Der Verband Islamischer Kulturzentren

Muslimisches Vereinsleben seit 1973

1973 gründeten Muslime in Köln einen ersten eingetragenen Verein unter dem Namen "Islamisches Kulturzentrum", aus dem dann der "Verband der Islamischen Kulturzentren" hervorging. 1979 versuchte der VIKZ, eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erreichen. Der Antrag scheiterte jedoch. Der VIKZ, der heute nach eigenen Angaben 300 Gemeinden mit Moscheen und Koranschulen unterhält und aus rund 24.000 Mitgliedern besteht, gehört zu den größten muslimischen Verbänden in Deutschland.

Nachilfe für muslimische Schüler Quelle: ZDF

Als die ersten muslimischen Gastarbeiter Anfang der 1960er Jahre nach Deutschland kamen, brachten sie auch ihre religiösen Bräuche und Traditionen aus ihren Heimatländern mit. Da die vertrauten religiösen Strukturen in Deutschland nicht vorhanden waren, beteten und fasteten diese Muslime zunächst in ihren Wohnungen und Unterkünften. Doch mit dem Anwerbestopp der Bundesregierung zu Beginn der 1970er Jahre blieben viele Gastarbeiter in Deutschland und holten ihre Familien nach. Dazu gehörte auch, dass die ersten Moscheevereine gegründet wurden. Die Muslime kauften dafür alte Lagerhäuser oder leerstehende Fabrikgebäude. Im Laufe der Zeit wuchsen diese Treffpunkte zu kleinen Gemeindezentren an.

Theologische Bildung

1973 gründeten in Köln lebende Muslime einen ersten eingetragenen Verein unter dem Namen "Islamisches Kulturzentrum", aus dem dann der "Verband der Islamischen Kulturzentren" hervorging. Sie waren damals vor allem bekannt wegen ihrer guten theologischen Ausbildung, die ihnen eine besondere Stellung innerhalb der muslimischen Gemeinden garantierte.

Imam Erol Pürlü im Gebet Quelle: ZDF


Die Gründer des "Islamischen Kulturzentrums" und später des VIKZ gehörten zu dem Derwisch-Orden der Süleymanci, einem in den 30er Jahren in der Türkei entstandenen Abkömmling des weitaus bekannteren Naqshbandi-Ordens. Ihr Name geht zurück auf den Begründer, Süleyman Hilmi Tunahan. Der Theologieprofessor und Naqshbandi-Scheich widersetzte sich der radikalen Säkularisierung, die durch Kemal Atatürk eingeleitet wurde, indem er private Koranschulen aufbaute. Dort bekamen die Studenten nicht nur eine fundierte religiöse Ausbildung, sondern wurden auch in das innere Verstehen des Korans - ein wichtiger Bestandteil des mystischen Islam - eingeweiht.

Mystischer VIKZ

Bis weit in die 90er Jahre hinein hat der VIKZ in der Öffentlichkeit jeglichen Zusammenhang mit dem Orden der Süleymancis bestritten - wahrscheinlich aus Gründen der Geheimhaltung, die sie sich seinerzeit auferlegt hatten, um in der von Atatürk geprägten Türkei zu überleben. Dort war die Gruppe aufgrund eines Gutachtens des Präsidiums für Religionsangelegenheiten in den 60er Jahren wegen ihres Selbstverständnisses als Elite und wegen der übergroßen Bedeutung, die sie ihrem Gründer zumessen, als "häretisch" eingestuft worden. Erst in der Migration ergaben sich die rechtlichen Freiräume, die ihnen erlaubten, ihre mystisch geprägte Form des Islam öffentlich zu leben und zu lehren.

Der VIKZ ist der einzige muslimische Verband in Deutschland, der eine Imamausbildung für seine Anhänger anbietet. Die Schüler durchlaufen dabei eine langjährige, anspruchsvolle Unterweisung. Diese Ausbildung, die der Sicherung und Bewahrung der Theologie der Süleymancis dienen soll, brachte den VIKZ aber auch in den letzten Jahren des öfteren in Konflikt mit den deutschen Behörden und sorgte für negative Schlagzeilen, da der religiöse Nachwuchs neben dem regelpflichtigen Schulbesuch noch zusätzlich nachmittags in den pädagogischen Einrichtungen des VIKZ unterrichtet wird.

Unzeitgemäße Pädagogik

Weder der Inhalt noch der pädagogische Ansatz genügt dabei der Aussage von internen Kennern der Verhältnisse zufolge den zeitgemäßen Ansprüchen. Hinzu kam, dass einige dieser Internate illegal betrieben wurden. Das erste, amtlich genehmigte Schülerwohnheim des VIKZ wurde 2003 in Duisburg eröffnet. Mit der Genehmigung war für die zuständige Aufsichtsbehörde nach anfänglichem Streit um das zunächst auch illegal betriebene Wohnheim die Teilnahme an einem Runden Tisch verbunden, vor dem der VIKZ regelmäßig Stellung beziehen muss. Das Internat ist mittlerweile zu einem Vorzeigeprojekt des VIKZ avanciert.

Bis zum Jahre 2005 waren die im Bundesgebiet verstreuten Ortsgemeinden des VIKZ weisungsgebunden und handelten im öffentlichen Raum prinzipiell nur in Abstimmung mit der VIKZ-Zentrale in Köln. Nachdem ein Verdacht auf Steuerhinterziehung den Verband im Jahre 2005 deutlich erschütterte, begann der VIKZ, sich eine stärker dezentrale Struktur zu geben, die zu einer Selbstständigkeit der Ortsvereine führte.

"Konservativ, aber nicht extremistisch"

Bereits im Jahre 1979 hatte der VIKZ versucht, eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erreichen. Der Antrag scheiterte jedoch. Der VIKZ, der heute nach eigenen Angaben 300 Gemeinden mit Moscheen und Koranschulen unterhält und aus rund 24.000 Mitgliedern besteht, gehört zu den größten muslimischen Verbänden in Deutschland. Seit September 2006 ist er Teilnehmer der Islamkonferenz von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und ist Mitglied des Koordinierungsrates der Muslime. Der VIKZ steht nach eigener Aussage für einen sehr konservativ geprägten, aber nicht extremistischen oder gewaltbereiten Islam.

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