Einwanderung nach Deutschland

Die Geschichte der Menschen zwischen zwei Kulturen

Die ersten Einwanderer kamen in den 1890er Jahren als "ausländische Wanderarbeiter" nach Deutschland, in den 50er Jahren wurden "Gastarbeiter" angeworben - und ihre Ankunft bejubelt. Heute leben in manchen Städten wie Stuttgart oder Frankfurt am Main um die 40 Prozent Einwanderer, die längst nicht mehr Gäste sind, sondern ein Teil der deutschen Gesellschaft.

Die ersten Einwanderer kamen in den 1890er Jahren nach Deutschland. Bedingt durch den erheblichen Arbeitskräftemangel auf dem Land und in der neu anwachsenden Industrie kam es zu einer Massenbewegung, so dass 1914 vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1,2 Millionen "ausländische Wanderarbeiter" in Deutschland beschäftigt waren, die meisten von ihnen Polen und Italiener.


Während des Ersten Weltkrieges schließlich wandelte sich die Ausländerbeschäftigung in Deutschland von der Saisonarbeit zur Zwangsarbeit. "Feindliche Ausländer" wie Russen und Polen sollten an der Rückkehr in ihre Heimat gehindert werden. Hinzu kamen etwa 2,5 Millionen Kriegsgefangene in der Zeit zwischen 1914 und 1918. Ein erheblicher Teil von ihnen wurde ebenfalls zur Arbeit herangezogen und vor allem in der Landwirtschaft aber auch im Bergbau eingesetzt.

Die "Gastarbeiterperiode"

Ab Mitte der 1930er Jahre begann sich in Deutschland auf Grund der Kriegsvorbereitungen ein Arbeitskräftemangel anzubahnen. Dennoch kamen infolge der rassistischen Ideologie(n) der Nationalsozialisten kaum Ausländer nach Deutschland. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann dann in den 1950er Jahren nach dem ersten mit Italien geschlossenen Anwerbeabkommen die so genannte "Gastarbeiterperiode". Das Abkommen mit Italien diente anschließend als Muster für die folgenden Verträge mit Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Portugal und Tunesien.

Mitte der 1950er Jahre waren bereits rund 80.000 ausländische Arbeitskräfte in der Bundesrepublik beschäftigt. Dann wuchs ihre Anzahl sprunghaft: 1964 wurde bereits der millionste "Gastarbeiter" mit Geschenken und viel Applaus vom Bahnhof abgeholt. Diese Euphorie endete aber schon zwei Jahre später mit der eintretenden Rezession abrupt. Schnell begann eine Diskussion über eine mögliche Rückführung der angeworbenen Arbeitskräfte. Daraufhin verließen viele ausländische Arbeitskräfte das Land. Nach Ende der Krise stieg jedoch die Zahl der Gastarbeiter wieder enorm. Doch bald kam es zu einer Kehrtwendung in der deutschen Ausländerpolitik: In Folge der Wirtschafts- und Energiekrise 1973/74 verfügte die Bundesregierung einen Anwerbestopp. Die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer nahm zwar leicht ab, blieb aber weiterhin stabil.

Deutschland - ein Einwanderungsland

Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, blieb auf politischer Ebene lange unausgesprochen. Noch Jahrzehnte nach Beginn der Gastarbeiterwanderung ins alte Bundesgebiet wurde an dem Glauben festgehalten, es handle sich dabei um eine vorübergehende, wieder umkehrbare Erscheinung. Eine auf die Interessen der Bundesrepublik ausgerichtete Einwanderungspolitik unterblieb, wie auch die gesellschaftliche Einbindung der bereits in Deutschland lebenden Migranten vernachlässigt wurde.


Erst seit Ende der 1990er Jahre ist ein politisches Umdenken erkennbar. Die Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahre 2000 sorgte dafür, dass die in Deutschland geborenen Kinder der zweiten und dritten Zuwanderer-Generation mit der Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten und regelte die Einbürgerung ausländischer Staatsbürger neu.

Probleme der Integration

Die Green-Card-lnitiative der Bundesregierung 2001 eröffnete einen Zugang für gesuchte Fachkräfte aus dem Ausland. Das 2005 in Kraft getretene Zuwanderungsgesetz vereinfachte das Aufenthaltsrecht für Ausländer und ermöglicht eine stärker bedarfsorientierte Steuerung des Zuzugs. Inzwischen werden auch die Probleme der Integration zunehmend ernst genommen. Themen wie der Erwerb der deutschen Sprache, Schule und Ausbildung, der Zugang zum Arbeitsmarkt, Gewalt und Kriminalität, soziale Segregation, Religion und kulturelle Identität rücken damit ins Zentrum der öffentlichen Debatte.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hat fast ein Drittel aller in Deutschland lebenden Kinder unter fünf Jahren einen Einwanderungshintergrund. In Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt und Düsseldorf stammen 60 Prozent der Kinder aus Einwandererfamilien. Seit 1950 sind 10,4 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert. Das ergaben neue Berechnungen des Bundesamtes. Grundlage hierfür ist der Mikrozensus aus dem Jahr 2005, eine statistische Erhebung, bei der im Gegensatz zur Volkszählung nur nach bestimmten Zufallskriterien ausgewählte Haushalte beteiligt sind.

Migranten wohnen in Westdeutschland

96 Prozent der Ausländer und Deutschen mit Einwandererbiographie leben in den westlichen Bundesländern.


Im März 2007 beschloss die Bundesregierung eine umfassende Reform des Zuwanderungsrechts. Das neue Zuwanderungsgesetz wurde im Juli 2007 verabschiedet. Es soll unter anderem zehntausenden abgelehnten Asylbewerbern die Chance auf einen gesicherten Aufenthaltsstatus bieten. Sie sollen dauerhaft bleiben dürfen, wenn sie bis Ende 2009 eine Arbeit finden. Haben sie bis dahin noch keinen Job gefunden, müssen sie wieder mit Abschiebung rechnen. Weiterhin sind im neuen Gesetz schärfere Auflagen für die Familienzusammenführung und Sanktionen bei der Verweigerung von Integrationsmaßnahmen vorgesehen. Unter anderem soll der Nachzug von Ehegatten künftig erst ab einem Alter von 18 Jahren möglich sein. Damit will die Regierung gegen Zwangsehen vorgehen und die Integration fördern. Zudem sollen deutsche Sprachkenntnisse vor der Einreise nachgewieden werden. Davon können Bürger der EU ausgenommen werden. Denjenigen, die eine Teilnahme an Integrationskursen verweigern, drohen Geldstrafen oder der Entzug ihrer Aufenthaltsgenehmigungen.

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