Das Bild der arabischen Welt

Al-Dschasira - die Informations-Insel

Kein Fernsehsender hat die Medienwelt in den vergangenen Jahren so aufgewirbelt und polarisiert wie Al-Dschasira, die Stimme und das Bild der arabischen Welt. Übersetzt heißt Al-Dschasira die Insel und steht für "die arabische Halbinsel". Wie eine Insel entstand Al-Dschasira auch 1996 in der arabischen Welt. Der Fernsehsender wurde 1996 vom Emir von Katar für 140 Millionen Dollar von der BBC übernommen. Seitdem versorgt Al-Dschasira täglich rund 40 Millionen Haushalte über Satellit mit Bildern und Informationen.

Al Jazeera Newsroom Quelle: ZDF

Erstmals wurde der am 1. November 1996 gestartete Sender nach dem 11. September 2001 von einer breiteren Weltöffentlichkeit wahrgenommen. Der Nachrichtenkanal, der von vielen mit einem "arabischen CNN" verglichen wird, zeigte als erster Live-Bilder von den amerikanischen Luftangriffen auf Afghanistan. Zudem veröffentlichte Al-Dschasira eine Bandaufnahme von Osama Bin Laden, in dem dieser Stellung zu den Anschlägen nahm. Endlich konnte nun auch die arabische Welt von den "verbotenen Früchten" der Gedanken- und Meinungsfreiheit kosten, wie es der "Tagesspiegel" süffisant und blumig formuliert.

Das arabische CNN

Diskussionsrunden und Talkshows mit Namen wie "Die andere Richtung", in denen auch arabische Oppositionelle zu Wort kommen, waren ein Novum für die arabische Welt, die bisher nur staatlich regulierte und zensierte Medien kannte. Al-Dschasira versteht sich als ein Vorreiter der arabischen Pressefreiheit, der Tabu-Themen anpackt wie zum Beispiel ein Interview mit dem israelischen Ministerpräsidenten und damit in der arabischen Welt mit professioneller, offener und staatsferner Berichterstattung provoziert. So steht der arabische Fernsehsender mit Sitz in Katar in der arabischen Welt für eine kritische Berichterstattung über autoritäre Regime und eine neue Debattenkultur.

Dabei gerät die "Nachrichteninsel" zeitweise ins Kreuzfeuer der Kritik - auch aus den eigenen Reihen. Autoritäre arabische Regime kritisieren die offene, bisweilen in der arabischen Welt unbekannte Kritik an der herrschenden Elite und ihrer Politik. Viele arabische Länder liegen daher mit Reportern des Senders im Streit. In Saudi-Arabien sind Reporter des Senders nicht zugelassen. Offiziell ist der Empfang von Al-Dschasira in Saudi-Arabien verboten. Auch ist es saudischen Firmen untersagt, Werbung auf diesem Sender zu schalten. Mehrfach hatten die Saudis versucht, Anteile an Al-Dschasira zu erwerben, um eine gewisse Kontrolle auszuüben, doch der Versuch scheiterte.

Dschihad-TV?

Gleichzeitig ist der Sender auch vielen Politikern im Westen suspekt. Denn: Al-Dschasira gilt gerade in der westlichen Wahrnehmung als Sprachrohr des Terrornetzwerkes Al-Qaida. Immer wieder landet der Sender mit Videos von Osama bin Laden oder islamistischen Aufständischen in verschiedenen Ländern journalistische Scoops. Das sorgt für Furore und brachte Al-Dschasira den Beinamen "Dschihad-TV" oder "Bin Laden TV" ein. Hinzu kommt, dass einmal pro Woche der als radikal geltende Scheich Yusuf al-Qaradawi mit seiner sonntäglichen Sendung "Das islamische Recht und das Leben" seine als fundamentalistisch geltende Weltsicht auf Al-Dschasira predigen darf. In seinem Programm wirbt er für einen konservativen islamischen Lebensstil. Westliche Politiker werfen ihm vor, auf seiner Website Selbstmordattentate als legitime Verteidigung der Palästinenser gegen die israelische Politik zu rechtfertigen.

Al Jazeera Studio von innen Quelle: ZDF


Doch trotz aller Kritik ist Al-Dschasira zu einflussreich, um ignoriert zu werden - besonders als Sprachrohr in der arabischen Welt. Selbst oder gerade amerikanische Politiker von Rumsfeld bis Rice haben Al-Dschasira Interviews gegeben. Gerhard Schröder ging im Fall Osthoff vor die Kameras von Al-Dschasira, um an die Entführer zu appellieren. Obwohl Al-Dschasira sprichwörtlich häufig zwischen die Fronten gerät, hat sich der Sender inzwischen zu einer international anerkannten Institution entwickelt und gilt als die Stimme der arabischen Welt.

Al-Dschasira und ZDF kooperieren

Hierbei kommt Al-Dschasira ein weltweites Korrespondentennetz zugute, das für Nachrichten aus den meisten Ländern der Erde sorgt. Seit über einem Jahr ist mit "Al-Dschasira English" sogar ein englischsprachiges Konkurrenzprogramm zu CNN und BBC World auf dem Markt. Seit 2002 kooperiert auch das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit Al-Dschasira. Dabei wurden ein gegenseitiger Zugang zu Nachrichten- und Archivmaterial gewährt und gegenseitige Produktionshilfe und journalistische Weiterbildung vereinbart.

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