Bildung für mehr Toleranz

Alevitischer Religionsunterricht als ordentliches Fach

Worauf die 20 Millionen Aleviten in der Türkei bis heute warten, ist den über 600.000 Aleviten in Deutschland bereits gelungen - die Anerkennung als offizielle Religionsgemeinschaft, zumindest in fünf Bundesländern. Dies ist Voraussetzung für das Recht einer Glaubensgemeinschaft auf einen eigenen Religionsunterricht. Der alevitische Fernsehsender YOL-TV ist bereits seit einem Jahr mit alevitischen Bildungs- und Glaubensprogrammen auf Sendung.

Türkischstämmige Schüler, Deutschlandfahne Quelle: dpa,ZDF

Die Aleviten, eine Religionsgemeinschaft, die dem schiitischen Islam nahesteht, stellen eine Minderheit innerhalb der islamischen Welt dar. Im Gegensatz zu den Muslimen erkennen sie außer dem Glaubensbekenntnis keine der für Muslime verbindlichen Grundsäulen des Islams wie das Gebet, das Fasten, die Wallfahrt und die Almosensteuer an.

Die Unterschiede in der Tradition und Interpretation des Glaubens und im Gebet zwischen den Aleviten und Sunniten sind nach Ansicht der Aleviten so gewaltig, dass ein gemeinsamer Religionsunterricht für die alevitischen und sunnitischen Kinder in Deutschland nicht möglich ist. So stellte der Dachverband der Aleviten, die alevitische Gemeinde Deutschlands, im Jahr 2000 und 2001 in mehreren Bundesländern Anträge auf einen alevitischen Religionsunterricht nach Artikel 7.3 des Grundgesetzes.

Als Religionsgemeinschaft anerkannt

Mittlerweile sind die Aleviten, die ungefähr 25 Prozent der in Deutschland lebenden Türken ausmachen, in insgesamt fünf Bundesländern als offizielle Religionsgemeinschaft anerkannt.


Als erstes Bundesland erkannte Berlin 2002 die Aleviten als offizielle Religionsgemeinschaft an, seit August 2002 wird in Berlin alevitischer Religionsunterricht erteilt. 2005 folgten Nordrhein-Westfalen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg nach. In Baden-Württemberg leben derzeit etwa 500.000 Muslime, davon sind etwa 25 bis 30 Prozent Aleviten.

Unterrichtssprache Deutsch

Seit September letzten Jahres läuft der alevitische Religionsunterricht hier als Modellversuch an zwei Schulen, in Mannheim und in Villingen-Schwenningen. Ab dem Schuljahr 2008/2009 wird die alevitische Religion dann auch in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern als ordentliches Schulfach unterrichtet. Der Unterricht wird von alevitischen Lehrkräften erteilt und findet in deutscher Sprache statt. Die Lehrer des zukünftigen alevitischen Religionsunterrichtes sollen in Abstimmung mit der Religionsgemeinschaft ausgewählt werden. Geplante Lehrstühle für Islamwissenschaft oder Pädagogik sollen den alevitischen Teil der Theologie abdecken.

Aufgaben und Ziele des alevitischen Religionsunterrichtes ergeben sich aus dem Selbstverständnis der alevitischen Glaubenslehre. Demnach sollen den Schülern die wesentlichen Inhalte ihres Glaubens vermittelt werden wie die Gleichheit der Menschen, Gleichberechtigung und Toleranz (Wissensvermittlung). Auch spezifisch alevitische Themen wie das Cem-Gebet, das Fasten im Monat Moharem, Modelle der Konfliktlösung, das Gelöbnismahl oder die Musik der Aleviten werden im Unterricht behandelt.

Menschenrechte als Unterrichtsziel

Alewiten im Park Quelle: Glaser


Außerdem sollen den Schülern die Menschenrechte im Grundgesetz vermittelt und sie angeleitet werden zu erkennen, dass die alevitischen Werte mit den grundgesetzlichen Werten konform sind (Wertevermittlung). Dabei spielen insbesondere die Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der alevitischen Glaubenslehre eine wichtige Rolle. Schließlich soll durch die Unterweisung der religiösen und kulturellen Wurzeln und Traditionen die Identitätsbildung gestärkt und der interreligiöse Dialog gefördert werden.

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