Fakten, Fiktion und Verschwörung

Gerüchte rund um den 11. September

Verschwörungstheorien sind so alt wie die Menschheit. Als Verschwörungstheorie bezeichnet man eine These, die mysteriöse Entwicklungen in nicht völlig aufgeklärten Verbrechen beschreibt. Sie stellt vor allem die öffentliche Version eines Geschehens komplett in Frage und erklärt eine neue, meist wesentlich sensationellere Version, die alle Beteiligten relativ strikt in "gut" und "böse" unterteilt. Anhänger einer solchen Theorie suchen nicht nur nach dem "absoluten Durchblick"; vielmehr ist es auch der Wunsch nach Orientierung, den Menschen nach einer großen Katastrophe hegen.

Gedenken an den 11. September Quelle: ap

Ein Unglück, das mit dunklen Machenschaften in Verbindung gebracht werden kann, werde auch als sensationeller empfunden, beschreibt der Spiegel in seinem Artikel "Panoptikum des Absurden". "Das Wunderbare an einer Konspirationstheorie ist, dass sie einem erlaubt, alles perfekt zu verstehen", damit erklärt der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun den Dauererfolg des Verschwörungsdenkens. Ereignisse wie die Landung auf dem Mond (die angeblich nie stattfand, sondern in einer Wüste Nevadas nachgestellt wurde), das Attentat auf Papst Johannes Paul II., der Tod Prinzessin Dianas oder das Attentat auf J.F. Kennedy nähren immer wieder Verschwörungstheorien und haben noch Jahre später wilde Spekulationen hervorgerufen.

9/11 - eine Verschwörung?

Was nicht passt, wird passend gemacht. Und was passt, wird ungeprüft hingeschrieben. "Die unkritische Akzeptanz jedweden Arguments, das auf eine Verschwörung deutet", gehöre zu den Eckpfeilern aller Konspirationstheorien, schreibt der konservative US-Historiker Daniel Pipes. Da viele Fälle nicht hundertprozentig rekonstruiert werden können, wird der Beweismangel von Verschwörungstheoretikern oft als Vertuschung und Verschweigen von Informationen ausgelegt.

Die derzeit populärste Verschwörungstheorie, die in der westlichen Welt kursiert, beschäftigt sich mit dem Hergang der Terroranschläge vom 11. September. Der Vorwurf lautet, die Regierung der USA trage eine Mitschuld an der Katastrophe. Sie sei entweder selbst darin verwickelt oder habe die Anschläge zumindest wissend geschehen lassen. Autoren wie Andreas von Bülow, Gerhard Wisnewski und Matthias Bröckers schüren diese These seit Jahren und haben hohe Auflagen mit Büchern zu diesem Thema erreicht.

Einfache Namensverwechlungen

Laut einer Forsa-Umfrage hält es mittlerweile bereits ein Fünftel aller Deutschen für möglich, dass die Regierung um George W. Bush ihre Hände beim 11. September im Spiel hatte, um die Kriege in Afghanistan und im Irak zu rechtfertigen. In Frankreich vertritt der Verschwörungstheoretiker Thierry Meyssan die These, es sei niemals ein Flugzeug in das Pentagon geflogen. Ein weiteres Gerücht besagt, die angeblichen Flugzeugentführer hätten sich gar nicht an Bord der Maschinen befunden, sondern wären vielmehr noch am Leben und hätten sich einige Tage nach den Anschlägen über die Medien gemeldet.

Später veröffentlichte die US-Bundespolizei allerdings Fotos der tatsächlichen Entführer, es handelte sich in vielen Fällen um Verwechslungen geläufiger arabischer Namen, so dass das Gerücht entstehen konnte. Auch die Theorie einer jüdischen Verschwörung wird immer wieder mit den Anschlägen in Verbindung gebracht. So schreibt der Spiegel, im Internet kursierten Gerüchte, 4000 im WTC beschäftigte Juden seien am 11. September nicht zur Arbeit erschienen. Also wüssten die Juden Bescheid, weil der Mossad den Anschlag wohl geplant hatte.

Geheimnis um WTC 7

Weiterhin ist nicht völlig geklärt, wie es zu dem Einsturz des dritten Gebäudes, dem World Trade Center 7, kommen konnte, das sieben Stunden nach den anderen Türmen in sich zusammenfiel, obwohl kein Flugzeug hineingeflogen war. Wie das ZDF in seiner Dokumentation "Das Geheimnis des dritten Turms" berichtet, ist im Schatten der Zwillingstürme das dritthöchste Gebäude des WTC-Komplexes Stunden nach den Türmen kollabiert. Manche Experten, die im ZDF zu Wort kommen, interpretieren die Fernsehbilder des Einsturzes als mögliche kontrollierte Sprengung.

WTC7


Brisant hierbei ist, dass sich in dem Gebäude das größte CIA-Büro außerhalb der Zentrale, der Secret Service, das Verteidigungsministerium, die Börsenaufsicht sowie die Kommandozentrale der Stadt New York zur Abwehr von Terrorangriffen und Katastrophen befand. Die Dokumentation kommt schließlich zum Ergebnis, dass brennende Teile der Zwillingstürme in das Hochhaus flogen und so tragende Stahlkonstruktionen zum Schmelzen bringen konnten.

Verschwörungstheorien irren meistens

Verschwörungstheoretiker haben daraus die These aufgestellt, dass in Gebäude 7 die Planung der Anschläge stattgefunden habe und das Gebäude zur Zerstörung von Beweismaterial vernichtet wurde. Sicherlich gibt es viele Ungereimtheiten, was die Anschläge vom 11. September betrifft und vielleicht werden viele Details und Widersprüche auch nie völlig geklärt werden. Doch zu den Verschwörungstheorien gehört eben auch, dass immer wieder auch wackelige Fakten aufgebauscht, Situationen dramatisiert und Details unbeachtet gelassen werden. Bislang haben sich jedoch weitaus mehr Verschwörungstheorien widerlegen lassen als das man sie bestätigen konnte.

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