Die 90er-Jahre Popdiva

Kristiane Backer ist zum Islam konvertiert

Sie war die Popdiva der Teenies, die erste deutsche Moderatorin beim Musiksender MTV. Sie interviewte die Stones und Lenny Kravitz. Dann konvertierte Kristiane Backer zum Islam. Von MTV nach Mekka - die Geschichte einer spektakulären Wandlung.

Kristiane Backer und Mick Jagger
Kristiane Backer und Mick Jagger

Mit 24 wurde die gebürtige Hamburgerin die erste deutsche Moderatorin beim Musik-Sender MTV und damit selbst ein Star. Mit Bryan Adams ging sie Hüte kaufen, der Sänger Seal spielte ihr in ihrer Londoner Wohnung auf der Gitarre vor. 1995 schließlich hatte sie genug vom Promi- und Jetset-Leben: Sie stieg bei MTV aus und konvertierte zum Islam.

Kein anderes Leben

Heute betet sie fünf Mal am Tag und fastet im Fastenmonat Ramadan. "Ich habe heute kein grundsätzlich anderes Leben", sagt Kristiane Backer. Sie lebt als moderne Muslimin und Single in London, trägt keinen Schleier und moderiert immer noch Galaveranstaltungen und Festivals. Doch vieles ist anders: Heute spricht Backer lieber über die Liebe des Propheten Mohammed als über die Eheprobleme von Madonna. Sie geht selten auf Parties, trinkt keinen Alkohol mehr und vertritt die Ansicht, dass man mit dem Sex bis zur Ehe warten sollte.

Vieles ist aber auch gebleiben wie vorher - der Freundeskreis aus Hamburger Kindertagen, aber auch einige Freundschaften mit Prominenten, die sich wie Kristiane Backer auf Sinnsuche begeben haben. "Die vielen interessanten Erlebnisse und Begegnungen haben mich geprägt und sind ein Teil von mir", sagt Backer über ihre MTV-Zeit. "Aber es ist Vergangenheit, ich lebe im Jetzt." Nun verzichte sie auf all das, was ihr früher die Zeit geraubt habe: auf Premieren zu gehen, die Nächte durchzutanzen. Seit ihrem Übertritt zum Islam stehe sie morgens auf, mache ihre Waschungen und beginne den Tag mit einem Gebet. "Der Islam ist ein Way of Life", erklärt Backer, die als Protestantin in Hamburg aufgewachsen ist.

Backer-Buch: "Von MTV nach Mekka"

Über den spektakulären Wandel hat die inzwischen 44-Jährige jetzt ein Buch geschrieben: "Von MTV nach Mekka - wie der Islam mein Leben veränderte". Darin beschreibt sie, wie es zu dem Wandel kam. 1991 war sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und an einem Tiefpunkt ihres Lebens angelangt. Der starke Druck, den der Job mit sich brachte, der Gegensatz zwischen dem Rausch einer Live-Moderation vor Hunderttausenden und den einsamen Nächten in fremden Hotelzimmern. "Ich weiß einfach nicht, wo das alles hinführen soll", schrieb Backer damals in ihr Tagebuch.

Bei einem Abendessen bei einer befreundeten Moderatorin lernte sie Imran Khan kennen, den pakistanischen Lebemann und Cricket-Star. Die beiden begannen eine Liebesbeziehung - heimlich, denn als praktizierender Moslem war es für Khan ein Problem, sich öffentlich mit einer Frau zu zeigen, die keine Muslimin war. Über Khan lernte Backer den Islam kennen, reiste mit ihm nach Pakistan und begann den Koran zu lesen. Es habe sie fasziniert, dass "bitterarme Menschen trotz ihres kargen Lebens bereit waren, alles zu teilen, und dass alle auf ein höheres Ziel blicken: Gott", sagt Backer über ihre Eindrücke in Pakistan. Khan war inzwischen gegangen, aber die Liebe zur Religion blieb. "Imran war das perfekte Werkzeug Gottes für mich", glaubt sie heute. Den letzten Schritt, den Übertritt zum Islam, vollzog sie erst nach der Trennung.

Negative Reaktionen aus dem Umfeld

Die Reaktionen aus dem Umfeld ließen nicht lange auf sich warten. Ihre Eltern, Hamburger Protestanten, reagierten verstört und auch die Öffentlichkeit wirkte befremdet. In einer Talkshow fand sich Backer plötzlich in der Rolle wieder, die Motive von Islamisten erklären zu sollen. Kurz nach dem Auftritt wurde Backers Vertrag bei Bravo TV, das sie parallel zu MTV sehr erfolgreich moderiert hatte, überraschend nicht verlängert. Auch bei MTV ging es bald darauf nicht mehr weiter. Im Gegensatz zu Bravo TV sei dies allerdings "in beidseitigem Einvernehmen" geschehen, sagt Backer.

Kristiane Backer vermag im Islam selbst keine Tendenz zum Fanatismus zu erkennen. "Islam bedeutet Friede", sagt sie. "Keine Religion ist davor gefeit, was Terroristen und Extremisten daraus machen." Auch dass in vielen muslimischen Ländern Frauen unterdrückt werden, sieht Backer nicht als Problem des Islam: "Keine Religion unterdrückt Frauen. Männer unterdrücken Frauen." Dann verweist sie darauf, dass die erste Frau des Propheten Mohammed eine reiche Geschäftsfrau war, die ihm die Ehe angeboten habe. Backer selbst war zweimal nach religiösem Ritus verheiratet. Die letzte Ehe mit einem marokkanischen Journalisten scheiterte unter anderem daran, dass er nicht wollte, dass sie Kontakt zu anderen Männern hatte.

die Kaaba Quelle: ZDF/Kamran Safiarian

Hadja Backer

Anfang 2006 erfüllt Kristiane Backer eine der fünf Säulen des Islam, die die große Pilgerfahrt nach Mekka, die zu den religiösen Grundpflichten jedes Moslems zählt. Es sei einer der beeindruckendsten und erfüllendsten Augenblicke ihres Lebens gewesen, sagt sie. Es ist schwer zu sagen, was aus Kristiane Backer geworden wäre, wenn sie einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Einige ihrer Ex-Kollegen stürzten ab, nachdem die Zeit im Rampenlicht vorüber war. Andere machten in anderen Formaten weiter Karriere. Heike Makatsch, die Backer bei Bravo TV beerbte, ist inzwischen eine anerkannte Schauspielerin.

Ganz hat Backer ihr altes Leben nicht zurückgelassen. Zwar hat sie sich in London zur Homöopathin ausbilden lassen, doch sie praktiziert nur gelegentlich. "Mein Haupttalent sind die Medien", sagt sie. Seit kurzem moderiert sie auf dem deutschen Ableger des "Travel Channel" eine Reisesendung. Den Job hat ihr die Schauspielerin Liz Hurley, die Ex-Freundin von Hugh Grant, vermittelt, die Backer noch aus MTV-Zeiten kennt. Kristiane Backer würde gern mehr in Deutschland moderieren. Aber auch dazu beizutragen, dass der Koran von einer Frau übersetzt wird, wäre ein Traum. Was würde die Kristiane Backer von heute denken, wenn sie ihrem jüngeren Alter Ego begegnete? "Ich würde mich voll wieder erkennen", sagt Backer. "Und wie eine ältere Schwester fühlen."

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