Grundsäule des Islam: Das Gebet

Regeln für das Beten

Das Gebet stellt neben dem Glaubensbekenntnis, der Wallfahrt, der Almosensteuer und dem Fasten eine der fünf Grundsäulen des Islam dar. Es ist die Hinwendung des Gläubigen zu Gott als Ausdruck der Anerkennung seiner absoluten Souveränität und des Vertrauens in seine Barmherzigkeit und Güte.

Gebet in Berliner Moschee Quelle: dpa

Das Gebet ist eine religiöse Pflicht eines jeden Gläubigen. Ausgenommen von dieser Pflicht sind Kranke, Altersschwache, Geistesgestörte. Reisende werden entweder vom Gebet entbunden oder dürfen in einem verkürzten Ritus beten. Das (Pflicht-)Gebet wird zwar vom einzelnen Muslim verrichtet, es besitzt jedoch eine einheitliche Form und erfolgt nach festen Riten, die es zu einem Ritus der Gemeinschaft machen (Gemeinschaftsgebet/Freitagsgebet) und so den Gläubigen auch in die Solidarität der Gemeinschaft der Muslime fest einbinden.

Rituelles Pflichtgebet

Der Islam unterscheidet grundsätzlich zwischen dem rituellen Pflichtgebet (Arabisch: salat/Türkisch und Persisch: namaz) und dem persönlich-privaten Gebet oder Bittgebet (du'a). Das rituelle Pflichtgebet wird jeden Tag fünfmal absolviert, zur Morgendämmerung, mittags, nachmittags, kurz nach Sonnenuntergang und in der Nacht. Das persönlich-private Gebet (du'a) dient Muslimen auch als Schutz bei Reisen oder beim Einstieg in Verkehrsmittel wie beispielsweise Autos oder Flugzeugen.

Vor dem Gebet sind eine Ankündigung durch einen Gebetsruf und die rituelle Waschung erforderlich. Da der Muslim nicht unvermittelt vom täglichen Geschäft zur Verrichtung des Gebets übergehen kann, unterzieht er sich vor dem Gebet speziellen rituellen Waschungen. Je nach Grad der vorherigen "Unreinheit" wird eine Teilwaschung (wudu) oder eine Ganzwaschung (ghusl) zum Beispiel nach dem Geschlechtsverkehr vollzogen.

Rituelle Waschung

Bekir Alboga beim Fusswaschen Quelle: ZDF


Von der Ganzwaschung sind alle Teile des Körpers betroffen. Bei der Teilwaschung wäscht sich der Gläubige die Hände, reinigt sich die Zähne mit einem Zahnstocher oder putzt sich die Zähne mit einer Zahnbürste. Er spült sich den Mund und zieht Wasser aus der rechten Hand in die Nase, dann spuckt er das Wasser aus und lässt es aus der Nase in die linke Hand zurückfließen. Dann wäscht und reibt er sich das ganze Gesicht von der Haarwurzel bis zum Kinn und von einem Ohr zum anderen. Dann streicht er sich wieder über den Kopf einschließlich der Ohren und er streicht sich wiederum mit Wasser den Kopf diesmal von vorne bis zur Haarwurzel nach hinten und zurück. Dann wäscht er sich die Füße bis zu den Knöcheln und sorgt dafür, dass das Wasser die Haut zwischen den Zehen benetzt. Er beginnt mit dem rechten Fuß, dann wäscht er den linken Fuß und reibt beide Füße.

Zudem müssen die Gläubigen dafür sorgen, dass ihre Kleider und der Ort, an dem sie beten, ebenfalls sauber sind. Diese Reinigungsriten haben neben dem Akt der kultischen Reinheit auch eine übergeordnete Bedeutung. Sie soll die Aggressivität des Gläubigen dämpfen, ihm innere Ruhe verleihen und den Zorn des Satans, der aus Feuer geschaffen wurde, durch das Wasser löschen. So ist die Waschung ein Symbol der inneren Reinheit, der Reue und der Abkehr von Sünde.

Der Ablauf des Gebets

"Ruhm sei Gott, dem Höchsten"

Beim rituellen Gebet wendet sich der Gläubige in die Gebetsrichtung nach Mekka (Arabisch:qibla ) und richtet seine Gedanken auf die nun erfolgende Zwiesprache mit Gott. Praktisch hebt er beide Hände neben den Kopf und spricht "Allahu Akbar" - Gott ist groß. Nun legt er die Hände vor den Bauch zusammen und rezitiert die erste Sure des Koran (die fatiha): Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes. Danach spricht er leise eine weitere Koransure, zumeist die 112.


