Der Koran

Eines der meistgelesenen Bücher der Welt

Es ist eines der meistgelesenen Bücher der Welt - und momentan vielleicht das am meisten diskutierte: Der Koran, der heilige Text der Muslime. Über eine Milliarde Muslime leben auf der Erde, und für sie hat der Koran den gleichen Stellenwert wie schon für die Muslime vor rund 1400 Jahren: Er ist nach muslimischer Überzeugung das unerschaffene und ewige Wort Gottes, offenbart an den Propheten Muhammad. Insofern gibt es Wissenschaftler, die den Koran in seiner Bedeutung für die Muslime mit der Bedeutung von Jesus im Christentum vergleichen: Dort wurde Gottes Wort zu einem Menschen, hier zu einem Buch.

Ein Junge liest im Koran
Ein Junge liest im Koran Quelle: reuters

Das arabische Wort für "Koran" lautet "Qur'an" und leitet sich von dem Verb "qara'a" ab, das übersetzt "lesen" oder "vortragen" heißt. Im Koran selbst meint das Wort "Qur'an" hauptsächlich die Handlung des Vortragens. Nach Aussage des Korans wurde Muhammad das Wort Gottes durch den Erzengel Gabriel offenbart, der ihn selbst zum Vortragen aufforderte:



"Trag vor im Namen Deines Herrn, Der dich aus einem Klumpen Blut erschaffen hat!" (Sure 96; Vers 1)


Die göttlichen Offenbarungen erstreckten sich über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten bis kurz vor dem Tode Muhammads im Jahre 632. Immer wieder übermittelte der Erzengel Gabriel die göttlichen Botschaften an Muhammad. Dabei unterscheidet sich der Koran zum Beispiel im Wesentlichen vom Neuen Testament: Dort sind es Menschen, die aus ihrem Glauben heraus von der Geschichte Jesu Zeugnis ablegen und von den Konsequenzen für ihr Leben berichten. Im Koran dagegen spricht Gott selbst durch Muhammad, seinen Gesandten, die Menschen an. Westliche Religionswissenschaftler bezeichen diesen Vorgang mit dem Fachbegriff "Verbalinspiration".

Gott selbst spricht


Der Text des Korans besteht aus 114 Abschnitten, Suren genannt, abgeleitet von dem arabischen Wort "sura". Jede Sure setzt sich aus mehreren Versen zusammen, auf Arabisch "ayat" genannt. Die einzelnen Suren sind unterschiedlich lang: So umfasst die zweite und längste Sure 286 Verse, während die kürzesten Suren aus nicht mehr als drei Versen bestehen. Den einzelnen Suren - bis auf eine - sind kurze Überschriften vorangestellt, die nicht zum geoffenbarten Text gehören, sondern erst später hinzugefügt worden sind. Diese Titel geben jedoch keinswegs immer das Thema der gesamten Sure an.

Die Anordnung der Suren ist nicht nach chronologischen Gesichtspunkten, sondern entsprechend ihrer Länge in abnehmenden Sinn vorgenommen. Eine Ausnahme macht die kurze erste Sure, die als al-Fatiha, "Die Eröffnende", vorangestellt ist. Diese Anordnung des Korans, die nicht auf Muhammad zurückgeht, sondern erst später festgelegt worden ist, sagt jedoch nichts über die Entstehungsgeschichte des Korans aus.

Suren aus Mekka und Medina

Nach dem Ort der Offenbarung wird zwischen mekkanischen und medinensischen Suren unterschieden. Es gibt drei mekkanische Phasen und eine medinensische Phase. Die Suren der ersten mekkanischen Phase sind von dem Gedanken an die unmittelbare Ankunft des Jüngsten Gerichts sowie der Vorstellung des barmherzigen Schöpfergottes bestimmt. Zudem thematisieren diese frühen Suren die Belohnung der Frommen und die Höllenqualen der Sünder. In der zweiten mekkanischen Phase werden die Endzeitgedanken durch mancherlei Beispiele aus der Natur und warnende Geschichten erläutert. Diese "Straflegenden" berichten oft von dem Schicksal früherer Propheten.


