Gebetsräume für Gastarbeiter

Die Geschichte der Hinterhofmoschee

Als die ersten muslimischen Gastarbeiter Anfang der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts nach Deutschland kamen, fanden sie keine Moscheen vor, die ihnen die Ausübung des rituellen Pflichtgebets in der Gruppe erlaubt hätten. Inzwischen ist die Moschee zum Zentrum des sozialen Lebens vieler Muslime geworden.

Die ersten Gastarbeiter beteten zunächst in ihren Unterkünften. Doch die religiösen Bedürfnisse in dieser Hinsicht wurden in den wachsenden muslimischen Gemeinden bald stärker.

Geeignete Räume gesucht

Wenngleich das private Gebet theoretisch überall, also auch zuhause, möglich ist, so nahm der Wunsch nach geeigneten Räumlichkeiten für das gemeinsame, öffentliche Gebet zu. Also griff man auf die auch in Amerika und anderen Ländern Westeuropas verbreitete Praxis zurück, profane Zweckbauten in einen islamischen Gebetsraum zu verwandeln.

Gespräch mit Burhan Kesici: "Raus aus der Hinterhofmoschee!"Die Umnutzungen betrafen alte Fabrikhallen und leerstehende Gewerberäume, Garagen oder ehemalige Ladengeschäfte, Wohnhäuser, Keller, Scheunen oder andere Nebengebäude. Solche Bauten liegen vorwiegend in den Industriegebieten der Städte oder, falls doch im Zentrum, beispielsweise in den Hinterhöfen von Mietshäusern. Von außen sind die Hinterhofmoscheen zwar unauffällig, doch im Inneren entfaltet sich oft eine eigene Welt.

Liebevolle Deko im Inneren

Häufig wurden die Räumlichkeiten in liebevoller Kleinarbeit und abendlicher Eigeninitiative von Berufstätigen dekoriert. Nicht selten schmücken arabische Kalligraphien oder auch Darstellungen von Moscheen in Heimatregionen die Wände, von der Blauen Moschee in Istanbul zum Beispiel. Für die Nutzer bieten diese Stätten nicht nur eine Möglichkeit, das Gebet zu verrichten. Sie haben auch die Funktion eines sozialen Netzwerks und einer zweiten Heimat.


Oft sind es vor allem die älteren Männer der ersten Gastarbeitergeneration, die ganze Tage in den Moscheen beziehungsweise den angeschlossenen Räumlichkeiten verbringen. Zu den meisten Moscheen gehört auch ein Café oder eine Kantine, wo man sich unterhalten, Freunde treffen, Kartenspielen oder gemeinsam fernsehen kann.


Größere Moscheen können, je nach Raumangebot und Ausrichtung des Moscheevereins, zum Beispiel Frauen- und Jugendräume, eine Bibliothek, einen Vorstandsraum mit Büro, einen Lebensmittelladen oder gelegentlich eine Friseurecke umfassen.

Fußballvereine für die junge Generation

Mancherorts ist es nicht einfach, die soziale Struktur und den engen Zusammenhalt an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Zu diesem Zweck sind den Moscheevereinen nicht selten Fußballvereine angeschlossen, und es werden soziale Dienstleistungen wie Hausaufgabenhilfe oder Sprach- und Computerkurse organisiert.

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