Jetzt - unmittelbar nach ihrem Abitur - wird sie sich erst einmal eine kleine Auszeit gönnen. Die vergangenen Monate waren für sie sehr anstrengend. Sie hat nicht nur viele Monate tagtäglich an dem Buch geschrieben, sondern parallel auch für ihr Abitur gelernt. Eine Doppelbelastung, die sie gut gemeistert hat. Später geht sie auf Lesereise durch Deutschland, Österreich und Dänemark.

Melda Akbas möchte zwischen den Kulturen vermitteln. Sie versteht sich als Sprachrohr für Mädchen, die ähnlich wie sie in zwei Welten leben. Die 19-Jährige glaubt daran, dass Integration wichtig, aber auch simpel ist. Entscheidend sei bloß, mitzumachen und mitzukommunizieren.

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