Der Mann für den Islam

Peter Scholl-Latour - Journalismus ist sein Leben

Allein im Königreich Bhutan und in Brunei war er noch nicht. Peter Scholl-Latour, Journalist, Autor, Publizist und Dokumentarfilmer und Grandseigneur des deutschen Journalismus ist weit gereist und gilt als intimer Kenner der arabischen Welt. Doch seine Einschätzungen der aktuellen Lage im arabischen Raum und des Islam sind umstritten.

Er gilt seit den 1950er Jahren als aufmerksamer Beobachter und ausgewiesener Kenner der Weltpolitik. Durch regelmäßige Auslandsreisen avanciert Peter Scholl-Latour zu dem Auslandskorrespondenten des deutschen Journalismus.

Sein Wissen über die Mächtigen

Der Vietnamkrieg macht ihn populär, denn früh sagt er den Amerikanern die Niederlage voraus. 1971 beginnt Peter Scholl-Latour als Chefkorrespondent für das ZDF in Paris zu arbeiten, wo er von 1975 bis 1983 das ZDF-Studio leitet. Seit 1988 konzentriert sich Scholl-Latour immer mehr auf das Schreiben von Beiträgen für Printmedien oder das Filmemachen für das ZDF. Als Buchautor schreibt er das bisher erfolgreichste deutschsprachige Sachbuch "Der Tod im Reisfeld" (1979).


Seine Themen findet er immer wieder in den großen Weltkonflikten der letzten Jahrzehnte: Revolution im Iran, Palästina-Konflikt, die Golfkriege, sowie den Konflikten auf dem Balkan, in Afrika, Russland und die Türkei. In den 90er-Jahren richtet Scholl-Latour sein Hauptaugenmerk auf den Islam. Als sein Vorbild nennt er den arabischen Gelehrten und Reiseschriftsteller Ibn Battuta aus dem 14. Jahrhundert. Sein Wissen basiert immer wieder auf dem Kontakt zu den Mächtigen.

Weltreisender Islam-Experte

Scholl-Latour in Vietnam Quelle: ZDF


Als Ayatollah Khomeini am 1. Februar 1979 mit einer Sondermaschine der Air France aus dem Exil zurück nach Teheran fliegt, ist Scholl-Latour mit an Bord und filmt das künftige Staatsoberhaupt beim Morgengebet. Khomeini vertraut ihm im Flugzeug das Manuskript seines Verfassungsentwurfs für den künftigen Iran an, weil er nicht weiß, welche Situation er bei der Landung vorfinden würde. Der enge Kontakt zu Khomeini hilft Scholl-Latour bis heute, das Vertrauen muslimischer Führer zu erlangen.

Sholl-Latour mit Ayatollah Khomeini Quelle: ZDF

Umstrittene Thesen

In die Kritik gerät dabei immer öfter das von ihm vermittelte Bild des Islam. Schon 1983 hatte er sich mit dem Band "Allah ist mit den Standhaften" als weit gereister Experte vorgestellt. Scholl-Latour versteht sich selbst als jemanden, der den Islam in seiner Größe darstellt, aber dessen rigide Seiten nicht verschweigt. Orientalisten und Journalisten werfen ihm jedoch nun vor, durch holzschnittartige Vereinfachungen und Übertreibungen ein "Feindbild Islam" aufzubauen, das Bild eines rückständigen Islams zu vermitteln und den Dialog der Kulturen zu erschweren.
Eine Gruppe Hamburger Islamwissenschaftler veröffentlichte 1993 ein Buch, in dem er angeklagt wird, Ängste und Ressentiments zu schüren. Mit der Zahl der Bücher und TV-Beiträge wächst die Schärfe der Kritik an seinen Prämissen und seiner Arbeitsweise allgemein. So entsteht der Vorwurf, Scholl-Latour stelle subjektive Eindrücke als objektive Tatsachen dar. Auch die Bedeutung, die er dem politischen Einfluss der Religionen beimisst, ist umstritten.



Der 11. September und die darauf folgenden Geschehnisse lassen manche Kritiker verstummen. Vieles, was Scholl-Latour, der sich selbst einen Neo-Konservativen nennt, in seinen Büchern vorausgesagt hatte, ist inzwischen eingetreten. Skeptisch bleibt er weiterhin gegenüber der von den USA weltweit geführten Bekämpfung der militärisch kaum greifbaren Terrornetzwerke. Washington wirft er zugleich eine vereinfachende und eigennützige Betrachtung des Terrorismus vor.

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