Hamideh Mohagheghi im Chat - Teil 2

"Es gibt keine Gleichberechtigung im Koran"

Die islamische Theologin und Gründerin des Netzwerkes für Musliminnen in Deutschland sagt: "Es gibt im Islam eine Gleichwertigkeit von Mann und Frau"
Sie stand eine Stunde lang im "Forum am Freitag"-Chat Rede und Antwort.

Hamideh Mohagheghi im Interview mit Kamran Safiarian Quelle: ZDF


Frage: Worin besteht im Islam der Sinn des eigenen Lebens?


Hamideh Mohagheghi: Der Sinn des Lebens besteht darin, dass der Mensch in der Zeit seines irdischen Lebens nach Ethik und Gebot Gottes lebt, seine Schöpfung bewahrt, den anderen achtet und sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt.


Frage: Es wäre toll, wenn alle danach handeln würden. Aber die Welt sieht leider anders aus.


Hamideh Mohagheghi: Es liegt an Menschen, wie die Welt aussieht. Wenn jeder sich tatsächlich bemüht und nicht wartet bis die anderen es besser machen, wären wir viel weiter in die richtige Richtung.


Frage: Der Sinn des Lebens wäre für mich, wenn wir alle respektvoll und tolerant miteinander umgehen würden. Das ist meine Vorstellung, ohne je vom Koran gehört zu haben.


Hamideh Mohagheghi: Das ist sehr schön, die Ethik und menschliches Verhalten haben vielfältige Quellen.


Frage: In dem von Ihnen genannten Sinn des Lebens sind normale berufliche Ziele nicht enthalten. Wie denkt der Islam darüber?


Hamideh Mohagheghi: Was ist mit den normalen beruflichen Zielen gemeint?


Frage: Mit normalen beruflichen Zielen meine ich alle Berufe, die nicht religiös sind.


Hamidh Mohagheghi: Die Berufe müssen nicht alle religiös sein. Der Beruf ist auch für den Verdienst des Lebensunterhaltes. Und das ist auch ein Gebet.

In der Gesellschaft wirken


Frage: Was halten Sie von der Sendung Forum am Freitag? Glauben Sie, die Sendung ist für Muslime und Christen interessant? Was könnte verbessert werden?


Hamideh Mohagheghi: Ich finde es sehr gut, dass den Muslimen auf diese Weise eine Stimme gegeben ist und wünsche mir, dass auf diese Weise eine umfassende gesellschaftliche Diskussion über alle Lebensbereiche in Deutschland ermöglicht wird.


Frage: Welche Antwort würden Sie der westlichen Welt geben, damit sie Muslime endlich verstehen und nicht ständig mit den Terroristen gleichsetzen?


Hamidh Mohagheghi: Meine Antwort wird zuerst gerichtet sein auf Verantwortlichen in der Gesellschaft, die die Ängste der Menschen für ihren eigenen Zwecken missbrauchen. Ich werde auch vorschlagen, dass die Menschen mehr miteinander in Kontakt treten und über alltäglichen Angelegenheiten miteinander sprechen. Meine Antwort ist auch: lassen Sie sich nicht von Ängsten verleiten und versuchen Sie, alles differenzierter zu sehen.


Frage: Wie sehen Sie die Position der Islam-Kritiker, die meist keinen religiösen Hintergrund haben? Kann man das Islamwissenschaft nennen oder ist es eher der Hass auf eine starke Gemeinschaft von Gläubigen?


Hamideh Mohagheghi: Es gibt beide Positionen: Diejenigen, die sich wissenschaftlich damit auseinandersetzten, sind in der Lage auch Objektivität zu bewahren und ihre Aussagen wissenschaftlich begründen.
Und es gibt diejenigen, die nur aus ihren eigenen persönlichen schlechten Erfahrungen heraus den Islam kritisieren. Die können meistens nicht differenziert sprechen.


Frage: Welche Maßnahmen müsste man in Deutschland einführen, damit Muslime hier in diesem Land als Religionsgemeinschaft anerkannt werden? Im Endeffekt vertreten Muslime ja die zweite Mehrheit in dieser Gesellschaft.


Hamideh Mohagheghi: Es gibt viele offene, rechtliche Fragen. Es liegt aber auch an den Muslimen eine Art Organisation zu finden, die eine Grundlage für die rechtliche Anerkennung sein kann.

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