Fit unterm Kopftuch

Körperertüchtigung und Sport im Islam

Bei den Olympischen Spielen in Peking fallen sie auf: Sei es beim Sprint, beim Schießen oder Karate - das Kopftuch ist für muslimische Frauen beim Sport Pflicht. Während ihre Konkurrentinnen in knappen Shorts und Badeanzügen an den Start gehen, müssen sie ihren Körper mit langärmeliger Kleidung bedecken. Doch was genau sagt der Koran zu sportlichen Aktivitäten, insbesondere bei Frauen?

Starterinnen vor einem 100m Lauf Quelle: ap

Der Körper ist für den Islam grundsätzlich ein dem Menschen von Gott anvertrautes Gut und deshalb ehrfurchtsvoll zu behandeln. Dabei gibt es kein generelles Sportverbot für Muslime, auch nicht für Mädchen und Frauen. Im Koran sind keine Stellen zu finden, die sich ausdrücklich mit der körperlichen Betätigung beschäftigen.

Kamelreiten oder Bogenschießen

Der Prophet Mohammed selbst hat dazu ermuntert, Sport zu treiben. Zu den damals zeitgemäßen Sportarten zählten beispielsweise Kamelreiten, Laufen, Ringen oder Bogenschießen. Solange man seinen Lebenszweck und seine religiösen Pflichten nicht vernachlässigte, war es dem Propheten zufolge nicht schädlich, einem sportlichen Vergnügen nachzugehen. Mit seiner Frau Aischa soll Mohammed sogar um die Wette gelaufen sein. Traditionstexte empfehlen, Kindern insbesondere das Reiten beizubringen. Somit waren Sport und Spiel erlaubt, solange es sich nicht um Glücksspiele handelte. Insgesamt wurden körperliche Kraft, Schnelligkeit und Gewandtheit aber zu Zeiten des Propheten immer auch im Kontext von Wehrertüchtigung und Krieg gesehen.

Iranische Ruderin Homa Hosseini Quelle: afp


Später machte die europäische Kolonialherrschaft den Sport in großen Teilen der islamischen Welt im Militärdienst und an Schulen zu einem festen Unterrichtsbestandteil. 1910 schloss sich das ägyptische olympische Komitee der Olympischen Bewegung an und entsandte 1912 den ersten Athleten zu den Spielen. Seit den 60er Jahren haben sich auch vermehrt Frauen, besonders in Ägypten, in Sportvereinen organisiert. Sportler aus der islamischen Welt nehmen inzwischen an Olympiaden und an innerarabischen oder innerislamischen Wettkämpfen teil. Sport darf aber keine überdurchschnittliche Rolle im Leben eines Moslems spielen und nicht von der Erfüllung der Grundpflichten, wie etwa dem Beten, ablenken.

Sport als Öffnung gen Westen?

Es gilt als schlimme Sünde, etwas Anderes im Alltag so wichtig zu nehmen, dass Gott dadurch verdrängt wird. Allah hat das Wichtigste im Leben eines Moslems zu sein. Zudem verpflichtet sich jeder gläubige Moslem mit dem ihm von Gott geschenkten Leben sorgsam umzugehen. Extremsportarten und der Leistungssport stehen wegen eines hohen Gefahren- und Verletzungsrisikos im krassen Gegensatz dazu.

Durch die Globalisierung öffnen sich einige islamische Länder langsam dem internationalen Sport. Iranische Athletinnen dürfen beispielsweise seit Anfang der neunziger Jahre wieder an internationalen Sportveranstaltungen teilnehmen. Untersagt bleibt iranischen Sportlerinnen aber weiterhin, Sportarten auszuüben, bei denen sie von Männern, etwa von einem Schiedsrichter, berührt werden. Ausgeschlossen ist somit beispielsweise die Kampfsportart Taekwondo, bei dem der Schiedsrichter den Arm der Siegerin hoch hält. Ebenfalls tabu sind männliche Trainer, denn diese würden ihre Mannschaft auf Reisen begleiten. Für die islamischen Sittenwächter ein undenkbarer Sachverhalt. Trotzdem: Der Start muslimischer Frauen bei der Olympiade in Peking ist ein weiterer großer Schritt hin zur Gleichberechtigung in islamischen Ländern.

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