Die muslimische Gemeinschaft DITIB

Dachverband vieler Religionsvereine

Kultur | Forum am Freitag - Die muslimische Gemeinschaft DITIB

"Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid über den größten Islam-Verband in Deutschland, die DITIB. Er trifft einen DITIB-Vertreter, eine Kritikerin sowie den Chef der DITIB-Mutter Diyanet.

Beitragslänge:
14 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.10.2017, 23:59

Als die ersten türkischen Gastarbeiter Anfang der sechziger Jahre nach Deutschland kamen, fanden sie zunächst keine religiösen Strukturen vor: Es gab kaum Moscheen in Deutschland. Erst langsam gründeten sie eigenständig Vereinigungen, um ihren Glauben zu praktizieren. Die jüngste darunter ist die "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion", kurz "DITIB". Wohn steuert die DITIB? Darüber sprichen der Chef der türkischen Religionsbehörde Diyanet, Mehmet Görmez, Bekir Alboga von der DITIB und Aysun Yasar, die über die DITIB promoviert hat.

Die DITIB wurde 1984 in Köln gegründet, wo sich auch heute noch ihre Zentrale befindet. Sie versteht sich als Dachverband vieler kleiner türkisch-islamischer Religionsvereine. Im Gründungsjahr waren es bundesweit 230, und bis heute ist die Zahl auf etwa 900 gestiegen.

Modell der DITIB-Moschee in Köln-Ehenfeld, die zurzeit noch im Bau ist Quelle: dpa

Die DITIB ist mit rund 120.000 Mitgliedern eine der größten islamischen Vereinigungen in Deutschland. Das Besondere an der Organisation ist ihre enge Verbundenheit zum türkischen Staat.

Arm Ankaras in Deutschland?

Kritiker bezeichnen sie daher auch als verlängerten Arm Ankaras in der Bundesrepublik: Der Verband ist direkt dem in der Türkei beheimateten "Präsidium für Religionsangelegenheiten", der Diyanet, unterstellt. Die Religionsbehörde in Ankara ist vor allem für die Imame in der Türkei zuständig. Sie entsendet aber auch etwa 1.600 Botschaftsräte, Attachés und Imame zur religiösen und kulturellen Betreuung in Länder, in denen Türken leben. Etwa die Hälfe dieses Auslandspersonals ist in Deutschland beschäftigt.

Der Vorsitzende der DITIB ist in Personalunion auch türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Zudem werden die an staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildeten Imame der DITIB für vier Jahre nach Deutschland geschickt und sind de facto Beamte des türkischen Staates, von dem sie auch bezahlt werden.

Trennung von Staat und Religion

Viele von ihnen sprechen kaum Deutsch und sind oft vor allem mit dem Alltag der jungen in Deutschland lebenden Türken überfordert. Doch auch wenn so viel Nähe zum türkischen Staat manchem Gläubigen zu viel ist:

Viele Türken schätzen diese Tatsache, da sie somit die Bedrohung einer islamistischen Infiltrierung gebannt sehen.

Die der DITIB angeschlossenen Vereine legen großen Wert auf die Feststellung, dass sie streng unpolitisch sind: Sie vertreten den türkischen Staatsislam und dessen laizistisches Prinzip der Trennung von Staat und Religion. Denn dem gemäßigten Religionsverständnis nach, für das die DITIB steht, ist Religion reine Privatsache. Zudem betonen ihre offiziellen Vertreter immer wieder das uneingeschränkte Bekenntnis der Organisation zum deutschen Grundgesetz.

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