Frauen im Islam

Gleichberechtigt oder unterdrückt?

Der Status von Frauen in islamischen Ländern gilt vielen als Beleg für die Unterdrückung der Frau im Islam. In vielen islamischen Gesellschaften werden Rechte von Frauen verletzt, werden Frauen im Namen des Islam geschlagen, beschnitten, zwangsverheiratet, gesteinigt oder "im Namen der Ehre" ermordet. Doch das wahre Bild der Frau im Islam ist komplex.

Musilima mit Kopftuch Quelle: ZDF

Wie steht der Islam wirklich zur Stellung der Frau, was sagt der Koran über Gleichberechtigung und Gewalt insbesondere gegen Frauen? Welche Frauenrechte sind im Koran verankert?

Nicht gleichberechtigt, aber gleichwertig

Der Islam kennt eigentlich keine Diskriminierung und Abstufung aufgrund des Geschlechts. Der Koran spricht davon, dass Männer und Frauen aus einem einzigen Wesen gleich geschaffen und vor Gott gleichwertig sind (51:49).


An mehreren Stellen erwähnt der Koran, dass Männer und Frauen den gleichen Lohn für ihre Taten erhalten, ihnen gleichermaßen das Paradies winkt und sie dieselben religiösen Pflichten (die fünf Grundsäulen des Islam - das Gebet, das Fasten, das Pilgern, die Wallfahrt und die Almosensteuer) zu verrichten haben. (9:71-72) Jedoch kann man im Islam faktisch nicht von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau sprechen, sondern von einer Gleichwertigkeit.

Männer mit mehr Rechten

Nach traditionellem muslimischem Verständnis wird die Überlegenheit des Mannes über die Frau mit dem Koranvers 4:34 begründet, der ausdrücklich davon spricht, dass "die Männer für die Frauen einstehen..." So obliege dem Mann die Aufgabe, sich um den außerhäuslichen Bereich zu kümmern, nämlich die Familie zu ernähren und für den Schutz der Familie verantwortlich zu sein. Dagegen kümmert sich die Frau um den innerhäuslichen Bereich wie Haushalt oder Kindererziehung.

Eine Reihe weiterer Bestimmungen soll die nicht existierende Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zementieren. So sind Zeugenaussagen von Frauen nur die Hälfte wert (2:282) und Frauen erben nur die Hälfte dessen, was männlichen Erben zusteht. Die männlichen Erben müssen jedoch im Gegenzug mit diesem Nachlaß ein Leben lang für das finanzielle Wohl der weiblichen Verwandten sorgen.

Zwangsehe an der Tagesordnung

Bei wenigen strenggläubigen Muslimen herrscht die Meinung vor, dass der Mann in der Ehe eine rechtliche Vormachtstellung genießt. Er hat die Möglichkeit, vier Frauen zu heiraten. (4:3) Diese Möglichkeit ist aber an die Bedingung geknüpft ist, alle Ehefrauen gleich und gerecht zu behandeln - was faktisch unmöglich ist. Daher gilt die Einehe als die im Islam einzig gebotene Eheform. Zeitgenössische Reformer leiten daraus sogar ein implizites Verbot der Polygamie ab.(4:2-3)

In wenigen islamischen Ländern ist heutzutage noch die Zwangsehe an der Tagesordnung, obwohl der Koran Zwangsehen untersagt und im Familien- und Eherecht den Frauen auch das Scheidungsrecht gestattet und es regelt. (2:228) So können Frauen heute Scheidungen gerichtlich beantragen und durchsetzen - doch in der Realität wird von diesem Recht aus Furcht vor Ausgrenzung und Ächtung kaum Gebrauch gemacht.

Frauenrechte im Koran

Trotz vieler Benachteiligungen hat der Koran im Vergleich zu vorislamischen Zeiten die Stellung der Frau in vielerlei Hinsicht auch gefördert und gestärkt. Hauptanliegen des Korans war es zur damaligen Zeit, der Frau eine gleichwertige Stellung einzuräumen. Nicht nur in religiösen Rechten und Pflichten sollte die Frau dem Mann gleichrangig sein - der Rechtsstatus der Frauen als Eigentum der Männer wurde abgeschafft, die juristische Geschäftsfähigkeit etabliert und den Frauen beispielsweise das Recht zugesprochen, die Morgengabe zu bekommen und über ihren Besitz frei zu verfügen.


Außerdem wurde aus der Ehe statt eines Eigentumsverhältnisses eine vertragliche Abmachung. Doch klafft in den meisten islamischen Ländern zwischen der Theorie der Frauenrechte im Koran und der Praxis der Gleichwertigkeit eine erhebliche Lücke.

Schlagen oder trennen?

Die Übermacht des Mannes über die Frau wird auch durch Verse begründet, die ausdrücklich Gewalt gegen Frauen begründen: "... Und wenn ihr fürchtet, dass Frauen sich auflehnen, dann ermahnt sie, meidet sie und schlagt sie! ... " (Sure 4:34) Hier streiten sich reformorientierte Interpreten des Koran, die die heilige Schrift aus heutiger Sicht deuten und solche, die eine buchstabengetreue Interpretation bevorzugen, ob das Schlagen im Sinne eines die Unzufriedenheit symbolisch ausdrückenden Schlages gedeutet werden soll oder eher als ein "sich trennen". Das Wort "daraba", das mit "schlagen" übersetzt wird, hat auch die Bedeutung von "sich trennen".


Auch in der umstrittenen Frage des Kopftuchs regelt ein Koranvers (24:31), dass sich eine muslimische Frau außerhalb des Hauses schamvoll zu kleiden habe. Doch ob das Tragen des Kopftuches eine Pflicht oder eher eine Empfehlung sei, ist zwischen Theologen und Koranexperten umstritten. Einerseits wird es als Symbol der Unterdrückung der Frau betrachtet, während es andererseits in frühen Gesellschaften als Schutz vor Übergriffen diente. Heutzutage wird der Schleier häufig im Zusammenhang mit der Re-Islamisierung, aber auch als ein politisches Symbol islamischer Selbstbesinnung oder nationaler Eigenständigkeit gesehen.

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