Die "Satanischen Verse" auf der Bühne

Unnötiger Wirbel um das Potsdamer Theater

"Brüste, Bomben, Burka" - so titelte Spiegel online Anfang April über die Uraufführung der Bühnenfassung des umstrittenen Buches "Die Satanischen Verse" von Salman Rushdie. Der Autor Salman Rushdie wird wegen des Romans, der dem Potsdamer Theaterstück als Vorlage dient, nach wie vor mit dem Tode bedroht. 1989 rief der damalige iranische Staatsführer Ayatollah Chomeini zur Ermordung des Autors auf. Schon im Vorfeld wurde über das Stück diskutiert, deshalb wurde die Premiere unter strengen Sicherheitsvorkehrungen auf die Bühne gebracht.

Szene aus den "Satanischen Versen" in Potsdam Quelle: dpa

Brüste, Bomben, Burka

Die "Bild"-Zeitung sprach von den mutigsten Schauspielern der Welt. Aber die Uraufführung geriet harmlos: Kein Protestler weit und breit. Das angeblich brandgefährliche Stück hätte kaum harmloser ausfallen können, urteile der Spiegel später. Die Premierenzuschauer mit ihren Sektgläsern hätten genauso zu einer Aufführung von Shakespeares "Sommernachtstraum" gepasst. Von Aufregung über das Stück, von protestierenden, aufgebrachten Muslimen keine Spur.

Szene aus den "Satanischen Versen" Potsdam Quelle: dpa


In Uwe Eric Laufenbergs Bühnenfassung der "Satanischen Verse" stürzen zwei Schauspieler in einem Flugzeug, das von Islamisten gekapert wird, ab. Gesprengt von einer Frau, die unter ihrer Burka nichts als zwei Sprengstoffgürtel trägt. Beide Männer, eigentlich ein Bollywood-Darsteller und ein Stimmenimitator, finden sich als Überlebende des Absturzes an der englischen Küste wieder. Nur in neuen Rollen: als Erzengel und Teufel. Das Stück zeigt Liebesaffären und Ehegeschichten der beiden Männer, viel nackte Haut und Muslime mit Zottelbart und Turban.

Schlechte Kritiken

Der Intendant des Potsdamer Hans Otto Theaters, Uwe Eric Laufenberg, hält die "Satanischen Verse" für eine wunderbare moderne Fortschreibung von Goethes Faust. Seine Bühnenversion bietet einen vier Stunden langen Schnitt durch das Werk von Salman Rushdie. Die FAZ fand die Umsetzung formlos und trivial. Das phantasiereiche Handlungsgewebe des Rushdie-Romans werde nicht einmal gestreift. Die "Frankfurter Rundschau" fand das Theater "okay". Auch das ist kein überbordendes Lob. Wiewohl sie dem Potsdamer Intendanten Respekt zollt, das Stück auf die Bühne geholt zu haben.

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