Die Handhaltung der Frauen weicht hierbei geringfügig von der der Männer ab. Dann verneigt sich der Gläubige, die Handflächen berühren dabei seine Beine etwas oberhalb der Knie und er spricht abermals allahu akbar sowie dreimal "Ruhm und Preis meinen Gott, dem Allmächtigen." Danach richtet er sich wieder auf und sagt: "Möge Gott den hören, der ihn preist, Dir, mein Herr, die Lobpreisungen."Der Gläubige lässt sich mit einem erneuten Allahu Akbar auf die Knie nieder, berührt mit der Stirn den Boden und spricht: "Ruhm sei Gott, dem Höchsten". Dann setzt er sich auf die Fersen und spricht abermals allahu akbar, dann "Mein Gott vergib mir, erbarme Dich meiner." Dann berührt er wieder mit der Stirn den Boden. Damit ist ein Gebetsabschnitt (rakaa) abgeschlossen und der Gläubige verharrt auf den Fersen sitzend.

Muslime beten in Moschee Islamkonferenz Quelle: ap


Bevor er eine erneute raaka beginnt, zitiert er erneut die erste Sure. Je nach Tageszeit bestehen die Gebete aus zwei bis vier Abschnitten. Am Ende der Zwiesprache mit Gott spricht der Gläubige das Bezeugungsgebet, das mit den Worten endet: "Es gibt keinen Gott außer Gott, und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist." Danach spricht er Bittgebete für den Propheten Muhammad und seine Familie sowie für den Stammvater Abraham (Arabisch: Ibrahim) und seine Familie. Abschließend richtet der Betende einen Gruß nach rechts und links mit "As-salam aleikum - Friede sei mit Euch und die Barmherzigkeit Gottes". Mit dieser Geste zeigt der Gläubige, dass er Teil der muslimischen Gemeinschaft ist.

Freiwilliges Bittgebet

Neben dem Pflichtgebet ermuntert der Islam die Gläubigen dazu, ständig an Gott zu denken und dies auch im privaten, freiwilligen Gebet zu tun. Dieses freiwillige Bittgebet kann in Form von einem Tischgebet, einem Gebet vor dem Einschlafen oder bei Beginn einer Reise vollzogen werden. Das freiwillige Bittgebet bildet auch den Abschluss des Pflichtgebetes.

Dem Gläubigen ist es freigestellt, sein privates Gebet nach dem Schema des Pflichtgebetes oder in einer anderen Form zu verrichten. Diese Anrufung Gottes ist nicht an bestimmte Zeiten gebunden. Das Gebet kann an jedem Ort vollzogen werden, idealerweise in einer Moschee. Der Gläubige kann sich aber auch einen Gebetsplatz herrichten, indem er einen Teppich oder etwas Ähnliches auf der Erde ausbreitet.

Das Gemeinschaftsgebet

Neben dem Pflichtgebet gibt es auch das Gemeinschaftsgebet, das am Freitagmittag im öffentlichen Anbetungsort, also in der Moschee, abgehalten wird. Die Leitung der betenden Gemeinde übernimmt ein Vorbeter (Imam). Das Gemeinschaftsgebet besteht aus zwei Gebetseinheiten. Die Pflicht, am Gemeinschaftsgebet teilzunehmen, trifft jeden muslimischen Mann, der nicht durch berechtigte Gründe wie Krankheit, Reisen oder als Beamte im öffentlichen Dienst tätig ist. Auch Frauen und Kinder sind von dieser Pflicht befreit, sie können jedoch auf einer Empore oder in einem getrennten Raum der Moschee das Freitagsgebet besuchen und mitverrichten. Anlässlich des Gemeinschaftsgebetes wird eine Ansprache gehalten.

Das Gemeinschaftsgebet wird auch zu besonderen Anlässen wie zur Feier des Fastenbrechens und des Opferfestes sowie anlässlich des Todes eines Gläubigen oder in Kriegszeiten oder bei großer Dürre und Trockenheit verrichtet. Die Vorzüge des Freitagsgebetes werden in der Tradition hervorgehoben und auch im Koran ist das Gebet der Gemeinschaft als verbindliche Pflicht festgelegt.

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