Es wird geschildert, wie ein Prophet auftritt und die Menschen warnt. Diese schenken seiner Botschaft jedoch kein Gehör, worauf Gottes Strafe folgt. In der dritten mekkanischen Phase begegnen dem Leser Gleichnisse, die unter anderem den Umgang von Gläubigen mit Ungläubigen behandeln oder herausstellen, wie bedeutsam es ist, nur an den einen Gott zu glauben. Die Suren der medinensischen Phase enthalten vorwiegend Bestimmungen des familiären und gesellschaftlichen Zusammenlebens, der Verteidigung nach außen, der Kriegführung und der Behandlung von Nichtmuslimen. Nur einen kleinen Teil nehmen die rechtlichen Vorschriften ein, die die wichtigste Grundlage für die "shari'a", die islamische Rechts- und Werteordnung, bilden.

Aufschreiben von auswendig Gelerntem

Die Weitergabe des Korans geschah auf mündlichem Weg. Muhammad trug seinen Gefährten die Offenbarungen so lange vor, bis diese sich den Text eingeprägt hatten. Die endgültige schriftliche Fixierung des Korans fand erst wenige Jahre nach dem Tode Muhammads statt und wurde unter dem Kalifen Osman durchgeführt. Diese Fassung ist die bis heute gängige Version, die sich in den islamischen Ländern findet.

Für Muslime ist der Koran der wichtigste Glaubensinhalt. Er übersteigt erheblich die Bedeutung, welche die Bibel für Christen hat. Der Koran ist das direkte "Wort Gottes". Doch hat ihn nicht etwa ein Mensch aufgrund göttlicher Eingebung verfasst. Muhammad verhielt sich beim Offenbarungsempfang vollkommen passiv. Daher darf der verbal inspirierte Koran nach muslimischer Überzeugung nicht mit Werken menschlicher Literatur auf eine Stufe gestellt werden. Da der Koran auf Arabisch zu den Menschen herabgesandt wurde, zeichnet sich diese Sprache durch eine besondere Weihe aus: Für Muslime ist sie heilig, erhaben und geheimnsivoll zugleich.

Feierliche Gefühle

Engagiert vorgetragene Koransuren vermögen nicht nur bei Muslimen Ergriffenheit und feierliche Gefühle auszulösen. Daher werden gläubige Muslime - egal welcher Sprachzugehörigkeit - immer in den Bann gezogen, wenn sie den Koran lesen oder hören. Muslime sehen in dieser Fähigkeit, die Menschen ständig zu bezaubern, eines der großen Wunder des Korans. So soll es sogar Muslime gegeben haben, die beim Hören des Korans in einem solchen Maß von Ehrfurcht ergriffen wurden, dass sie dabei gestorben sein sollen.

Koranverse in Herz, Gemüt, Verstand

Koran für Kinder von Lamya Kaddor
Kinderkoran Quelle: ZDF


Inzwischen ist der Koran in fast alle Sprachen der Welt übertragen worden. Diese Übersetzungen können aber niemals - so die muslimische Argumentation - das arabische Original ersetzen. Daher lernen muslimische Kinder in den Koranschulen, die Korantexte auf Arabisch zu lesen und vorzutragen. Auch für das tägliche fünf Mal zu verrichtende rituelle Pflichtgebet lernen Muslime Koranverse auswendig und rezitieren sie. Es gibt Muslime, die den ganzen Koran mit seinen 6236 Versen auswendig rezitieren können.


Sie werden "Hafiz" (Bewahrer) genannt. Ein Hafiz nimmt den Koran in sein Herz, Gemüt und seinen Verstand auf, wird eins mit dem Wort, seinem Klang und Rhythmus. Die meisten von ihnen arbeiten als Rezitatoren, als "Qaris", in staatlichen Moscheen. Einige von ihnen verfügen zugleich über derart außergewöhnliche Stimmen, dass sie durch ihre Plattenaufnahmen in der gesamten islamischen Welt zu regelrechten Stars werden.

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