HATIF, die Aussteigerhotline

Telefonische Hilfe für Islamisten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat ein Aussteigerprogramm für gewaltbereite Islamisten angekündigt. Es soll den Namen HATIF tragen: "Heraus Aus Terrorismus und Islamistischem Fanatismus". Zudem ist HATIF das arabische Wort für Telefon. Das Programm soll bald an den Start gehen, einen genauen Termin gibt es aber bislang nicht.

Eric Breininger
Eric Breininger Quelle: dpa

Vertrauliche Telefonate

Thomas de Maiziere
Thomas de Maiziere Quelle: dpa


HATIF soll sich an Menschen wenden, die sich aus einem Umfeld lösen wollen, in dem ein gewaltbereiter Islamismus propagiert und gelebt wird. Auch Familienmitglieder und Freunde gewaltbereiter Islamisten können sich dann per Mail oder bei einer telefonischen Hotline melden, die von Mitarbeitern des Bundesamtes für Verfassungsschutz betreut werden soll. Bei HATIF sollen Ansprechpartner in deutscher, arabischer und türkischer Sprache zur Verfügung stehen, die alle Gespräche absolut vertraulich behandeln. Bei diesen Telefonaten soll es nicht darum gehen, die Anrufer vom muslimischen Glauben abzubringen. Es handele sich vielmehr um ein Angebot zum Ausstieg aus dem gewaltbereiten Islamismus, hieß es.

Beim Bundesamt für Verfassungsschutz gibt es bereits ein Programm für aussteigewillige Rechtsextremisten, das im Jahr 2001 startete. Auch die Organisation "Exit Deutschland" hat seit Jahren Erfahrung mit aussteigewilligen Rechtsextremisten. Auch dieser Verein erhält mittlerweile Anfragen aus dem islamistischen Milieu. Oftmals seien es besorgte Mütter, die sich verzweifelt an den Verein wenden, wenn sie das Verhalten ihrer Söhne nicht mehr verstünden, sagt der Gründer Bernd Wagner.

Bezugssystem Familie

Er rät, trotz zunehmender Entfremdung, die potenziellen Dschihadisten nicht von der Familie abzukoppeln. "Kommunikation muss aufrechterhalten bleiben, damit erkannt wird, wann die religiöse Weltanschauung in eine Gefahr übergeht." Die Erfahrungen mit den Neonazis ließen sich aber nur schwer auf Islamisten übertragen, sagt Wagner. Aber auch glaubt, wie die HATIF-Gründer: "Beim Ausstieg aus dem islamistischen Radikalismus geht es nicht um einen Ausstieg aus der Religion".

Die Verfassungsschutzämter verfügen über einen Grundstock an Kontakten und Netzwerken, auf dem ein mögliches Aussteigerprogramm aufbauen könnte. So werden in Hessen zum Beispiel Jugendämter und Sozialämter für radikale Tendenzen bei muslimischen Jugendlichen sensibilisiert, heißt es beim dortigen Verfassungsschutz.

Mehr Islamisten in Deutschland

Bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes am 21. Juni in Berlin erklärte de Maizière, dass Islamisten Deutschland weiterhin im Visier hätten. Ende vergangenen Jahres zählte der Verfassungsschutz in Deutschland 29 islamistische Organisationen, die bundesweit aktiv waren. Die Zahl der Islamisten in der Bundesrepublik wird auf 36.270 geschätzt. Davon sind aber nicht alle auch gewaltbereit.

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