Gefangen in den eigenen vier Wänden

Die Anwältin Gülsen Celebi im Gespräch

Anwältin Gülsen Celebi

Kultur | Forum am Freitag - Gefangen in den eigenen vier Wänden

Asiye Balikci betreut als Mitarbeiterin des Caritasverbandes Gelsenkirchen zwangsverheiratete Frauen. Sie sagt: Schuld ist das System Famillie, aus dem viele junge Frauen nicht ausbrechen können.

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Auf der Islamkonferenz wurden in einer Erklärung einhellig Zwangsehen und häusliche Gewalt verurteilt. Jeder hat ein Recht auf „körperliche und seelische Unversehrtheit sowie das Recht, aus eigenem Entschluss und im Rahmen der geltenden Gesetze eine Ehe einzugehen oder dies zu unterlassen“. Die Probleme, die es nach wie vor gibt, haben mit patriarchalischen Strukturen zu tun, aber nicht mit dem Islam. Darin waren sich die muslimischen Vertreter und Innenminister Friedrich einig. Die Anwältin Gülsen Celebi vertitt die Opfer: "Forum am Freitag"-Moderator Kamran Safiarian hat sie besucht.

Eine Studie des Familienministeriums von 2008 hat belegt, dass Zwangsehen auch ein Thema in Deutschland sind. Rund 3.450 Frauen fühlen sich von der Zwangsverheiratung bedroht. Experten gehen allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher ausfällt. Bei den Betroffenen handelt es sich in den meisten Fällen um junge, muslimische Frauen, die in Deutschland aufgewachsen sind. Sie werden häufig gegen ihren Willen verschleppt, um in der Heimat ihrer Eltern zu heiraten. Bei der Wahl des Ehemanns hat die Braut kein Mitspracherecht, dieser wird zuvor von der Familie ausgesucht. Stimmt die zu Verheiratende dem Ehemann hingegen zu, handelt es sich nicht um eine Zwangsehe, sondern um eine arrangierte Ehe. Seit 2011 sind Zwangsehen in der Bundesrepublik Deutschland strafbar; bis zu fünf Jahre Haft erwartet die Verantwortlichen. Darüber hinaus haben die Opfer das Recht, in ihr „vertrautes“ Heimatland zurück zu kehren.

Ein Zuhause voller Gewalt

Die Zwangsverheiratung ist nur eine Form von häuslicher Gewalt. Der Begriff häusliche Ge-walt bezieht sich generell auf Gewalttaten, die zwischen Personen passieren, die zusammen in einem Haushalt leben. Differenziert wird zwischen der körperlichen und der psychischen Gewaltsamkeit. Auch die Gewalt in der Ehe ist in Deutschland keine Seltenheit. Laut der Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ sind in 80 bis 90 Prozent der Fälle Frauen die Opfer und Männer die Täter. Jede vierte Ehefrau sei betroffen. Dazu gehören auch muslimische Frauen. Häusliche Gewalt und der Islam werden oft mit einem fragwürdigen Vers im Koran in Verbindung gebracht, welcher lautet: „Die aber, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet, die ermahnt, haltet euch fern von ihnen auf dem Lager, und schlagt sie." Die Bedeutung dieser Aussage ist auch unter Muslimen umstritten.

Morden für die Ehre

Bei einem Ehrenmord geht es prinzipiell um die Tötung eines Familienmitgliedes. Als Motiv für das Morden gilt der Verstoß gegen gesellschaftliche Verhaltensregeln seitens der getöteten Person. Im Islam gibt es keine Begründung für einen Mord dieser Art. Dennoch sind viele islamisch geprägten Gesellschaften patriarchalisch-orientalisch ausgerichtet - die Ehre der Frau hat für diese Familien einen besonders hohen Stellenwert. Eine angebliche Verletzung dieser Ehre gilt als Schande. Lehnt eine Frau beispielsweise den auserwählten Ehemann bei der Zwangsheirat ab, kann das den Ehrenmord zur Folge haben.

Nach dem Weltbevölke-rungsbericht der UNO werden jedes Jahr weltweit 5.000 Frauen wegen „unsittlichen Verhaltens“ ermordet. Über die Zahl der weltweit ermordeten Männer liegen keine Angaben vor. In Bezug auf die Ehrenmorde, die in Deutschland passieren, sind über 90 Prozent der Täter männlich - fast alle wurden außerhalb Deutschlands geboren. So eine Studie des Max-Planck-Instituts aus dem Jahre 2011. Ehrenmorde werden häufig als Tötung aus niedrigen Beweggründen eingestuft und damit als Mord bestraft. Daraus folgt für gewöhnlich eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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