Gefühlte Deutschenfeindlichkeit

Bessere Sprachförderung an Kitas

Beleidigungen, Beschimpfungen und gegenseitige Diffamierungen - an Schulen in Deutschland wird der Umgangston immer rauer. "Deutsche Schlampe", "Schweinefleischfresser" - Politiker wie Bundesfamilienministerin Schröder beklagen eine wachsende Deutschenfeindlichkeit.

An Schulen in Deutschland wird immer mehr Deutschfeindlichkeit laut. "Deutsche Schlampe", "Schweinefleischfresser" - "solche Beschimpfungen sind bei Jugendlichen leider in bestimmten Gegenden alltäglich - auf Schulhöfen, aber auch in U-Bahnen", so Bundesfamilienministerin Schröder. Die Ministerin betonte, es handle sich hierbei nicht um ein Randphänomen, sie rede "von einem leider nicht geringen Anteil muslimischer Jugendlicher".

Harte Strafen für Beschimpfungen

Gründe für aggressives Verhalten seien mangelnde Bildung, falsche Freunde, aber auch Macho-Normen und Gewalterfahrungen in der Familie. "Wenn bestimmte Strömungen des Islam ein Überlegenheitsgefühl gegenüber Nichtmuslimen vermitteln, wenn Frauen nur dann als würdevoll gelten, wenn sie bestimmte Kleidungsvorschriften einhalten und wenn Homosexuelle dort als minderwertig behandelt werden, dann ist das Teil des Problems."

Für auffällig gewordene Jugendliche forderte sie harte Strafen: "Ich bin grundsätzlich für deutliche Strafen, die möglichst schnell erfolgen - unabhängig von der Nationalität des Täters. Das Instrument der Ausweisung ist dabei ja keine Strafe im Sinne des Strafgesetzbuches. Es ist ein ordnungsrechtliches Instrument, das bei bestimmten Jugendlichen leider die Ultima Ratio ist. Und das ist auch richtig so."

Kritik an Schröder

Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte die CDU dafür: "Die Wunden, die die Union mit dem Begriff 'Integrationsverweigerer' bei den Migranten in unserem Land auslöst, sind riesig groß." Tatsächlich zeigte sich die Türkische Gemeinde in Deutschland besorgt über die Integrationsdebatte: In einem offenen Brief schreiben rund 650 Deutsche mit türkischen Wurzeln sowie langjährig in Deutschland lebende Türken: "Wir alle fühlen uns durch die derzeitige Diskussion diskreditiert."


Auch der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening hat die Debatte über eine angeblich wachsende "Deutschfeindlichkeit" muslimischer Schüler kritisiert. Konflikte und Cliquenbildung, die zu Mobbing auf dem Schulhof führten, verliefen entlang unterschiedlicher Grenzziehungen, "übrigens auch unter Migrantenkids", sagte Piening. Zudem stamme der "sehr problematische" Begriff der Deutschfeindlichkeit aus dem rechtsextremen Vokabular.

Bessere Sprachförderung an Kitas

"Wir haben sehr, sehr tiefliegende Ressentiments gegen verschiedene Gruppen, und davon sind Einwanderer nicht ausgenommen", argumentierte der Integrationsbeauftragte. Die Diffamierung deutscher Mitschüler als "Schweinefleischfresser" sei eine von vielen Beleidigungen, die in Schulen existierten und nicht zu akzeptieren seien. Mit religiöser Haltung habe das aber "wenig zu tun", sagte Piening. Auch bleibe unberücksichtigt, dass hierfür bislang keine gesicherten empirischen Ergebnisse vorlägen.

Die Lösung soll unter anderem eine bessere Sprachförderung für Ausländerkinder in Kindertagesstätten bringen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will die Sprachförderung an Kindergärten in sozialen Brennpunkten mit einem 400-Millionen-Euro-Programm verbessern. Deswegen sollen bundesweit bis zu 4000 Kitas zusätzlich je eine Halbtagskraft einstellen können, die Kindern unter drei Jahren beim Deutschlernen hilft. Allerdings nur für die nächsten vier Jahre. "Sprache ist einer der wichtigsten Schlüssel zur Integration", sagte Schröder. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass über die verstärkte Sprachförderung mehr Kinder mit ausländischen Wurzeln als bislang in die Kitas kommen.

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