Die Rolle der Frau im Alevitentum

Zwischen Patriarchat und Gleichberechtigung

Im Alevitentum gelten Mann und Frau als gleichwertig und haben gleiche Rechte. Im Gegensatz zum orthodoxen Islam praktizieren die Aleviten keine Geschlechtertrennung. Männer und Frauen bewegen sich im Umgang frei miteinander. Alevitische Frauen tragen auch kein Kopftuch.

Mely Kiak Quelle: ZDF

Am besten kommt die Gleichberechtigung in der religiösen Versammlung, "Cem" genannt, zum Ausdruck, die Frauen und Männern gemeinsam feiern. Eines der wichtigsten Merkmale des Alevitentums ist dagegen die gemeinsame Teilnahme von Männern und Frauen an den religiösen Ritualen im "Cemevi" genannten Versammlungshaus. Höhepunkt ist der "Semah", ein gemeinsamer Tanz von Männern und Frauen. Die Frauen sind beim Gottesdienst keinen Einschränkungen ausgesetzt. Im orthodoxen Islam dagegen erstreckt sich die Geschlechtertrennung auch auf die Moscheen.


Die islamischen Vorschriften bezüglich der rituellen Unreinheit, die eine Frau für die Zeit ihrer Monatsblutung oder des Wochenbetts von der praktischen Religionsausübung fernhalten, gelten für die Aleviten nicht. Eine Frau hat theoretisch volles Mitspracherecht bei den Gemeindeversammlungen; das Amt des Geistlichen, eines "Dede", kann sie jedoch nicht ausüben, auch wenn es hier in der Vergangenheit Ausnahmefälle gab.

Oft haben Männer das Sagen

Alevitische Männer dürfen nur eine Frau heiraten; die Mehrehe ist nicht erlaubt und führt zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. Bei der Partnerwahl sind alevitische Frauen frei, jedoch wird die Heirat mit einem sunnitischen Muslim oder dem Angehörigen einer anderen Glaubensgruppe nicht gerne gesehen, denn nur Eheschließungen innerhalb der alevitischen Gemeinschaft können das Überleben der relativ kleinen Religionsgemeinschaft langfristig sichern.


Trotz aller Freiheiten für die Frau ist die alevitische Gemeinschaft patriarchalisch geprägt, und es fällt vielen Aleviten schwer, die Gleichberechtigung in die Praxis umzusetzen. Nach wie vor tragen die Frauen die Hauptlast der häuslichen Arbeiten und der Kindererziehung, worin vielleicht auch der Grund dafür zu sehen ist, dass sie in den Führungspositionen der alevitischen Bewegung stark unterrepräsentiert sind.

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