Das Gefühl, nicht zuhause zu sein

Studie "Deutsch-Türkische Lebens- und Wertewelten"

Kultur | Forum am Freitag - Das Gefühl, nicht zuhause zu sein

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass sich viele Türkischstämmige in Deutschland nicht zuhause fühlen: Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde und der Psychologe Kazim Erdogan beziehen Stellung.

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14 min
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Video verfügbar bis 24.08.2017, 23:58

Die gerade veröffentlichte Studie "Deutsch-Türkische Lebens- und Wertewelten" kommt zu dem Ergebnis, dass immer mehr junge Deutsch-Türken sich in Deutschland nicht zuhause fühlen. Dieses Ergebnis bespricht "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid in Berlin mit Kenan Kolat von der Türkischen Gemeinde Deutschland sowie dem Psychologen Kazim Erdogan.

45 Prozent der Türken in Deutschland wollen zurück in ihre Heimat - 62 Prozent sagen, dass sie am liebsten mit Türken zusammen sind. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor. Traditionelle und religiöse Werte spielen für türkischstämmige Menschen in Deutschland eine zunehmend wichtige Rolle. 55 Prozent der Türken in Deutschland wünschen sich den Bau von mehr Moscheen, 39 Prozent bezeichnen sich als streng religiös.

Nach 30 Jahren noch keine deutsche Heimat

Der Umfrage zufolge leben zwar 39 Prozent der Türkischstämmigen schon seit mindestens 30 Jahren in Deutschland. Dennoch betrachten nur noch 15 Prozent Deutschland eher als ihre Heimat als die Türkei. 2009 waren dies noch 21 Prozent, 2010 immerhin noch 18 Prozent.

Als Gründe für eine angestrebte Rückkehr in die Türkei nannten viele Türkischstämmige den Heimataspekt, das Genießen des Ruhestandes und das bessere Wetter dort. Immerhin zehn Prozent gaben aber als Grund an, dass sie mit Deutschland und den Deutschen nicht zurechtkommen. Von den 45 Prozent Rückkehrwilligen planen aber nur fünf Prozent eine Heimkehr in den nächste zwei Jahren und weitere zwölf Prozent in den nächsten zehn Jahren. Die häufigsten Rückkehrabsichten finden sich mit 55 Prozent in der Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren. 2009 wollten noch 42 der Befragten in die Türkei zurückkehren.

"Ja" zur Koranverteilung der Salafisten

Die umstrittenene Verteilung von Gratis-Koranen in deutscher Sprache befürworteten vor allem junge Türkischstämmige: 63 Prozent der 15- bis 29-Jährigen finden die Aktion "Lies" sehr gut oder eher gut. "Dies könnte auf eine verstärkte Rückbesinnung gerade der jungen Generation auf religiöse Werte der Heimat ihrer Eltern zurückzuführen sein - ohne dass sich daraus bereits ein unmittelbarer Trend zum politischen Islamismus ableiten ließe", erläuterte der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstitutes Info, Holger Liljeberg. Dagegen sprachen sich knapp 70 Prozent der über 50-Jährigen gegen die Koranverteilung aus.

Der Studie zufolge ist die überwiegende Mehrheit der Türken in Deutschland weiter davon überzeugt, dass es richtig war, in die Bundesrepublik zu kommen - und dass es in Deutschland jeder, unabhängig von der Herkunft, zu etwas bringen kann. Für 84 Prozent ist demnach auch klar, dass dabei nur die deutsche Sprache zum Erfolg führen kann. Im Jahr 2010 waren dies noch 89 Prozent.

Ohne Abstriche dazugehören

Auffallend zugenommen haben den Autoren der Untersuchung zufolge der Integrationswille sowie der unbedingte Wunsch, ohne Abstriche zur deutschen Gesellschaft dazuzugehören. Zugleich meinen aber auch 87 Prozent, dass die deutsche Gesellschaft stärker auf die Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen sollte. Offenbar beziehe sich der gestiegene Integrations- und Zugehörigkeitswille vor diesem Hintergrund eher auf die anerkannten Vorzüge Deutschlands insgesamt, schlussfolgerten die Meinungsforscher.

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