Einen oder zwei Pässe?

Welche Staatsbürgerschaft wollen junge Deutschtürken?

Kultur | Forum am Freitag - Einen oder zwei Pässe?

Viele junge Besitzer zweier Pässe müssen in diesem Jahr eine der beiden Staatsbürgerschaften abgeben. Abdul-Ahmad Rashid hat Betroffene befragt, für welchen Pass sie sich entschieden haben.

Beitragslänge:
14 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.04.2018, 23:55

Wer nach dem Jahr 1990 in Deutschland geboren wurde und Eltern hat, die aus dem Nicht-EU-Ausland stammen, muss sich bis zum 23. Lebensjahr entscheiden, welche Staatsbürgerschaft er haben möchte. Der "Doppelpass", zwei Staatsbürgerschaften für eine Person, ist gesetzlich zurzeit nicht erwünscht. "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid hat Betroffene befragt, für welchen Pass sie sich entschieden haben. Und: Es regt sich politischer Widerstand. Vielleicht müssen ja Deutschtürken demnächst nicht mehr entscheiden, ob sie weiterhin staatsrechtlich nur deutsch oder türkisch sein wollen?

Die Integrationsminister der rot-grün regierten Bundesländer haben sich für die doppelte Staatsbürgerschaft ausgesprochen. Die Mehrheit der Integrationsministerkonferenz sei sich einig, "dass das Verbot der Mehrstaatigkeit nicht in unsere Zeit passt", erklärte Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider (SPD). Zugleich stimmten die von SPD und Grünen geführten Bundesländer, die in der Integrationsministerkonferenz über eine Zwei-Drittel-Mehrheit verfügen, gegen den für manche Einwanderer geltenden Zwang, sich bis zum 23. Lebensjahr für einen Pass zu entscheiden. Die sogenannte Optionspflicht sei "ein integrationsfeindliches Ärgernis und ein bürokratisches Monstrum für die Behörden in den Kommunen", erklärte Schneider.

Einlenken der CDU

Auch der stellvertretende CDU-Vorsitzende Armin Laschet hat sich für eine Anpassung des deutschen Staatsbürgerrechts an die internationale Praxis ausgesprochen. In der Tageszeitung "Die Welt" signalisierte er, dass dazu auch ein leichterer Zugang zur doppelten Staatsbürgerschaft gehöre. "Schon heute ist sie bei 55 Prozent aller Einbürgerungen die Regel." Laschet, der frühere nordrhein-westfälische Integrationsminister, sagte allerdings, dass das Optionsmodell für ausländische Kinder, die nach dem Jahr 2000 geboren wurden, grundsätzlich richtig sei, um doppelte Staatsbürgerschaften zu vermeiden. "Andererseits sehe ich, dass ein Doppelpass für viele Menschen eine große Bedeutung hat." Laschet fügte hinzu: "Jedenfalls ist damit keine Loyalitätsfrage verbunden."

Seit dem Jahr 2000 gilt in Deutschland das Optionsmodell für alle seit 1990 Geborenen.  Demzufolge müssen sich in Deutschland geborene Kinder ausländischer Staatsbürger, die aus Nicht-EU-Staaten kommen, spätestens mit dem 23. Lebensjahr entscheiden, ob sie die deutsche Staatsbürgerschaft behalten wollen oder jene des Herkunftslands der Eltern. Diese Entscheidung kommt also in diesem Jahr erstmals auf einige deutsch-türkische junge Menschen zu. Dauerhafte doppelte Staatsangehörigkeiten sind aber möglich, wenn mindestens ein Elternteil aus der EU stammt - was etwa bei vielen türkischstämmigen Migranten nicht der Fall ist.

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