Christen und Muslime

Geschichte eines schwierigen Dialoges

Die Beziehungen zwischen Islam und Christentum standen in der Vergangenheit häufig unter dem Zeichen der gegenseitigen Polemik und der militärischen Auseinandersetzung. Zwar sollen die Verdienste vieler weitsichtiger Denker christlicher wie islamischer Glaubenslehre nicht geschmälert werden, doch herrschten bei allen Gemeinsamkeiten beider Religionen weitgehend harte Polemik und religiöse Verurteilung vor.

Christentum und Islam Quelle: ap,ZDF

Die Christen haben den Islam als eine Irrlehre bezeichnet, die Muslime wiederum haben im Christentum eine überholte Lehre gesehen, die sich von der ursprünglichen Botschaft Jesu Christi eigenmächtig entfernt und sogar einen Kreuzzug gegen den Islam geführt hat.

Wer kennt die absolute Wahrheit?

Im Christentum wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein die nichtchristlichen Religionen undifferenziert als Heidentum und falsche Religionen verurteilt. Damit ging die Bekräftigung des Anspruchs auf den ausschließlichen Besitz der Wahrheit und des Heils, des Absolutheitsanspruches der christlichen Kirche, einher. Eine solche Ausgrenzung gegenüber Juden, Christen und Polytheisten kannte auch der Islam, nachdem Mohammed von 622 bis 624 vergeblich versucht hatte, sich mit Juden und Christen gegen polytheistische Mekkaner zu verbünden.

Im 20. Jahrhundert vollzog sich dann eine Wende. Besonders im Zweiten Vatikanischen Konzil würdigte die katholische Kirche nichtchristliche Religionen (Nostra aetate 1), besonders den Islam. Die Christen sollten fortan nichts mehr ablehnen, was sie in den nichtchristlichen Religionen an Wahrem und Gutem entdecken. 1964 wurde im Vatikan das "Sekretariat für die Nicht-Christen" geschaffen, woraus 1988 unter Johannes Paul II. der "päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog" wurde.

Wille zum gemeinsamen Gespräch

Der Dialog der Religionen hat im 21. Jahrhundert durch den internationalen Terrorismus muslimischer Extremisten und durch die Migrationsströme von Millionen von Muslimen wieder an Brisanz gewonnen. Nicht zuletzt durch die in der Regensburger Rede Benedikts XVI. aufgestellten Fragen nach dem Verhältnis von Islam und Gewalt und "Glaube und Vernunft im Islam", die von muslimischen Intellektuellen beantwortet wurden ("Brief der 138"), ist der christlich-muslimisch Dialog wieder in den Vordergrund gerückt.

Darauf folgte die Gründung des katholisch-muslimischen Forums im März diesen Jahres im Vatikan, das nächste Treffen im November diesen Jahres unter dem Motto "Gottes- und Nächstenliebe" ist anberaumt. Seit dem Jahr 2000 existiert bereits eine gemischte Kommission, in der Gelehrte der im sunnitischen Islam weitgehend maßgebenden Kairoer Al-Azhar-Universität sich jährlich mit dem Päpstlichen Rat für den interreligiösen Dialog verständigen.

Den Dialog weiter verbessern

Auch der vatikanisch-schiitische Dialog mündete im Mai 2008 in einer gemeinsamen Erklärung von Katholiken und Schiiten zum Thema "Glaube und Vernunft im Christentum und im Islam".

Auf bundesrepublikanischer Ebene wurde Ende 2006 durch den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble die deutsche Islamkonferenz ins Leben gerufen, um die Integration der muslimischen Bevölkerung in Deutschland zu verbessern. Ziel ist es, einen institutionalisierten, dauerhaften Dialog zwischen Christen und Muslimen in Deutschland zu etablieren.

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