Interview mit Prof. Christian Pfeiffer

Der Verfasser der KFN-Studie über seine Forschung

Je religiöser sich junge Muslime geben, desto eher neigen sie zu Gewalt und Machokultur, so das Ergebnis der KFN-Studie von Prof. Pfeiffer.


ZDF.de: Sie haben in Ihrer Studie herausgefunden, dass junge religiöse Muslime mehr zur Gewalt neigen. Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?



Prof. Pfeiffer: Aus unseren Analysen zeigt sich, je religiöser junge Muslime sind, je häufiger sie in die Moschee gehen, je mehr sie beten, je stärker sie selber gewichten, wie zentral bedeutsam die Religion für ihr Leben ist, um so weniger deutsche Freunde haben sie, um so niedriger ist ihr Bildungsstand, um so weniger fühlen sie sich als Deutsche, um so weniger nutzen sie die deutsche Sprache, das heißt, es gibt offenkundig einen Rückzug in die Ethnie und in die Religion. Je ausgeprägter ihr Glaube in den Fragebögen dokumentiert ist, um so deutlicher bejahen sie die sogenannten gewaltlegitimierenden Männlichkeitsnormen, auf Deutsch gesagt, die Machokultur, um so häufiger spielen sie sehr brutale Computerspiele. Beides sind nach allgemeinen Erkenntnissen Verstärkungsfaktoren der Jugendgewalt. Damit ist zu erklären, dass anders als bei allen anderen Religionen hier die Regel gilt, je religiöser sie sind, umso deutlicher fallen sie mit Gewalttaten auf.

Rolle der Religionsvermittlung


ZDF.de: Müsste aber eigentlich nicht Gebet und Fasten vor Gewaltanwendung schützen?


Prof. Pfeiffer: Das gilt für Christen, das gilt für Buddhisten, das gilt für Juden uneingeschränkt. Je religiöser diese Gruppen sind, umso weniger gewalttätig sind sie. Bei den Muslimen gilt, je religiöser sie sind, umso weniger Alkohol trinken sie, um so weniger stehlen sie im Laden. Die Jungen sind, die Mädchen weniger, offenkundig stark davon beeinflusst, von der Art und Weise wie der Islam von der Mehrheit der Imame zelebriert wird, wo dieses männliche Dominanzelement sehr stark ist. Und das scheint ein wichtiger Faktor dafür zu sein, dass sie die Dominanz des Mannes für wichtig halten, religiös untermauert für richtig halten und dann in diese Machokultur hineinrutschen, natürlich auch gestärkt durch familiäre und soziale Aspekte.

"Forum am Freitag"-Gespräch mit Rauf Ceylan: Fromm und gewalttätig?ZDF.de: Ist also eher der Grund für diese Gewaltbereitschaft nicht in der Religion, sondern in der Religionsvermittlung zu suchen?


Prof. Pfeiffer: Genau so ist es. Wir sagen nicht, der Islam macht gewalttätig, sondern die Art und Weise wie er von den Imamen zelebriert wird, die mit unserer Kultur nicht verbunden sind, die kein Deutsch sprechen, die hier Gastarbeiter des Islam sind, diese kulturfremden Imame scheinen sich doppelt negativ auszuwirken. Einmal, dass sie die jungen Menschen, die sich ihnen stark anvertrauen, doch sehr unserer Kultur entfremden, und dass sie zweitens in den männlichen Jugendlichen stark dieses Element der Machokultur betonen und in ihnen verstärken.

Perspektiven der Verbesserung


ZDF.de: Wie kann die Religionsvermittlung bei den jungen Muslimen verbessert werden. Was muss sich da tun?


Prof. Pfeiffer:
Ich denke, ganz entscheidend ist, was Herr Ceylan selber auch sagt: Wir brauchen in Deutschland ausgebildete, in unserer Kultur verwurzelte Imame, die Deutsch sprechen, die die Lebenswelt der Jugendlichen kennen. Aus meiner Sicht kann man über richtiges und falsches Leben in einer Gesellschaft doch nur dann wirkungsvoll predigen, wenn man diese Gesellschaft kennt, wenn man in ihr selber zuhause ist. Ebenso wichtig ist eine verbesserte Bildungsintegration der jungen Migranten. Wir können durch unsere Langzeitbeobachtungen nachweisen, je besser sie schulisch integriert sind, je höher der Anteil in Realschulen und Gymnasien ist, um so mehr baut sich die Machokultur ab, um so mehr deutsche Freunde haben sie, um so besser kommen sie in unserer Gesellschaft klar.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet