Frauensport im Islam - Theorie und Praxis

Zwischen Fitness und Ungleichberechtigung

Insbesondere in konservativen islamischen Gesellschaften ist der Frauensport schwer vereinbar mit den Werten des Islam und der Rolle der Frau. Der Status der Frauen im Islam ist von der Unterordnung gegenüber dem Mann gekennzeichnet.

Homa Hosseini startet als erste iranische Ruderin bei den Olympischen Spielen 2008 Quelle: afp

Zwar kommt die Soziologin Leila Sfei in ihrem Buch "The status of muslim women in sport: conflict between cultural tradition and modernization" zum Schluss, dass der Islam dem Frauensport gegenüber sogar aufgeschlossen sei. Doch beim Umgang mit dem weiblichen Körper sind diverse Schicklichkeitsbestimmungen und Sittlichkeitsgebote zu befolgen.

Wichtige Geschlechtertrennung

Besonders die Geschlechtertrennung zur Kontrolle und dem Schutz der Familie sowie vor allem der Ehe ist im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung von Frauen zu beachten. Sind Frauen und Männer nicht nach Geschlechtern getrennt, müssen sie sich an die Bekleidungsvorschriften halten. Der Koran gebietet anständigen Frauen, sich außerhalb des Hauses schamvoll zu bekleiden, ihre Reize zu verdecken. Konservative Muslime legen diese Vorschrift so aus, dass die Frauen ihren kompletten Körper mit Kleidung verhüllen. Nur Hände, Füße und Gesicht bleiben sichtbar. Die Frauen sollen die weite lange Kleidung tragen, um sich vor den Blicken anderer Männer zu schützen. Ihre Bewegungsfreiheit beim Sport ist dadurch allerdings stark eingeschränkt.

Zwar müssen sich auch Männer vom Nabel bis zu den Knien bedecken, denn die "knappe" Sportkleidung ist eigentlich für beide Geschlechter tabu, doch praktisch wird es bei den Männern lockerer gehandhabt als bei den Frauen. Sportarten wie Bogenschießen, Rad- oder Skifahren, aber auch Fußball könnten eigentlich ohne Probleme in der Öffentlichkeit praktiziert werden. Doch auch hier monieren konservative Stimmen, dass beispielsweise das Spannen des Bogens oder die Bewegungen beim Fahrradfahren unsittliche Anblicke darstellten. Allgemein dürfen sportliche Betätigungen nicht im Umfeld oder in der Nähe des Moscheebezirks stattfinden.

Sport statt Hochzeit?

Ein weiteres Problem neben der Geschlechtertrennung und den Bekleidungsvorschriften bietet das Jungfräulichkeitsgebot im Islam. So besteht gerade bei Leistungssportlerinnen das Problem, dass das Jungfernhäutchen reißen und so ihre Heiratschancen immens sinken könnten.


Athletinnen indes haben zwei Möglichkeiten, Sport zu treiben. Wenn dies in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Männern geschieht, dann ist sittliche Kleidung geboten. Wenn Frauen in geschlossenen Räumen, zu denen Männer keinen Zutritt haben, Sport treiben, dann können sie sich freier bewegen und auf Kopftuch, Tschador und lange Kleidung verzichten. So gibt es beispielsweise in der Islamischen Republik Iran viele Fußball spielende Frauen. Frauen wiederum ist der Zutritt zu Fußballstadien untersagt, da der Blick auf Männer in knappen Fußballerhosen als unsittlich gilt. Ein Thema, das der iranische Regisseur Jafar Panahi in seinem Film "Offside" hervorragend verfilmt hat und damit auf den Internationalen Filmfestspielen in Berlin 2006 den Großen Preis der Jury, den Silbernen Bären, gewann.

Problemfall Schwimmunterricht

So passiert es, dass der Sport zwar für seinen integrativen Charakter gelobt wird, aber auch ausgrenzen kann. Denn immer noch werden Mädchen muslimischen Glaubens häufig vom Schulsport - besonders dem Schwimmunterricht - befreit. Und das trotz "islamischer" Schwimmkleidungen wie dem Burkini. Die Eltern besonders streng gläubiger Familien finden es unsittlich, wenn Mädchen und Jungen leicht bekleidet zusammen schwimmen oder trainieren. Die Gebote der Keuschheit und Scham gelten eigentlich ebenso für Jungen, werden aber selten eingefordert.

Muslimische Kinder im Schwimmbad + Kopftuch Quelle: dpa


Nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichts von 1993 sind die Schulen verpflichtet, möglichst nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht anzubieten, allerdings erst von der Pubertät an. So herrscht zumindest in der Grundschule demnach ohnehin Sport- und Schwimmpflicht. Auch in der weiterführenden Schule wird der Bildungsauftrag von Gerichten höher gewertet, als die Religionsfreiheit.

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