Das Minarett neben dem Kirchturm

Moscheen in Deutschland

Von den rund 2500 Moscheen in Deutschland sind nur 143 Bauten durch Kuppel und Minarett als muslimische Gotteshäuser zu erkennen. DITIB beansprucht etwa 110 von diesen mit klassischen Elementen gestalteten Moscheebauten für sich. Die neu gebaute Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh ist die größte Moschee Deutschlands.

Erste Moscheen im 20. Jahrhundert

Laut Islam-Archiv in Soest sind derzeit weitere 128 Moscheebauten von verschiedenen Organisationen deutschlandweit in Planung. Ein Großteil davon sind DITIB-Moscheen. Aufgrund der hohen Mitgliederzahl ist der Verband in der Lage, die eigenständig finanzierten Projekte in dieser Größenordnung durchzuführen.


Der Moscheebau blickt in Deutschland auf keine große Tradition zurück: Die erste in Deutschland errichtete Moschee entstand während des Ersten Weltkrieges im muslimischen Gefangenenlager Wünsdorf bei Berlin. Auch nach Ende des Krieges wurde das Gebäude für Gottesdienste weiter genutzt, denn eine kleine Zahl von Muslimen blieb nach ihrer Kriegsgefangenschaft in Deutschland.

Moschee Innenraum Quelle: dpa


Als die Moschee 1924 wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste, wich die kleine Gemeinde zunächst auf verschiedene öffentliche Einrichtungen aus. Im April 1925 wurde im Berliner Stadtbezirk Wilmersdorf eine neue, heute noch bestehende Moschee eröffnet. Weitere repräsentative Moscheebauten folgten dann erst Anfang der sechziger und siebziger Jahre in Hamburg, Aachen und München. Daneben entstanden viele kleine Gebetsräume in alten Fabrikhallen, verlassenen Lagergebäuden, in versteckten Hinterhöfen oder leer stehenden Kellerräumen.

Größer, schöner, heller

Doch in jüngerer Zeit artikulieren die muslimischen Gemeinden in Deutschland ihre Forderung nach der Errichtung angemessener Moscheegebäude. Diese Entwicklung ist keineswegs frei von Konflikten: Bis ein Moscheebau umgesetzt werden kann, müssen häufig eine Reihe bürokratischer Hürden und Widerstände in der deutschen Bevölkerung überwunden werden. Es zeichnet sich jedoch eine Tendenz ab: Die räumlich beengten Hinterhofmoscheen werden durch großzügige Neubauten ersetzt, die als Gebetsraum genutzte Fabrikhalle weicht einer "richtigen" Moschee.

Finden Sie es gut, dass es in Deutschland Moscheen gibt?


Die Zahl der baulich anspruchsvolleren Moscheen, die mit ihren Konturen in das umgebende Stadtquartier hineinwirken, ist trotz teilweise massiver Anwohnerproteste in den letzten fünfzehn Jahren mittlerweile deutlich gestiegen: Rund 110 Moscheen mit äußerlich gut sichtbaren Kuppeln und in die Höhe ragenden Minaretten künden in Deutschland von der Präsenz des Islam.

Baurecht für Moscheen

Die Voraussetzungen für die Errichtung von Moscheen sind im deutschen Baurecht vorgeschrieben. Dabei gibt es keine großen Unterschiede zum Bau einer Kirche oder einer anderen religiösen Institution: Zunächst muss geprüft werden, inwieweit das Objekt von der Planbarkeit an dem vorgesehenen Standort umsetzbar ist. Dabei muss darauf geachtet werden, ob das Gebiet ein Mischgebiet oder ein Gewerbegebiet ist. Die Moscheen, die in den siebziger und achtziger Jahren entstanden, wurden vorzugsweise in den Industriegebieten außerhalb der Städte angesiedelt.

In den letzten Jahren entstehen immer mehr muslimische Gotteshäuser auch in Wohnvierteln und Stadtteilen. Repräsentativ dafür sind die Moscheen in Mannheim, Bremen und Berlin, deren Gebetsräume über tausend Menschen Platz bieten. Dabei orientieren sich viele Moscheebauten mit ihren zahlreichen Kuppeln und Minaretten eindeutig an der üblichen Bauweise in der Türkei, die die berühmte Hagia Sophia in Istanbul zum Vorbild hat. Dass diese architektonische Form auch in Deutschland übernommen wird, ist meistens dem Geschmack der den Bau ausführenden Gemeinden geschuldet: Für die Einwanderer der ersten und zweiten Generation verbindet sich hiermit ein Gefühl von Heimat.

Vorbild "Hagia Sophia"

Dennoch sind grundsätzlich auch andere, moderne Bauformen denkbar. Denn beim Moscheebau bestehen grundsätzlich keine Vorgaben; Kuppeln und Minarette sind daher keine Notwendigkeit. Bei den neuen Moscheebauten in den letzten Jahren lässt sich ein Wandel feststellen, weg von den einfachen Gebetshäusern hin zu multifunktionellen Gemeindehäusern. Eine Moschee besteht heutzutage nicht mehr alleine aus dem Gebetssaal mit angeschlossener Teestube, Friseursalon und Supermarkt, sondern verfügt über Seminarräume, mehrere Geschäfte und manchmal auch über eigene Wohnungen.

Modell einer Großmoschee in Köln Quelle: dpa


Für die geplante Moschee in Köln-Ehrenfeld sind sogar Räumlichkeiten zur Unterbringung eines Restaurants, eines Reisebüros sowie einer Bücherei und einer Seelsorge vorgesehen. Und in die im Bau befindliche Moschee in Duisburg-Marxloh - nach ihrer Fertigstellung Ende dieses Jahres die größte Deutschlands - wird im Souterrain eine tausend Quadratmeter große interreligiöse Begegnungsstätte mit Bibliothek, Bistro und Seminarräumen untergebracht.

Die größte Moschee entsteht

Das Projekt in Duisburg-Marxloh ist einmalig in Deutschland, weswegen der Bau auch von der EU finanziell gefördert wird. Davon betroffen ist jedoch nur die Begegnungsstätte - der Bau der Moschee muss vom Bauträger selbst getragen werden: Weder vom deutschen noch vom türkischen Staat bekommt die Gemeinde dafür Geld; alles wird durch die Spendengelder der Gemeindemitglieder finanziert. Die Entwicklung im Moscheebau ist auch den neuen Bedürfnissen der zweiten und dritten Einwanderergeneration in Deutschland geschuldet: Diese fühlt sich hierzulande mittlerweile heimisch und möchte dies auch durch entsprechende Moscheebauten unterstreichen.

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