Islam und Ökologie

Islamische Staaten sind wenig umweltbewusst

Die Weltbevölkerung wächst. Infolgedessen werden die Ressourcen knapp, die ökologische Krise spitzt sich zu. Auch die islamischen Länder sind davon betroffen. Doch der Umweltschutz spielt dort eine untergeordnete Rolle. Realität ist eher der sorglose Umgang mit Energie.

Windräder neben brandenburgischem Braunkohlekraftwerk Quelle: dpa

Dabei mahnt der Koran an vielen Stellen die Muslime zu sorgfältigem und maßvollen Umgang mit den Ressourcen an. So heißt es in Sure 7, Vers 31: "Und esst und trinkt, und seid nicht verschwenderisch, denn Er liebt die Verschwender nicht." Und auch in der prophetischen Tradition finden sich viele Aussagen, die sich auf einen vernünftigen Umgang mit der Natur beziehen: "Es gibt keinen Muslim, der einen Baum pflanzt oder Land kultiviert, wovon dann Vogel, Mensch oder Tier sich ernährt, ohne dass ihm dies als ein Akt der Barmherzigkeit angerechnet wird", so ein Ausspruch Mohammeds.

Verantwortung der Menschen

Nach islamischem Verständnis hat der Mensch eine besondere Verantwortung für die Schöpfung, da er laut Koran von Gott zum Statthalter auf Erden auserwählt wurde: "Und als dein Herr zu den Engeln sprach: 'Ich werde auf der Erde einen Nachfolger einsetzen.' Sie sagten: 'Willst Du auf ihr einen einsetzen, der auf ihr Unheil stiftet und Blut vergießt, während wir Dein Lob singen und Deine Heiligkeit rühmen?' Er sprach: 'Ich weiß, was ihr nicht wisst.'" (Sure 2, Vers 30).

Eine umfassende Umweltdiskussion mit gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat es in der islamischen Welt bislang nicht gegeben. Ein wesentlicher Grund hierfür liegt nach Meinung vieler Experten darin, dass die islamischen Länder, trotz bestehender Umweltprobleme, vorrangig ökonomische Entwicklungsfragen verfolgen, ohne auf ökologische Folgen zu achten.


Vor allem in Sufikreisen und unter Gelehrten, die dem mystischen Islam nahe stehen, wird über das Thema diskutiert. So hat beispielsweise der iranische Gelehrte Seyyed Hussein Nasr bereits 1968 in seiner Schrift "Man and Nature" auf die kommenden Probleme der Naturbehandlung durch die Menschen aufmerksam gemacht. Die Lösung der Probleme wird in einer Erneuerung und Aktualisierung der islamischen Spiritualität gesehen, die in ihrer Folge zu einer stärkeren Beachtung und praktischen Anwendung der koranischen Kosmologie führt. Man kann diese Bestrebungen als Versuch sehen, eine theozentrische Umweltethik zu etablieren. Doch dies sind zurzeit noch Einzelstimmen.

Umweltethik wenig verbreitet

In der islamischen Theologie nehmen naturethische Aussagen gegen die Umweltverschmutzung momentan noch keinen großen Raum ein. Das hängt damit zusammen, dass der Umweltdebatte in den islamischen Ländern insgesamt noch kein großer Stellenwert beigemessen wird. Es ist zu erwarten, dass mit der Zunahme eines ökologischen Diskurses auf gesellschaftlicher Ebene sich auch die islamische Theologie vermehrt diesem Thema zuwenden wird.

In der islamischen Welt haben sich in den vergangenen Jahren einige ökologische Bewegungen gegründet. So gibt es seit 1990 in Ägypten eine Grüne Partei, deren politische Bedeutung jedoch marginal ist. Im Libanon existiert seit 2005 die Libanesische Umweltpartei. Noch ist sie nicht aktiv: Die über hundert Mitglieder sind noch dabei, ihr Programm auszuarbeiten. Auch die zahlreichen NGOs dort, die auf diverse Umweltprobleme hinweisen, werden nicht gehört. Der gleiche Fall im Nachbarland Syrien: Die Umweltbewegung ist dort mit weniger als 20 kleinen Organisationen noch sehr gering entwickelt. Diese beklagen zudem, dass das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung noch immer schwach ausgeprägt sei. Mehr Einfluss hat die 1988 in der Türkei gegründete Grüne Partei. Auch wenn sie die Zehn-Prozent-Hürde bei den türkischen Parlamentswahlen bisher nie überschritten hat, sitzt sie immerhin als Beobachter in der Fraktion der Europäischen Grünen im Europaparlament.

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