Geschichte des Bauchtanzes

Der "Raks sharki", der Tanz des Ostens

Der Bauchtanz, im englischen Belly Dance genannt, bezeichnet unterschiedliche Tanzstile, die zu orientalischer Musik ausgeführt werden. "Bauchtanz" ist die umgangssprachliche Bezeichnung vor allem für orientalischen Tanz.

Bauchtänzerin
Bauchtänzerin Quelle: ,reuters

Der Begriff "Bauchtanz" reduziert fälschlich die Vielfalt des orientalischen Tanzes und das Können der Tänzerinnen auf den Bauch, die Hüfte oder das Gesäß. Ebenso wie bei allen Tänzen werden natürlich auch Arme, Beine, Hände, Füße, Schultern und der Kopf bewegt.

Die Ursprünge des Tanzes

Über die Ursprünge und Entstehungsgeschichte des Bauchtanzes, der als "Raks sharki", Tanz des Ostens oder orientalischer Tanz bezeichnet wird, gibt es viele Vermutungen. Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse liegen jedoch kaum vor. Er bezieht sich auf eine Tanzform, die ihren Ursprung in Ägypten hat und bezeichnet den dortigen Solotanz der Frauen. In Ägypten hatte der Tanz von jeher einen hohen Stellenwert bei allen festlichen Gelegenheiten.

Orientalische TanzkunstAllgemein wird angenommen, dass dieser Tanz aus dem Fruchtbarkeitsritus entstanden ist und zu den ältesten Tänzen der Welt gehört. Viele prähistorische Skulpturen und Felsmalereien belegen, dass Tanz bereits in den frühesten Kulturen eine wichtige Rolle gespielt hat. Von Indien über den Orient bis hin zum Balkan und dem Mittelmeerraum finden sich immer wieder Zeugnisse von rituellen oder religiösen Tänzen, die sich mit der Verehrung des ewig Weiblichen und der Muttergöttin befassen. Inwieweit diese Fruchbarkeits-, Geburts- und Tempeltänze Ähnlichkeit mit dem uns heute bekannten Bauchtanz haben, ist unbekannt.

In Ägypten fand man zahlreiche Wandmalereien, auf denen Tänzerinnen und Musiker in Posen abgebildet sind, die Ähnlichkeit mit denen des orientalischen Tanzes haben. Durch die Ausbreitung des Christentums im Mittelmeerraum und dem Siegeszug des Islam in den orientalischen Ländern - zwei Religionen, die der Körperlichkeit zumindest recht zwiespältig gegenüber stehen - wird der Tanz später zunehmend aus dem öffentlichen und kulturellen Leben und somit auch aus den Geschichtsbüchern verbannt.

Bauchtanz und 1001 Nacht

Nachdem schon die Orientreisenden des 19. Jahrhunderts die westlichen Phantasien geweckt hatten, war der Auftritt einer Tänzerin bei der Weltausstellung 1893 eine Sensation. Die westliche Welt war wahlweise schockiert oder fasziniert. Nichtdestotrotz brach damit eine "Orient-Welle" aus, bei der die typischen Vorstellung von 1001 Nacht auf den Tanz projiziert wurden. Fremde und Reisende waren seit Jahrhunderten von diesem Tanz fasziniert und berichteten in ihren Briefen, Reisebeschreibungen und Büchern darüber.

In den Erzählungen und Zeichnungen der Orientreisenden des 19. Jahrhunderts war das Bild des Bauchtanzes jedoch stark vom verklärten Blick der Europäer auf den Orient und zum anderen dem kolonialistischen Weltbild und den strikten christlichen Moralvorstellungen dieser Zeit geprägt. Seit der Kolonisation Ägyptens und mit zunehmendem technischen Fortschritt und kulturellem Austausch verbreitete sich der Tanz auch im Ausland. Auch Hollywood entdeckte den Bauchtanz und sorgte mit seinen Musicalfilmen im Stil von 1001 Nacht für ein Comeback der Orientwelle.

Bauchtanz-Boom

Anfang der 60er Jahre entstanden so schließlich die ersten "Belly Dance-Studios" in den USA, bevor der orientalische Tanz in den 70er Jahren endlich nach Deutschland kam, wo Mitte der 80er Jahre die "Bauchtanz-Welle" einen ersten Höhepunkt erreicht. Interessanter war es vor allem die Zeit der sexuellen Revolution und die anschließende Welle der Emanzipation, die dafür sorgte, dass das Interesse am orientalischen Tanz nicht ab- sondern sogar noch zunahm. Im Rahmen der Neuentdeckten und nunmehr selbstbestimmten Weiblichkeit entdeckten die Feministinnen den orientalischen Tanz. Bauchtanz als Methode der Selbsterfahrung und als Befreiung des weiblichen Körpers.

Heute ist das Interesse am orientalischen Tanz nahezu ungebrochen: Er ist in Europa, Australien, Skandinavien, Japan und den USA ebenso zu finden wie in Ägypten, wo er bis heute auf Festen in getanzt wird. In Ägypten ist der Tanz bis heute als "Raks Sharki" (Raqs Sharqi) bekannt, wohingegen der volkstümliche Tanz als "Raks Baladi" bezeichnet wird. In Persien (Iran) spricht man vom "Raks Arabi" oder einfach als "Arabic Dance". In Griechenland kennt man den "cifte telli", in der Türkei den "gobek dans" oder "rakkase".

Mittlerweile 60.000 Frauen, so schätzt man, beschäftigen sich derzeit in Deutschland hobbymäßig mit orientalischem Tanz. In jeder Stadt gibt es Volkshochschulen und Tanzstudios, die Kurse und Seminare für orientalischen Tanz anbieten. Daneben gibt es mittlerweile eine Vielzahl verschiedener Veranstaltungen, Festivals, Kongresse, Basare und sogar Fachmessen für orientalischen Tanz in ganz Deutschland und Europa.

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