Bekir Alboga im Chat

Der Dialog-Beauftragte der DITIB im "Forum am Freitag"-Gespräch

Moscheebau in Deutschland - das ist das Thema von Bekir Alboga. Im "Forum am Freitag"-Chat stand er eine Stunde lang Rede und Antwort.


Frage: Sie sagen, Moscheen sind Orte der Begegnung. Wer soll sich da begegnen? Ist das nicht schwierig, einfach in eine Moschee hineinzugehen, wo immer gebetet wird?


Bekir Alboga: Es wird in der Moschee nur fünf Mal am Tag zu vorgegebenen Zeiten das Gebet gehalten. Zwischen diesen Gebetszeiten steht die Moschee auch den BesucherInnen, die nicht-Muslime sind, offen. Wir halten mehrmals jährlich Friedensgebete mit Juden, Christen und Muslimen.

Moscheen: Zeichen für Integration?


Frage: Moscheen haben sich als regelrechte Integrationskiller erwiesen. Warum sollten immer mehr und immer größere gebaut werden?


Bekir Alboga: Weil sich die Moscheen mittlerweile zu Orten der Begegnung und Zentren der Integrationsarbeit entwickelt haben. Hierfür könnte ich zahlreiche Beispiele nennen. Am besten würde ich Sie einladen, in Köln oder in Mannheim unsere Moscheen zu besuchen, damit Sie unsere Integrationsarbeit vor Ort sehen und uns kennen lernen. An unserer Zentrale beispielsweise lernen jährlich etwa 2600 Menschen aus 17 Nationalitäten Deutsch. Diese Integrationskurse veranstalten wir zusammen mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Es kommen dazu zahlreiche interreligiöse und interkulturelle Veranstaltungsangebote.


Frage: Bekommen Sie für ihre Deutschkurse Fördergelder vom Staat, dem Land oder der Stadt Köln?


Bekir Alboga: Diese Kurse werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als Förderung der Integration unterstützt. Das geht auch aus den Steuergeldern der Migranten hervor, die ebenfalls ihre Steuern zahlen. Entweder sind sie Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Also Steuerzahler.


Frage: Gibt es Moscheen, in denen ausschließlich deutsch gesprochen wird - auch während des Freitagsgebetes?


Bekir Alboga:
Es gibt in Deutschland deutschsprachige, bosnischsprachige, englischsprachige sowie arabisch- und türkischsprachige Mooscheegemeinden. In 15 bis 20 Jahren werden sich die Imame die Fähigkeit angeeignet haben, in zumindest zwei Sprachen zu predigen. Es ist nur eine Frage der Zeit und des Personals. Man sollte aber die Frage der Integration nicht davon abhängig machen.

Umgang mit Fundamentalisten


Frage: Bei jeder Religion gibt es immer einen bestimmten Prozentsatz Fundamentalisten - Gläubige also, die das Wort nicht im Zusammenhang damaliger Verhältnisse lesen und verstehen. Leider ufert das im Bereich des Islam nicht in bedingungsloser Liebe, sondern in Hass und Terror aus. Sehen Sie eine Chance, dass die islamische Welt ihre Fundis in den Griff bekommt?


Bekir Alboga: Wir verzeichenn momentan in einigen islamisch geprägten Ländern sowie in den USA und in Deutschland eine Verbreitung des Fundamentalismus. Allein in Deutschland sind es mittlerweile 1,3 Millionen Christen, die sich als evangelische Fundamentalisten eingetragen haben. Der fundamentalistische Extremismus ist eine Gefahr für die Menschheit und für den Weltfrieden, gleich aus welcher Ecke er kommt.

Begegnung ist der Beginn von Verstehen


Frage:Sollten sich Muslime nicht auch mehr mit christlichem Gedankengut auseinander setzen? Vielleicht auch einmal eine Kirche besuchen, um einmal zu sehen, wie hier Religion praktiziert wird?


Bekir Alboga: Ja. Wir sollten uns immer gegenseitig besuchen und unsere heiligen Schriften und unsere religiösen Traditionen unbedingt kennen´lernen. Dadurch entsteht gegenseitiger Respekt. Und die Angst der Menschen wird immer kleiner.


Frage: Wie sehen Sie den Boykott türkischer Vereine beim Integrationsgipfels? Welche Handlungen wären Ihrer Meinung nach jetzt erforderlich?


Bekir Alboga:
Ich bewerte sowohl den Integrationsgipfel als auch die deutsche Islam Konferenz für sehr integrationsfördernde Maßnahmen. Worauf ich die Aufmerksamkeit der Politik und Öffentlichkeit lenken möchte, ist das verschärfte Zuwanderungsgesetz. Dieses Gesetz begeht einen Tabu-Bruch im Bereich der Gleichheit aller Bürger in Deutschland und legitimiert ethnische Diskriminierung. Meine Zusammenarbeit mit Gipfel und Islamkonferenz geht am 17. Juli in Nürnberg weiter. Wenn die Bundeskanzlerin auf unseren Brief von Ende März 2007 geantwortet hätte, hätte ich gestern an dem Gipfel teilnehmen können. Ich bin für eine Politik der Integration, aber gegen eine der Assimilation.

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