Generalverdacht gegen Konvertiten?

Bekir Alboga zu den Verhaftungen Terrorverdächtiger

Im Forum am Freitag äußern sich der Dialog-Beauftragte der DITIB (Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e.V.) Bekir Alboga telefonisch aus der Türkei sowie die Frankfurter Zahnärztin Ezhar Cezairli zu den jüngsten Festnahmen zum Islam konvertierter Terrorverdächtiger. Ihr Thema: "Generalverdacht gegen Konvertiten?"

Festgenommener Terrorverdächtiger Quelle: dpa

Bekir Alboga: "Man darf keine Gruppe in Deutschland unter Generalverdacht stellen. Man darf ja auch nicht die ganze Gesellschaft rassistisch nennen, nur weil es vereinzelt in der Gesellschaft Rassisten gibt. Darunter leiden die Muslime ja gerade nach dem 11. September. Dabei haben die Muslime den Terror immer verurteilt. Muslime verurteilen jede Art von Terrorismus, ich persönlich verurteile jeden, der im Namen des Islam den Terrorismus als Waffe benutzt und unschuldige Zivilisten tötet. Der Krieg findet im Irak statt und nicht in Deutschland. Ich bitte jeden Muslim, Abstand vom Terrorismus zu nehmen - das ist der falsche Weg für uns alle. Außerdem bitte ich alle muslimischen Verbände und Organisationen, von Gewalt und Terror Abstand zu nehmen. Ich bitte auch alle Muslime darum, jegliche Tendenz zu Gewalt und Terror sofort der Polizei mitzuteilen."

"Für die Zukunft der Muslime bedrohlich"


Auf die Frage, was halten Sie vom Vorschlag des bayerischen Innenministers Beckstein, Übertritte zum Islam zu kontrollieren, sagte Alboga: "Wir leben doch in einer Demokratie, nicht im Kommunismus und vor allem nicht in einer Diktatur. Niemand sollte diese Rolle übernehmen. Ich finde diese Entwicklung für die Zukunft der Muslime bedrohlich. Wie kann man so etwas machen! Das stärkt nur weiter den Generalverdacht gegen uns Muslime."

"Was wäre dann der Unterschied zu den fundamentalistisch - islamistischen Muslimen in den islamisch geprägten Ländern, die Menschen bedrohen, die zum Christentum übertreten wollen? Man muss sich auf die Unterstützung der Muslime verlassen können. Die Muslime sind bereit zu kooperieren. Man muss diese Bereitschaft nicht schwächen, sondern stärken und nicht durch solche populistischen und politischen Aussagen diese Bereitschaft schwächen." Bekir Alboga ist Mitglied der Islamkonferenz und des Integrationsgipfels.

"Konvertiten teilweise viel fanatischer"

Cezairli Quelle: ZDF


Auch die Zahnärztin und säkulare Muslimin Ezhar Cezairli, Mitbegründerin der ISL (Initiative von säkularen und laizistischen BürgerInnen aus islamisch geprägten Herkunftsländern in Deutschland), äußert sich zu den Festnahmen: "Man sollte Terroristen nicht immer mit Muslimen gleichsetzen. Das jetzt zum Generalverdacht gegen Konvertiten aufgerufen wird, ist meines Erachtens sehr bedenklich. Andererseits war uns allen auch klar, dass Konvertiten teilweise viel fanatischer sind als solche, die als Muslime geboren sind. Konvertiten sehen sich immer in der Pflicht, rechtfertigen und begründen zu müssen, wieso sie zum Islam konvertiert sind. Es ist oft so, dass Konvertiten den Glauben noch mehr leben wollen."


Auf die Frage, was halten Sie vom Vorschlag des bayerischen Innenministers Beckstein, Übertritte zum Islam zu kontrollieren, sagte Cezairli: "Man kann und sollte jedoch nie den Fehler machen, Terroristen nach der Religionszugehörigkeit und der Herkunft zu beurteilen. Es wird langsam sehr ungemütlich für uns Muslime hierzulande. Ich will nicht als Muslimin sondern als Staatsbürgerin dieses Landes wahrgenommen werden. Wir müssen unsere Religion doch jetzt nicht öffentlich zur Schau stellen. Religion ist und bleibt Privatsache."

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